Sallmutter: Pension - Äpfel mit Birnen werden verglichen

Seltsame und unökonomische Betrachtung eines ”Spitzenökonomen”

Wien (GPA/ÖGB). Hans Sallmutter, Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten und Präsident des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, zeigte sich erstaunt über die "äußerst seltsamen und unökonomischen Betrachtungen", die Prof. Erich Streissler in der "Presse" vom 25. 09. 1999 über das österreichische Pensionssystem angestellt hat. ++++

Zur Erinnerung: Erich Streissler bezeichnete die gesetzliche Altersvorsorge als das "teuerste öffentliche Pensionssystem der Welt" und sah in den Pensionen das "größte budgetäre Problem."
"Von einem Wirtschaftsprofessor würde man sich ein derart unseriöses Herumspielen mit unvergleichbaren Daten" eigentlich nicht erwarten, meinte Sallmutter.

"Die Pensionen als größtes budgetäres Problem darzustellen sei anlässlich eines Bundesbeitrages zum Pensionssystem von 2,3% des BIP ziemlich absurd. Im internationalen Vergleich ist dieser Wert alles andere als dramatisch. In Großbritannien macht allein die steuerliche Förderung der privaten Pensionsvorsorge ein Ausmass von 3% des BIP aus", so Sallmutter.

Professor bleibt Beweis für seine Behauptungen schuldig

Zur Bezeichnung des österreichischen Pensionssystems als dem teuersten der Welt meinte Sallmutter: "Unserem Herrn Professor unterläuft da leider der Fehler, die Preise ohne die Leistungen zu vergleichen. Er bleibt einen Beweis für seine Behauptungen schuldig. Dieser wäre einzig und allein darin zu finden, wenn uns ein System gezeigt wird, dass bei einer gleichen demografischen Bevölkerungsstruktur und gleich hohen Einkommen dieselben Einkommensersatzraten zu geringeren Beiträgen liefert."

Grundversorgung oder Lebensstandardsicherung

"Man kann nicht einfach die Ausgaben zur gesetzlichen Altersvorsorge verschiedener Staaten vergleichen, ohne zu hinterfragen, ob damit lediglich eine Grundversorgung, also das Existenzminimum, abgedeckt wird oder ob es sich, wie bei uns um eine Lebensstandardsicherung handelt. Ein aussagekräftiger Vergleich müsste bei allen Staaten, deren öffentliche Pensionen einen geringeren Einkommensersatz liefern, auch die Kosten der privaten Vorsorge inklusive ihrer steuerlichen Förderung einbeziehen, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen."

In einem wesentlichen Kriterium der Effizienz ist das gesetzliche Pensionssystem übrigens unschlagbar: dem Verwaltungsaufwand. Die Kosten des Einkommenstransfers betragen 3%. "Da kann kein Privater mit" meint Sallmutter. Laut Rürup betragen in den USA und GB die Verwaltungskosten und Gewinnausschüttungen 35% der Beiträge der privaten Pensionsvorsorge. (Bac-)

ÖGB, 27. September 1999 Nr. 445

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