Kormorane in NÖ vor dem Aus?

WWF protestiert gegen Ausnahmeverordnung, die Komoranabschuß auf fünf Jahre legalisieren soll

Wien (OTS) - Der World Wide Fund For Nature wendet sich energisch gegen Forderungen der Fischer, die Abschuß- und Vertreibungszonen für Kormorane auf alle bedeutenden Flüsse zu erweitern. Geht es nach dem Willen der Fischereilobby sollen auch die Abschußquoten massiv erhöht werden. Auch an der Donau sollen Kormorane in Zukunft keine Ruheplätze mehr vorfinden. "Diese Pläne laufen auf eine vollständige Wiederausrottung der Kormorane in Niederösterreich hinaus, ist Dr. Gerald Dick, Artenschutz Experte des WWF empört," dem Kormoran, der ohnehin nur noch als Wintergast nach Österreich kommt, wird jede Lebensberechtigung abgesprochen. Und das obwohl die Fischerei bisher jeden Beweis dafür schuldig geblieben ist, daß die Fischbestände durch den Kormoran tatsächlich geschädigt werden. Ganz im Gegenteil, die bisherigen Vertreibungs- und Abschußaktionen haben keinerlei Auswirkungen auf die Fischbestände gezeitigt, die Vogelwelt aber insgesamt beeinträchtigt. Der WWF fordert daher die NÖ Landesregierung auf, weitere Vertreibungen oder Abschüsse nur dann zu genehmigen, wenn endlich ein wissenschaftlicher Beweis für Schaden und Nutzen solcher Maßnahmen erbracht wird. Außerdem müssen die international bedeutenden Rastplätze für Wasservögel und Schutzgebiete, insbesonders die Donau, auch weiterhin tabu sein. Vor allem die großen Schutzgebiete wie der Nationalpark Donau-Auen müssen von den Fischern endlich respektiert werden.

Konkreter Anlaß: Die bisherige Ausnahmeverordnung, die Vertreibung und Abschuß von Kormoranen in NÖ regelte, ist abgelaufen. Nun soll auf Drängen der Fischereilobby eine neue verschärfte Regelung beschlossen werden. "Mit dieser neuen Verordnung, die fünf Jahre gelten soll, soll für eine EU-weit nicht jagdbare Art, eine Schußzeit von November bis April eingeführt werden," ärgert sich Gerald Dick. "Die Jägerschaft soll sich nicht mißbrauchen lassen, durch diese Schußzeit werden auch viele andere wandernde Vogelarten stark beeinträchtigt."

Seit den frühen 70iger Jahren brüten Komorane nicht mehr regelmäßig in Österreich, seit Beginn der 90iger Jahre kommen allerdings wieder verstärkt Kormorane als Wintergäste nach Österreich. Seither werden sie für den traurigen Zustand einiger Fischarten verantwortlich gemacht. Die Fischerei fordert daher weitreichende Abschußregelungen und Vertreibungszonen. Den Beweis, daß wirklich der Kormoran für die Probleme zahlreicher Fischarten verantwortlich ist, blieben die Fischer bisher schuldig. "Kormorane können sicher keine Fischarten ausrotten", stellt Gerald Dick fest, "allerhöchstens kann es auf kleinstem Raum zu einem kurzfristigen Problem kommen". Daher hat der Naturschutz 1996 auch unter starken Bedenken einem Kompromiß zugestimmt, der die begrenzten Vertreibungen von Kormoranen zugelassen hat. Die Fischerei verläßt nun mit ihren weitreichenden Forderungen diesen Kompromiß. "Vertreibungen haben aber nur dann Sinn, wenn es Rückzugsgebiete gibt, wo die Tiere Ruhe finden", erläutert Dick, "sonst erhöht man nur den Energiebedarf der Tiere, die öfter flüchten und daher auch mehr Fisch erbeuten müssen. Bisher konnten sich die Kormorane an die Donau zurückziehen, dort haben die Tiere auch ihre Schlafplätze. Wenn nun auch an der Donau abgeschossen oder vertrieben werden soll, werden nicht nur die Komorane sondern auch zahlreiche andere seltene bei uns überwinternde Wasservögel gestört und in ihrem Bestand bedroht.

Gefährdete Fischarten: die wahren Ursachen "Im Grund ist der Kormoran nur ein bequemer Sündenbock, für menschliches Fehlverhalten", meint Gerald Dick. Wenn heute zahlreiche Fischarten bedroht sind, dann sicher nicht weil ein paar Wasservögel ihren Hunger stillen. Die wahren Probleme sind der naturferne Zustand der Gewässer und eine verfehlte Besatzpolitik der Fischerei. In den regulierten und eingestauten Gewässern können viele Fischarten nicht mehr zu ihren angestammten Laichplätzen wandern, Laichplätze, Einstände und Versteckmöglichkeiten sind verloren gegangen. Ein prominentes Beispiel sind alle Vertreter der Störartigen, vor der Regulierung typische Donaufische, heute sind alle ausgestorben.

Ein weiteres massives Problem schafft sich die Fischerei selbst: die Besatzmaßnahmen, oft mit nicht heimischen oder standortfremden Arten schaffen zusätzliche Probleme. Krankheiten werden eingeschleppt, konkurrenzstärkere nichtheimische Arten verdrängen die heimische Fischartenvielfalt. Kein Wunder, daß 65 % unserer Fischarten auf der Roten Liste stehen.

"Der Kormoran, wie auch andere Fischfresser, ist genauso Bestandteil unserer Gewässer wie die Fische, die er frißt," stellt Gerald Dick fest. Ihn nur als Konkurrenz zu sehen, ist ein merkwürdiges Naturverständnis. Der Kormoran und die Ruhe am Fischgewässer, dürfen nicht dem Hobby einiger weniger geopfert werden. Der, der ums Überleben fischt, sollte Vorrang haben vor dem der die Fischerei als Zeitvertreib ausübt.

Die WWF Forderungen:

1. Die Bejagung an der Donau würde dem Kormoran jegliches Lebensrecht absprechen und entzieht daher die Basis für jedweden Kompromiß.

2. Ein Managment des Kormorans in Forellengewässern sollte nur dann zulässig sein, wenn endlich der Beweis für Schäden und Nutzen der Maßnahmen erbracht wird.

3. Ohne klares Bekenntnis der Fischerei zu den Schutzgebieten (wie z.B. der Nationalpark Donau- Auen) wird es keine Gesprächsbasis mit dem Naturschutz geben.

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