Wien gegen Nationalpark: Bilanz nach drei Jahren Nationalpark Donauauen in Wien katastrophal

Wien (OTS) - Eine katastrophale Bilanz stellt der WWF (World Wide Fund For Nature) Wiens Naturschutzstadtrat Svihalek nach drei Jahren Nationalpark Donauauen aus: Vom Nationalpark-Vorreiter ist Wien zum Sorgenkind geworden und weit hinter Niederösterreich zurückgefallen. "Die Situation um den Nationalpark in Wien ist ein Morast aus Freunderlwirtschaft, Unfähigkeit und Unwillen", kritisiert DI Ulrich Eichelmann vom WWF Österreich. "Bei der Verwaltung bricht Wien den diesbezüglichen Staatsvertrag und hält sich nicht an die geltenden Gesetze. Im Naturraum-Management ist absolut nichts weitergegangen. Doch damit nicht genug: Svihalek unterstützt sogar aktiv zwei Bauprojekte, die das Aus für den Wiener Teil des Nationalpark bedeuten würden: Die sechste Donauquerung und den Donau-Oder-Elbe-Kanal. Wird diese Entwicklung nicht gestoppt, verliert die Lobau die Nationalpark-Eignung."

Die Hauptkritikpunkte der Naturschutzorganisation:

- Bruch des 15a-Nationalpark-Staatsvertrages: Keine Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Die Nationalparkverwaltung ist (laut Gesellschaftervertrag und 15a-Vertrag zwischen Land und Bund) für Planung und Durchführung des Managements zuständig. Das beinhaltet auch die Abwicklung der Entschädigungszahlungen. Dennoch führt die Stadt Wien alle Maßnahmen in der Lobau - sei es die Aufstellung von Informationstafeln oder Entschädigungszahlungen an eine andere Magistratsabteilung - ohne Absprache im Alleingang durch. "Der Nationalparkdirektor erfährt von Maßnahmen oft erst im Nachhinein aus der Zeitung", weiß DI Ulrich Eichelmann. "Diese Vorgangsweise widerspricht den geltenden Gesetzen, die der Wiener Landtag selbst mitbeschlossen hat."

- Das große Chaos:
Im Auftraggeber Gremium des Nationalparks - das als eine Art "Vorstand" alle Maßnahmen bewilligen muß - sitzt für die Stadt Wien seit 1997 bereits der dritte Vertreter. Damit nicht genug, kamen alle drei aus unterschiedlichen Magistratsabteilungen (MA 4, MA 22, MA 49). Bei den anderen beiden Gesellschafter, dem Umweltministerium und dem Land Niederösterreich, herrscht hingegen Kontinuität.

- Zwar hat Svihalek einen Nationalparkkoordinator bestellt, ihm aber zugleich wichtige Kompetenzen - z.B. die Fischerei - entzogen.

- Nationalpark-Management gegen die Natur

Im Wiener Nationalpark-Management haben politische Taktier-Spielchen mehr Gewicht als ökologische, nationalpark-konforme Argumente. Stadtrat Svihalek hob mehrmals fachlich sinnvolle Lösungen aus politischen Gründen wieder auf. Vor allem der sozialisitsche Arbeiter-Fischerei-Verband setzt seine Interessen mit Hilfe von Parteifreund Svihalek erfolgreich durch: In Wiener Teil des Nationalparks fischen vier mal mehr Angler pro Hektar als im niederösterreichischen Teil!

- Naturzerstörende Bauprojekte
Die Lobau weist einen Katalog von Schutzkategorien auf, wie sonst kein Gebiet in Österreich: Von Biosphärenreservat über Nationalpark bis zu Europaschutzgebiet Natura 2000 und RAMSAR- Schutzgebiet. Ausgerechnet der für Naturschutz zuständige Stadtrat Svihalek unterstützt zwei Bauprojekte, die dieses hochgeschützte Gebiet unwiderruflich zerstören würden:

- Die sechste Donauquerung: hätte auch in einer Tunnelvariante massive Auswirkungen.

- Der Donau-Oder-Elbe-Kanal: Wien beteiligt sich finanziell an der Vorbereitung und ist Mitglied im "Verein Donau-Oder- Elbe-Kanal" mit Sitz in Prag. Nach einer Studie des WWF droht der Kanal die europaweit größte europäische Naturzerstörung seit dem zweiten Weltkrieg zu werden - europaweit wären 61 Schutzgebiete betroffen.

"Alles in allem zeigt die Bilanz: Nach drei Jahren ist im Wiener Teil des Nationalparks die Natur der große Verlierer. Verantwortlich dafür ist Stadtrat Svihalek: Seine Politik ist gekennzeichnet von Unwillen zur Zusammenarbeit und Freunderlwirtschaft auf Kosten der Natur", resümiert DI Eichelmann die Bilanz des WWF.

Die Naturschutzorganisation stellt daher für die weitere Verwaltung des Nationalpark folgende Forderungen:

1. Sofortiger Stopp der Planungen der sechsten Donau-Querung durch die Lobau

2. Sofortiger Ausstieg aus dem Verein Donau-Oder-Elbe-Kanal
3. Klare Verhältnisse in der Verwaltung: Einhaltung des 15-a-Staatsvertrages

4. Kontinuität in der Besetzung der Gesellschafter-Versammlung
5. Klares, nationalparkkonformes Management in den Bereichen Jagd und Fischerei.

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