Görg setzt Schwerpunkt bei Freiflächen für Kinder und Jugendliche

Wien, (OTS) Bei seiner Pressekonferenz zum Thema: "mehr
platz!" - mehr Freiräume für Kinder und Jugendliche - ein Schwerpunktthema, auf das die Wiener Stadtplanung zukünftig verstärkt aufmerksam machen will, stellte Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg am Freitag einen Aktionsplan der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung) vor, bei dem sich
internationale und nationale Expertinnen und Experten mit dem Freiraummangel in Großstädten "kritisch und konstruktiv" auseinander setzen.

Bei dem Projekt, bei dem sich zwei Symposien (im September
und Oktober) grundsätzlich mit Fragen wie: Gefährden fehlende Freiräume die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen? Welche Auswirkungen auf die weitere Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gibt es, und welche Möglichkeiten an "outdoor"-Aktivitäten bietet eine moderne Stadt? beschäftigen, sollen im Auftrag der Stadtplanung Wien neben konventionellen Antworten auch "unkonventionelle" Lösungen erarbeitet werden, so Vizebürgermeister Görg. Der Auftakt des September-Symposiums mit einer "fiktiven" MA 97 hätte ja schon auf sehr witzige Art und Weise auf die Tatsache hingewiesen, dass Freiräume für Kinder und Jugendliche "Mangelware" in einer Stadt seien.

Schon mit dem Projekt "mehrfachnutzung von freiflächen" hätte die Wiener Stadtplanung einen positiven Beitrag zur "Lebensqualität" von Kindern und Jugendlichen in Wien geleistet, sagte Vizebürgermeister Görg. Mit dem Aktionsplan "mehr platz" wolle man einen weiteren Impuls in diese Richtung setzen und am
Ball bleiben...

mehr platz im Detail:

Unter der Projektleitung des Planungsbüros PlanSinn untersuchen ExpertInnen verschiedener Disziplinen die Auswirkungen von Freiraummangel auf Kinder und Jugendliche. Die Ergebnisse
dieser Untersuchung sollen zur besseren Interessensvertretung der jungen Wienerinnen und Wiener in Planung und Politik beitragen.

Viel Platz für Autos – wenig Platz für Kinder

In den innerstädtischen Bezirken Wiens stehen den Autos bis
zu 30 % der Gesamtfläche zur Verfügung. Öffentliche Grünflächen, jene Orte also, die Kinder und Jugendliche für ihre Freizeitgestaltung nutzen können (Parks, Spielplätze oder Sportflächen) machen 3 bis 4 Prozent der Gesamtfläche aus. Keine Frage – der Platz in Großstädten ist knapp, und es gibt zahlreiche Interessen, die bei der Widmung von Flächen berücksichtigt werden wollen.

Als ortsgebundene Bevölkerungsgruppe sind Kinder und Jugendliche in besonderem Maße auf wohnungsnahe Freiräume angewiesen. Beeinträchtigungen, die während des Kindes- und Jugendalters auftreten, können schwer wiegende Folgen auf die körperliche und geistige Entwicklung haben. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass 60-90 % der Schulanfängerinnen und Schulanfänger in Österreich und Deutschland Haltungsschwächen aufweisen. Es nimmt auch das motorische Leistungsniveau der Kinder deutlich ab, während Verhaltensauffälligkeiten zunehmen.

Abgesehen von physischen Konsequenzen ist die Gefahr groß, dass die psycho-soziale Entwicklung eines Kindes negativ
beeinflusst wird. Ohne die Verfügbarkeit von Freiräumen in der Stadt werden den Kindern wichtige Wahrnehmungen und Erfahrungen vorenthalten, die für das Heranwachsen einer eigenständigen Persönlichkeit z. B. im Hinblick auf soziale Kompetenz wichtig sind.

Sprachrohr für die Kinder und Jugendlichen

Obwohl die jungen und ganz jungen Wienerinnen und Wiener also besonders auf Plätze zur Freizeitgestaltung in Wohnungsnähe angewiesen sind, ziehen sie bei dem Wettbewerb um Nutzungsmöglichkeiten oft den Kürzeren. Der Grund: Kinder und Jugendliche können ihre Interessen nicht selbst vertreten. Selbst als Wähler und Steuerzahler müssen sie (noch) nicht bedacht werden. Entscheidungen über Flächen werden von Erwachsenen zum Großteil zu Gunsten von Verkehrsflächen und Bebauung gefällt. Und:
Vorhandene Freiräume werden über Verbote und Beschwerden stark eingeschränkt (z.B. Rad fahren verboten, Fußballspielen verboten…)

"mehr platz!" will mit einem Mehrstufenplan Lobbying für Kinder und Jugendliche machen. Zwei ExpertInnen-Klausuren bilden
den ersten Abschluss einer Forschungsperiode, in der WissenschafterInnen verschiedener Fachrichtungen Forschungsergebnisse zusammentragen und eine gemeinsame Argumentationslinie erarbeiten. Verschiedene Aktionen in der Stadt sollen Problembewusstsein erzeugen und die öffentliche Diskussion anregen.

So macht die Theatergruppe Irrwisch am 7.10. in einer spektakulären und irritierenden Aktion auf die Bedeutung von Freiräumen im Alltag von Kindern und Jugendlichen aufmerksam. Schauspieler fahren als Magistratsbeamte verkleidet auf einem Pritschenwagen der fiktiven MA 97 ("Magistratsabteilung für Platzbeschaffung") langsam eine belebte Wiener Geschäftsstraße entlang. " .. Mit Beschluss des Gemeinderates freut es uns bekannt zu geben, dass ab sofort an ungeraden Tagen die Straßen der innerstädtischen Bezirke ab 14 Uhr autofrei zu halten sind und Kindern und Jugendlichen zum Spielen und zur Freizeitgestaltung
zur Verfügung stehen. ..." wird über Megaphone bekannt gegeben.

An die verdutzten Passanten werden Flugblätter verteilt, die über das Projekt "mehr platz!" informieren. Andere Mitglieder der Theatergruppe treten mit den PassantInnen in Diskussion und
greifen ihre Anregungen auf.

Bei der Aktion Denkmale im Freiraum (7.10. – 20.10.1999) dokumentieren - in Anlehnung an andere Gedenktafeln -Beschriftungen bzw. Tafeln, welche Bedeutung Freiräume im Leben berühmter Persönlichkeiten spielten, als sie Kinder und Jugendliche waren: "In dieser Straße lernte Josef Broukal Rollerfahren." "An diesem Platz erhielt A. Vitasek seinen ersten Kuss …"

Dafür, dass neben zufällig vorbeikommenden PassantInnen auch eine größere Öffentlichkeit erreicht wird, sorgt die breit angelegte Aufbereitung durch die Medien. Geplant ist
beispielsweise eine Live-Radiosendung mit ExpertInnen.

Neben der Schaffung von Problembewusstsein in der Öffentlichkeit soll "mehr platz!" auch einige konkrete Instrumente für effektives Lobbying entwickeln. Kernstück ist ein Forderungskatalog, der helfen soll, die Interessen von Kindern und Jugendlichen bei Planern und Politikern wirksam zu vertreten. Dafür, dass dieser Forderungskatalog nicht zur bloßen Absichtserklärung mutiert, sorgte eine besondere Vorgangsweise: In zwei Planungsworkshops des Projektes hatten Fachleute aus der
Wiener Stadtverwaltung (Bereiche Planung und Jugend) Thesen und Fragen als Grundlage für die Bearbeitung durch die ExpertInnen gesammelt. Auf diese Weise wurde schon zu Beginn des Projektes sichergestellt, dass die Ergebnisse auch von den für die Umsetzung verantwortlichen Beamten mitgetragen und realisiert werden.

o Terminkalender:

7.10. – 20.10.1999: Denkmale von Prominenten im Freiraum 7.10.1999: Theatergruppe Irrwisch
8.10.1999: ExpertInnenklausur, Schwerpunkt Jugendliche
(Schluss) lei

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