Castorf: Attacken gegen Peymann, Klestil, Klima

Wien (OTS) - Wenige Tage vor der Eröffnung des Burgtheaters mit Calderons "Tochter der Luft" führt Regisseur Frank Castorf in der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS schwere Attacken gegen "Burg"-Altchef Peymann, Bundespräsident Klestil und Kanzler Klima.

Der als "Theaterzertrümmerer" bekannte Castorf, Intendant der Berliner Volksbühne ...

... über Klestils Salzburger Eröffnungsrede, die sich u. a. gegen Theaterzertrümmerer richtete: "Der Bundespräsident hat recht. Man sollte die Stückezertrümmerer internieren, am besten unter KZ-ähnlichen Bedingungen. Da scheint eine große Sehnsucht nach dem Wiedererkennbaren zu sein - daß die Welt noch beherrschbar und nicht alles so schlimm ist, wie die Chaoten behaupten. Deshalb gehen hier ja soviele Leute ins Theater."

... über Kanzler Klima: "Meine Inszenierung dient dazu, ein wenig in diese Optimismussuppe des Kapitalismus sozialdemokratischer Prägung, zu spucken. Diese Klimas, Schröders und Blairs sind ja so verwechselbar. Ich habe immer nur ein Gebiß in Erinnerung und wenn die eine Viruserkrankung bekämen, in deren letzter Phase ihnen die Haut von den Knochen fällt, würde weiterhin das Gebiß ein Lächeln simulieren."

... über Claus Peymann, den neuen Intendanten des Berliner Ensembles, der ihn in Interviews schwer attackierte, bemerkt Castorf in NEWS: Wenn ich nicht mehr weiß, was Fiktion und Realität ist, bekomme ich das Krankheitsbild von Herrn Peymann. Er ist barock und realitätsvergessen. Ich mag auch die Narrenfunktion, die er spielt. Ich möchte sie allerdings nicht spielen, denn wenn man sich zu sehr in der Scharlatanerie des Barocken verliert, sieht man zuletzt nicht mehr, was ich neben dem Bühneneingang zuträgt. Und dann kommt diese Verwöhntheit, in der sich die linken Theatermacher der Bundesrepublik verloren haben, die nie verwinden konnten, daß sie nicht Kanzler, sondern leider nur Intendant geworden sind. Jemand wie Peymann, der in der Entwicklung neunzig wird, glaubt dann, was er macht, sei die Welt."

Castorf in NEWS weiter über Peymann: "Ich würde mich freuen, wenn das aufginge, was er dem Berliner Senat verkauft hat: Er wird den Mächtigen zeigen, wo der Hammer hängt. Aber er sollte sich vor der knochenbrechenden Kraft der Berliner Ignoranz zu fürchten beginnen.

In dieses Loch fällt man sehr schnell, wenn man mit einer so großen, freudigen Erregung barocker Streitlust kommt - und keiner streitet. Solcher barocken Selbstverblendung wünsche ich alles Gute. Es macht nämlich nicht glücklich, allein zu sein."

Castorf zu NEWS über Peymanns Handke-Inszenierung. "Die Fahrt im Einbaum": "Darüber möchte ich nichts sagen. Das ist ja wie Tierquälerei. Da breitet sich ein mir unbekanntes Gefühl von Mitleid aus. So einen Ausstieg muß man nicht haben."

Über den neuen "Burg"-Chef Bachler und dessen äußerst radikalen Start sagt Castorf, der die Calderon-Inszenierung einspringend übernahm: "Da ist ihm wohl ein konzeptionelles Versehen unterlaufen. Manchmal muß man jemanden zu seinem Glück schubsen. Mit der Eitelkeit ist es jedenfalls schwer in Einklang zu bringen, wenn man dem Kollegen Bachler in seinem "Theater heute"-Interview einen Halbsatz wert ist, in dem er einen als "Übernehmer" tituliert."

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