Lehrstellenmarkt: Katastrophenmeldungen unbegründet

Belangsendung der WKÖ am 28.9.1999 um 5:52 auf Ö1

PWK - Für rund 40.000 Burschen und Mädchen, die heuer die Schule beendet haben, beginnt in diesen Tagen der Ernst des Berufslebens. Wieder sind mehr Lehrverträge als in den Vorjahren abgeschlossen worden, und das trotz niedrigerer Geburtenjahrgänge. Katastrophenmeldungen über einen Mangel an Lehrstellen, wie sie im Wahlkampf auftauchen, sind daher falsch, stellt die Wirtschaftskammer Österreich fest. ****

Zur verbesserten Situation auf dem Lehrstellenmarkt haben Kostenentlastungsmassnahmen, der Abbau veralteter Jugendschutzbestimmungen, die von der Wirtschaftskammer Österreich vehement verlangt und schließlich durchgesetzt wurden, sowie die Schaffung von 25 neuen Lehrberufen beigetragen. Allein in diesen neu geschaffenen Lehrberufen sind derzeit 2.500 Jugendliche in Ausbildung. Es wäre aber noch manches zu verbessern, meint der Leiter der Bildungsabteilung der Kammer, Dr. Georg Piskaty.

"Wir haben also noch zwei ganz wesentliche Wünsche zur Änderung der Rahmenbedingungen der Lehre. Wir wollen wegkommen vom pragmatisierten Lehrling, das heisst, Lehrverträge sollen auflösbar werden unter bestimmten Voraussetzungen, besonders, wenn ein Lehrling unfähig oder unwillig ist, den Lehrberuf zu erlernen. Das würde, so eine Auflösbarkeit, paradoxerweise mehr Lehrverträge bringen, weil viel mehr Betriebe bereit wären, das Risiko einer Lehrlingsaufnahme auf sich zu nehmen, besonders bei schwierigeren Jugendlichen. Und wir sehen auch nicht ein, warum während der Berufsschulzeit die Lehrlingsentschädigung vom Betrieb gezahlt werden soll. Kein Schüler bekommt ein Schülergehalt, warum bekommt dann dies der Berufsschüler. Jedenfalls nicht von den Betrieben."

Vor allem die Vorlehre, also die Möglichkeit, einen Jugendlichen mit besonders schlechtem Zeugnis probeweise aufzunehmen, bewährt sich. Sie wäre ausbaufähig, meint Bildungsexperte Piskaty: "Es gibt Jugendliche, deren Zeugnis ist für die Lehre zu schlecht und für die Vorlehre zu gut. Sie dürfen trotz ihrer wirklichen Lernschwierigkeiten nicht in die Vorlehre eintreten und wir können ihnen daher mit diesem an sich attraktiven und auch europaweit anerkannen Instrument nicht helfen, und ich finde das eigentlich ganz indiskutabel, wenn man sich die Bedürfnisse der Jugendlichen anschaut."

Man sollte also die starre Grenze nach Schulnoten, die derzeit gilt, auflockern, und den Lehrherren mehr eigene Beurteilungsmöglichkeiten einräumen. Mit diesen Vorschlägen, meint die Wirtschaftskammer Österreich, könnte der positive Trend bei der Schaffung von Lehrplätzen noch verstärkt werden.
(Schluß) pt

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