Gold und Silber aus Roseldorf

"Forum Platt" auf den Spuren einer großen Keltensiedlung

Roseldorf (OTS) - Eine Region besinnt sich ihrer historischen Wurzeln. Der aus 100 kulturinteressierten Enthusiasten im Jänner 1999 gegründete Verein "Forum Platt" (benannt nach der Zellerndorfer Katastralgemeinde), mit dem rührigen Obmann NR a. D. Josef Pfeifer, LR Dr. Johannes Bauer und den beiden Bürgermeistern von Sitzendorf und Zellerndorf als Präsidenten an der Spitze, begann sich alsbald für die Kelten zu interessieren. Aus gutem Grund: denn schon seit rund 100 Jahren sind keltische Münzfunde aus Roseldorf (Katastralgemeinde von Sitzendorf) bekannt und vielfach wissenschaftlich dokumentiert. Seither wurde vermutet, daß es hier Kelten in hoher Dichte gegeben haben muß. Zu einer Initiative, diese Vermutungen auch durch archäologische Grabungen zu untermauern, ist es allerdings bisher nicht gekommen. Einige Funden Ende der Siebzigerjahre - vor allem das "Tüpfelplattenfragment", durch Herrn Maurer aufgefunden - rief das Bundesdenkmalamt und Kunsthistorische Museum auf den Plan. Das gesamte Hoffnungsgebiet, rund 15 Hektar Ackerfläche, wurden unter Schutz gestellt. Dadurch wurden aber auch Raubgräber angelockt, die - analog zu Carnuntum - mit Metallsonden zu Werk gingen und ihre Funde ins In- und Ausland verkauften.

Der numismatische Aspekt wird von Dr. Günther Dembski (Münzkabinett) untersucht. Aus der großen Verbreitung der Roseldorfer Keltenmünzen bis nach München, Prag und Budapest läßt sich ableiten, daß es hier, ein halbes Jahrtausend vor Christi Geburt, eine große, auf Handel spezialisierte Keltensiedlung gegeben haben muß. Geprägt wurden in Roseldorf Gold- und Silbermünzen; letzteres ist eine erst aus letzter Zeit stammende Erkenntnis. Auch damals gab es schon Fälscher - bewiesen durch Goldmünzen und Goldbarren mit Kupferkern, wohl ein Hinweis auf hochklassiges Handwerk. Rund 500 Münzen sind dokumentiert, ein Vielfaches wird in Sammlerkreisen vermutet.

Der Raubgräberei Einhalt zu gebieten, ist ein nur Anliegen des Vereines und der beiden Gemeinden, die sich jetzt - über die Gründung des Vereines "Forum Platt" - voll hinter das "Projekt Sandberg" gestellt haben. Die Visionen reichen viel weiter, sie gehen über die wissenschaftliche Aufargbeitung und Dokumentation bis hin zu einem "Keltenpark".

Zunächst treten die Archäologen auf den Plan. Das Naturhistorische Museum, durch Frau Dr. Veronika Holzer mit einer regional verwurzelten Wissenschaftlerin mit der Sache verbunden, hat das Forschungsprojekt "Latenesiedlung Roseldorf" in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen. In Vorbereitung einer Grabung wurde von 1995 bis 1998 gemeinsam mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik eine geomagnetische Prospektion vorgenommen, eine Methode, mit denen man die Spuren von Besiedlungen ziemlich genau festlegen kann. Die in Carnuntum so erfolgreiche Luftbildmethode hatte sich hier als unbrauchbar erwiesen, wohl weil die Kelten ihre Häuser nicht mauerten, sondern aus Holz errichteten. Die Ergebnisse sind sensationell: Auf der bisher untersuchten Fläche von mehr als 5 Hektar wurden 112 Grubenhäuser aus verschiedenen Siedlungsepochen innerhalb der Latenezeit festgestellt. Auch Öfen in den Häusern und andere Bauformen wie Ständerbauten ließen sich nachweisen. Die Abgrenzung nach Süden ist aus einem Sohlgraben erkennbar.

Ein tatsächlicher Beginn der Grabungen hängt, wie so manches, vom Geld ab. "Jetzt stehen die beiden Gemeinden Sitzendorf und Zellerndorf hinter der Sache. Es liegt an uns, das Projekt soweit voranzutreiben, daß es für die Kulturförderung interessant wird", so Forum-Präsident Landesrat Dr. Bauer. Auf weitere Sicht liegt ein Vergleich mit dem Archäologiepark Carnuntum auf der Hand, mit allen Möglichkeiten, eine rekonstruierte Keltensiedlung, die größte, die bekannt ist, kulturell zu nutzen und auch touristisch zu vermarkten. Bis zum Keltenpark ist allerdings noch ein weiter Weg zurückzulegen.

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