Knalleffekt bei Holocaust-Vergleich der Bank Austria

BA-CA-Gruppe zu Nachverhandlungen über Zwangsarbeiter-Liste bereit

Wien (OTS) - Im Holocaust-Vergleich der Bank-Austria-CA-Gruppe
bahnt sich eine Überraschung an. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Um das hauptsächlich vom World Jewish Congress (WJC) kritisierte 40-Millionen-Dollar-Settlement endgültig unter Dach und Fach zu bringen, will die Bank Austria jetzt Konzerntöchter, die im Krieg nachweislich Zwangsarbeiter beschäftigt hatten, vom Vergleich ausklammern.

Bank-Austria-Anwalt Ewald Weninger: "Bei Unternehmen, wo eine Involvierung der Bank-Austria-Creditanstalt-Gruppe nicht oder nicht mehr möglich ist, könnte man dem World Jewish Congress helfen."

Auf einer dem Vergleichsvorschlag - der am 1. November 1999 dem zuständigen New Yorker Gericht vorgelegt wird - beigefügten Liste finden sich laut FORMAT insgesamt 1454 Unternehmen, die ursprünglich allesamt Gegenstand des Settlements sein hätten sollen. "Die Liste zählt jedes Unternehmen auf, an dem eine der beiden Banken zwischen 1939 und 1999 beteiligt war", zitiert das Magazin einen Berater. "Wir wollten sicherstellen, daß am Ende nicht durch ein Hintertürl neue Schadenersatzforderungen schlagend werden."

Doch an genau dieser Aufstellung erhitzten sich zuletzt die Gemüter. So hatte beispielsweise WJC-Generalsekretär Israel Singer in einem Interview mit FORMAT erklärt: "Man darf nicht erwarten, daß die Bank und mit ihr mehr als 1000 Unternehmen für vierzig Millionen US-Dollar einen Persilschein für die Nazi-Verbrechen ausgestellt bekommen."

Tatsächlich nennt die Liste laut FORMAT neben einer Reihe von Gesellschaften, die aufgrund ihres jungen Alters mit dem Holocaust nicht in Verbindung stehen, auch Industriebetriebe, die sehr wohl enge Kontakte zum NS-Regime unterhielten. Fünfzig bis hundert Unternehmen, darunter Porr, Semperit, Berndorf, SGP oder Wienerberger hätten während des Krieges nachweislich Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion oder Ungarn eingesetzt, so das Magazin.

Die umstrittene Aufstellung werde jetzt radikal überarbeitet und ausgeputzt. Demnach sollen Firmen, die während des Krieges nachweislich Zwangsarbeiter beschäftigten und heute nicht mehr unter der Kontrolle der Bankengruppe stehen, gestrichen und damit auch vom Vergleich ausgeschlossen werden.

Für NS-Opfer, die im Dritten Reich um ihre Bankguthaben betrogen wurden, bliebe dadurch mehr Geld im 40 Millionen-Dollar-Topf, berichtet das Magazin. Zugleich stünde ehemaligen Zwangsarbeitern der Weg zu neuen, direkten Klagen gegen die betroffenen Industriebetriebe offen.

Dies umso mehr, als die BA-Gruppe an etlichen der genannten Unternehmen ohnehin nicht mehr beteiligt ist. Baufirmen wie Rella oder Stuag wurden in den vergangenen Jahren ebenso abgestoßen, wie Anteile an Ankerbrot, Berndorf oder Austria Email.

Um einen Kompromiß zu finden, wurden unterdessen auch jüdische Organisationen eingeschaltet. FORMAT zitiert aus einem Brief der renommierten New Yorker BA-Anwaltskanzlei Stroock, Stroock & Lavan an das Comittee for Jewish Claims on Austria: "Helfen Sie uns, so rasch wie möglich jene Gesellschaften zu identifizieren, die nachweislich Zwangsarbeiter eingesetzt haben."

Wieviele der rund 1400 Unternehmen nach Abschluß der Prüfungen noch Gegenstand des Vergleichs sein werden, will laut FORMAT derzeit niemand prognositizieren. Vorsichtigen Schätzungen zufolge dürften jedoch so gut wie alle ehemaligen industriellen Nazi-Kollaborateure eliminiert werden.

Brisant freilich könnte die Causa Wienerberger werden. Der Baustoffkonzern habe, so das Magazin, im Dritten Reich reichlich von Zwangsarbeiter Gebrauch gemacht, steht aber bis heute zu insgesamt rund 55 Prozent im Eigentum der BA-Gruppe. "In all den Fällen, wo eine theoretische Schadenshaftung der Bankengruppe besteht", zitiert FORMAT einen Bank-Austria-Manager, "gibt es definitiv keinen Handlungsspielraum. Bei Wienerberger ist das der Fall."

BA-Anwalt Weninger demonstiert Zuversicht: "Ungeachtet aller Kleinquerelen bin ich überzeugt, daß die sachliche und freundschaftliche Beziehung zwischen Israel Singer und mir tragfähig sein wird."

Moshe Jahoda, Leiter des Wiener Büros des Comittee for Jewish Claims on Austria, sieht laut FORMAT ebenfalls noch nichts verloren:
"Wo ein guter Wille ist, ist auch ein guter Weg."

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

FORMAT Michael Nikbakhsh

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS