FPD: Die falschen Zahlen des Rudolf Edlinger

Einfach falsch, weil mehrfach verrechnet, Herr Finanzminister

Wien, 1999-09-22 (fpd) - Die Rechenfehler des Rudolf Edlinger. Eine Dokumentation des freiheitlichen Pressedienstes.****

Bei den Pensionisten:
Rechenfehler 1:
Für die Berechnung der Preissteigerung bei den Pensionisten gibt es seit 1967 den Pensionistenindex (PI). Der PI ist die einzig sinnvolle Bezugsgröße, weil den tatsächlichen Bedürfnissen der Pensionisten Rechnung trägt. Wer den Verbraucherpreisindex als Bezugsgröße nimmt, vergleicht Äpfel mit Birnen, Herr Finanzminister.
1995 und 1996 schreibt dann Bundeskanzler Vranitzky seine berüchtigten Pensionistenbriefe und garantiert die Höhe der Pensionen. Was ist dieses Garantie wert gewesen?

Die richtigen Zahlen ergeben
Jahr Pensionssteigerungen Pensionistenindex
1996 2,3% 2,1%
1997 0% 1,6%
1998 1,33% 1,2%
Summe 3,63% 4,9%
Die Pensionen sind um 3,63% gestiegen, der Pensionistenindex um 4,9%. Macht für die Pensionisten einen Verlust von 1,27%!

Rechenfehler 2: Aber selbst wenn der Verbraucherpreisindex als Vergleichszahl genommen wird, wie das der Finanzminister gemacht hat, schaut es für die Pensionsgarantie schlecht aus:

Jahr Pensionssteigerungen HVPI
1996 2,3% 1,9%
1997 0% 1,2%
1998 1,33% 0,8%
Summe 3,63% 3,9%
Auch der Verbraucherpreisindex ist im Vergleichszeitraum, weil Garantiezeitraum, stärker gestiegen, als die Pensionsanpassung der Bundesregierung.

Der Kinderscheck:
Der Finanzminister rechnet je nach Laune vor, daß der Kinderscheck zwischen:
Kurier, 31. August 1999: Zig Milliarden
APA 31. August 1999: 37 oder 44,5 Milliarden
OTS, 8. September 1999: rund 40 Milliarden
OTS, 9. September 1999: 44,5 Milliarden oder 38 Milliarden oder 20 Milliarden
Kleine Zeitung, 11. September 1999: 44 Milliarden
APA 12. September 1999: 40 Milliarden
kostet. Aber kein Wunder denn:

Rechenfehler 3:
Finanzminister Edlinger rechnet vor, daß die Ausweitung des Anspruchszeitraums auf das Vierfache um das Vierfache mehr kostet. Einfach, aber falsch:
1 x 4 = 4, Herr Finanzminister, und nicht 5.
Damit verrechnet sich Finanzminister Edlinger bei seinem dritten Rechenfehler gleich um 7,2 Milliarden Schilling.
Rechenfehler 4:
Finanzminister Edlinger geht von 600.000 Kindern aus die bezugsberechtigt sind und stellt seine Berechnungen an Ergebnisse siehe oben.
Tatsächlich werden rund 450.000 Kinder bezugsberechtigt sein. Zeitraum 0 - 4 Jahre:
246.238 Kinder kommen in den Genuß der 5.700.- öS
50.434 Kinder kommen in den Genuß von 2.850.- öS
Zeitraum 4-6 Jahre
Rund 92.515 Kinder haben den Vollanspruch auf Gutschein
und Geldleistung von 5.700.- öS
Rund 61 676 Kinder haben den Anspruch auf den Gutschein
von 2.850.-
Macht nach Adam Riese (und nicht Rudolf Edlinger):
(246.238 x 12 x 5.700) + (50.434 x 12 x 2.850) + (92.515 x 12 x 5.700) + (61.676 x 12 x 2.850) = 27.004.867.200.- öS
Gesamte Kosten: 27.004.867.200.- öS
Abzüglich Gutschein
27.004.867.200- 3.330.540.000 - 2.109.319.200 =
21 565.008.000.-
Verbleiben tatsächliche Geldleistungen: 21.565.008.000.-
Abzüglich Karenzgeldbezieher (Rund 90% der Mütter in der Modellrechnung)
21.565.008.000 - 6.750.000.000 = 14.815.008.000.-
Verbleiben nach der Gegenrechnung mit dem Karenzgeld
Effektive Kosten: 14.815.008.000.-
Anspruchsberechtigt sind nur österreichische Kinder (87% aller Kinder sind österreichische Kinder)
14.815.008.000 x 0,87 = 12.889.056.960.-
Ergibt reale Kosten abzüglich der Ausländerkinder: 12.889.056.960.-Gegenfinanzierung 2005 nach der Studie des Familienministeriums:
FLAF-Überschüsse: 10,6 Milliarden Schilling
FLAF-Reservefonds: 40 Milliarden Schilling
Bis dahin kann die Finanzierung durch Budgetumschichtungen erfolgen. Rechnen Sie, vergleichen Sie. Aber rechnen Sie richtig.
Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß Finanzminister Edlinger Rechenprobleme hat. Selbst Bundeskanzler Klima hat deswegen bereits die Fassung verloren, wie sich zeigt:
"Die Stimme des Kanzlers schraubte sich plötzlich zu bedrohlicher Lautstärke hoch. Er habe es satt, dröhnte Viktor Klima in die Runde, daß die SPÖ-Truppe in der gesamten Karenzgeld-Debatte derartig dilettantisch zu Werke geht. Es müsse doch fürwahr möglich sein, bellte er in die Richtung von Sozialministerin Lore Hostasch und Finanzminister Rudolf Edlinger, genaues Datenwerk über Bezieherkreis und Ausgaben zu liefern. Schließlich sei er es leid, bei jeder Wortmeldung - das ging in Richtung Frauenministerin Barbara Prammer -andere Zahlen unter die Nase gerieben zu bekommen."
Quelle: "profil" 8/99 22. Februar 1999

Wer kann jetzt nicht rechnen, Herr Finanzminister?
(Schluß)

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