Stress als Gesellschaftsbasis

Wien (OTS) - Mit einer verblüffenden These konfrontierte der in letzter Zeit viel diskutierte Philosoph Prof. Peter Sloterdijk die Teilnehmer des Oberösterreichischen Wirtschaftskongresses in Linz:
Gesellschaft würde nicht, wie bisher angenommen, durch Information und Kommunikation geschaffen, sondern durch Stress. Diesen Stress zu steuern und zu nutzen sei eine wesentliche Zukunftschance für Wirtschaft und Gesellschaft, betonte Sloterdijk.

Gesellschaftlich bedeutsam werde die Beherrschung von "Vermeidungsstress" sein: Dabei gehe es darum, einen "Bürgerkrieg als Neidkrieg" zu verhindern. Der Neid werde durch ein großes Konsumangebot hervorgerufen, wobei jene, die den Konsum genießen können, von den anderen beneidet würden, was zu ernsthaften gesellschaftlichen Konflikten führen würde. Als Gegenstrategie empfahl Sloterdijk eine "verteilende Gerechtigkeit", die die Unterschiede zwischen Siegern und Besiegten im Konsumkampf relativiert.

Der Wirtschaft wiederum sei zu empfehlen, einen positiven "Appetitstress" auszulösen bzw. anzuregen und die Menschen an ihren latenten Wunsch nach einem besseren Leben zu erinnern. Voraussetzung dafür, daß diese Anregung nicht den "Neidreaktor" in Betrieb setzt, sei allerdings, die materiellen Möglichkeiten für jenen Konsum zu schaffen, der Symbol des "besseren Lebens" ist. Überdies sollte man in einem interkulturellen Dialog zwischen Europa, Amerika und dem Fernen Osten die Chancen abwägen, die sich aus einem erlaubten, ja erwünschten Genießen für Wirtschaft und Gesellschaft ergäben; eine simple Ablehnung des "Konsumismus" sei jedenfalls kein gangbarer Zukunftsweg, betonte der Philosoph.

Eine andere Form von Stress, die an Bedeutung gewinnt, ist nach Ansicht Sloterdijks der Nachfragestress nach Intelligenz, die "jetzt als knappe Ressource entdeckt" worden sei, womit die idealistische Vorstellung widerlegt würde, es gäbe ausreichend Intelligenz, sie würde nur nicht genug genützt. Weil beim Einzelnen zuwenig Intelligenz vorhanden sei, ist jeder zunehmend auf Kooperation angewiesen, auf Teamarbeit zur Nutzung von Synergieeffekten. Wie ein Team definiert werde, könne jeder selbst feststellen, meinte Sloterdijk launig: "Wenn Sie zusammen mit anderen klüger sind als allein, dann sind Sie in einem Team. Sind Sie allein klüger als zusammen mit anderen, dann befinden Sie sich in Gesellschaft..."

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