Krankenhaus Floridsdorf erhält Golden Helix Award

Bestes Projekt im deutschsprachigen Raum

Wien, (OTS) Grossartiger Erfolg für das Wiener Gesundheitswesen. Ein Projekt zur Eindämmung multiresistenter Spitalskeime im Krankenhaus Floridsdorf erhielt den
renommiertesten europäischen Preis für Qualitätssicherung, den "Golden Helix Quality Award". Im Rahmen des Projektes konnten seit 1997 die Infektionen von Patienten mit so genannten
"Spitalskeimen" um 24 Prozent reduziert werden. Neben "gesünderen" Patientinnen und Patienten brachte die Arbeit des Qualtitätsteams, in dem alle Berufsgruppen zusammenarbeiten, Einsparungen in Höhe von fast 1,5 Millionen Schilling durch kürzere Aufenthaltsdauern und einen geringeren Material- und Antibiotika-Aufwand. Im 14köpfigen Projektteam um Oberarzt Dr. Wolfgang Zenz, Prim. Univ.Prof. Dr. Kaspar Sertl und Schwester Astrid Urban waren sämtliche Berufsgruppen des Spitals vertreten.

An der Präsentation am Montag nahmen weiters der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) Univ.Prof. Dkfm. Dr. Eugen Hauke, der stellvertretende Generaldirektor des KAV, Prim. Dr. Ludwig Kaspar, und die Leiterin der Stabstelle Organisationsentwicklung im KAV, Oberin Margit
Ernst, teil.****

Durchgesetzt haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Floridsdorf gegen 97 Projekte aus dem deutschsprachigen Raum, von denen vier "ins Finale" kamen. Unter den Finalisten waren zwei deutsche Spitäler (Klinikum Nord, Hamburg; Dill-Kliniken, Dillenburg) und gleich zwei Wiener Spitäler, das Allgemeine Krankenhaus und eben das Krankenhaus Floridsdorf. Als bestes deutschsprachiges Projekt wird das KH Floridsdorf am 29. Oktober
in Mallorca gegen die Teilnehmer aus den anderen europäischen Regionen antreten.

Hauptsponsor des Golden Helix Quality Award ist die Firma Hewlett Packard, die den Preis im Jahr 1992 ins Leben rief.

Staphylokokkus aureus ist gefährlichster Spitalskeim

Die Verbreitung des so genannten MRSA (Methicilin resistenter Staphylokokkus aureus), eines gegen Antibiotika resistenten ("standhaften") Bakteriums bzw. Keims ist ein weit verbreitetes Problem in Spitälern. Dieser Keim befällt vorwiegend abwehrgeschwächte Spitalspatientinnen und -patienten und ist aufgrund seiner hohen Resistenz nur schwer, aufwändig und kostenintensiv zu behandeln.

MRSA werden durch den Kontakt mit infizierten Patienten übertragen. Das Projektteam in Floridsdorf ermittelte gemeinsam eine "Reihung" der Übertragungswege:

1. Hände
2. Dienstkleidung (Maske, Haube, Handschuhe, Schürze)
3. Matratzen
4. Geräte, die mit Patienten in Kontakt kommen
5. Geschirr
6. Einrichtungsgegenstände
7. Schwarze Tonnen (f. Entsorgung infektiösen Mülls)

Mitte der 90er Jahre verzeichnete das KH Floridsdorf eine ansteigende MRSA-Verbreitung. Dies wirkte sich negativ auf die Kostenentwicklung aus und die Aufenthaltsdauer von betroffenen Patienten stieg im Schnitt auf 21 Tage. Ausserdem konnten
teilweise nicht alle Betten belegt werden, da viele Patienten isoliert werden mussten und das Nebenbett nicht belegt werden konnte. Auch wenn aufgrund des generell hohen Hygienestandards die absoluten Zahlen relativ niedrig erschienen, gab es einen entsprechenden Handlungsbedarf.

o 1995: 21 MRSA
o 1996: 29 MRSA (plus 38 %)
o 1997: 38 MRSA (plus 31 %)
o 1998: 29 MRSA (minus 24 %)

Diese Zahlen belegen von 1995 auf 1996 eine Zunahme der MRSA
um 38 Prozent und von 1996 auf 1997 eine Zunahme um 31 Prozent.

Hygieneprojekt brachte Trendwende

Die Trendwende kam mit dem Beginn des jetzt ausgezeichneten Hygieneprojektes, das erstmals wieder die Infektionszahlen von
1997 auf 1998 um 24 Prozent sinken ließ.

Gemeinsam mit allen Berufsgruppen wurden genaue Verhaltensmaßregeln für scheinbar alltägliche Verrichtung wie Blutdruckmessen, Abhören mit dem Stethoskop etc. erarbeitet und festgehalten (siehe Beilage).

Erhöhung der Qualität senkt die Kosten

Der Rückgang von MRSA-Infektionen ist aber auch finanziell messbar. Verkürzte Aufenthalsdauern und weniger Material- und Antibiotikaaufwand brachten dem KH Floridsdorf von 1997 auf 1998 Einsparungen von fast 1,5 Millionen Schilling.

o Kosten Spitalsaufenthalt

1997 (38 Patienten): 5,593.980,--
1998 (29 Patienten): 4,269.090,--
ergibt ein Minus von 1,324.890,-- (minus 24 Prozent)

o Materialaufwand:

1997 (38 Patienten): 328.872,--
1998 (29 Patienten): 250.981,--
ergibt ein Minus von 77.891,-- (minus 23 Prozent)

o Antibiotika:

1997 (38 Patienten): 374.528,--
1998 (29 Patienten): 285.828,--
ergibt ein Minus von 88.704,-- (minus 24 Prozent)

Hygieneteams in allen Wiener Spitälern

Bereits seit Jahren gibt es in allen Wiener städtischen Spitälern zum Teil hauptamtliche Hygieneteams. 1995 wurde im Allgemeinen Krankenhaus die österreichweit erste Klinische Abteilung für Krankenhaushygiene eingerichtet, die sich u.a. mit hausinternen Arbeitsanleitungen und Standards, Ursachenforschung für Spitalsinfektionen, mikrobiologisch-epidemiologischen Untersuchungen zur Erkennung von Übertragungsmechanismen und innerbetrieblicher Fortbildung befasst.

Dass man mit Hygiene auch Geld sparen kann, bewies schon 1996 die Krankenanstalt Rudolfstiftung, die im Rahmen des WHO-Projektes "Gesundheit und Krankenhaus – Hygiene-Organisation" die jährlichen Gesamtausgaben für Antibiotika um 4,68 Prozent oder 1,2 Millionen Schilling senken konnten. Ohne Hygiene-Team hätte man von einer Steigerung von 6 Prozent ausgehen müssen. Gleichzeitig konnte eine Senkung der Resistenzen um 18 Prozent festgestellt werden.
(Schluss) nk/

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