Ein Wiener Wahrzeichen ist 100 geworden

Der Wasserturm versorgte hoch gelegene Teile des 10. und 12. Bezirks

Wien, (OTS) Vor allem, wenn man vom Süden her auf Wien zufährt, wird die Silhouette der Stadt durch ein rundes hochaufragendes Bauwerk mitbestimmt: Der Wiener Wasserturm im 10. Bezirk auf dem Wienerberg, der die hoch gelegenen Bezirksteile des 10. und 12. Bezirks mit Trinkwasser zu versorgen hatte. Nach
Plänen des Wiener Stadtbauamtes war am 23. März 1898 mit dem Bau begonnen worden, und nach knapp 17 Monaten konnte bereits am
3. August 1899 mit dem Betrieb der Anlage begonnen werden. Einem daraufhin erschienenen Sonderdruck der "Zeitschrift des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins", verfasst
vom damaligen Bauleiter Franz Borkowetz, war unter anderem zu entnehmen: "Hier wurde in jüngster Zeit ein maschinelles Werk geschaffen, auf welches die Aufmerksamkeit schon aus weiter Ferne durch ein mächtig emporstehendes Gebäude gelenkt wird. Es ist das neue städtische Schöpfwerk ... zur Trinkwasserversorgung jener hoch gelegenen Teile, die mit dem natürlichen Druck der
Hochquellen (gemeint war die I. Hochquellenleitung, Red.) nicht
mehr erreicht werden konnten....
Die rasch fortschreitende Entwicklung der bezeichneten Gebiete
ließ die Herstellung des Schöpfwerks für die dortigen Bewohner längst als eine Notwendigkeit erscheinen". Die
Rathauskorrespondenz würde das heutzutage wohl kürzer und prägnanter formulieren: Anschluss weiterer
Stadtentwicklungsgebiete an das Wasserversorgungsnetz.

Kommunale Trinkwasserversorgung war wichtiges Anliegen

Das Kernstück des Wasserturms bildet ein 8,1 Meter hoher Wasserbehälter mit einem Durchmesser von 15 Metern, der von einer inneren Ringmauer getragen wird und 1.000 Kubikmeter Trinkwasser aufnimmt. Der Wasserspiegel des gefüllten Behälters liegt damit 30 Meter über dem Geländeniveau, was einem Druck von 3 bar entspricht. Die Befüllung des Hochbehälters erfolgte über zwei, in dem danebenliegenden lang gestreckten Maschinenhaus laufenden Pumpen, die je 70 Liter Wasser/Sekunde förderten. Sogar an das Aufrechterhalten der Wasserversorgung bei Reinigungs- oder Reparaturarbeiten hatte man gedacht: Dazu dient ein ringförmiger Hilfsbehälter mit einem Fassungsvermögen von 200 Kubikmetern. Für die beiden Behälter waren rund 85 Tonnen Stahlblech verarbeitet worden. Dem damaligen Stand der Technik entsprechend sind die Blechverbindungen mit Nieten ausgeführt. Übrigens ist die gesamte Originalinstallation des Wasserturms noch voll funktionsfähig erhalten. Zum Ausgleich von Temperatur- und Druckspannungen in den Rohrleitungen wurden eigene "Dilatationslinsen" eingebaut.

Mit der Inbetriebnahme der II. Hochquellenleitung im Jahr
1910 war aber die Hauptaufgabe des Wasserturms weggefallen, er kam nur mehr fallweise zum Einsatz, etwa bei Instandhaltungsarbeiten
an der II. Hochquellenleitung. Im Jahr 1956 erfolgte die
endgültige Stilllegung. Zwar hatte das Bauwerk den 2. Weltkrieg
mit nur geringen Schäden überstanden, aber ein zunehmender Verfall ließ eine umfassende Renovierung immer dringlicher werden. In den Jahren 1988 bis 1990 wurden dafür rund 15 Millionen Schilling aufgewendet, die von der Wiener Stadtverwaltung und den Wiener Wasserwerken gemeinsam aufgebracht wurden. Das Ergebnis konnte
sich sehen lassen - man war getreu den Originalplänen vorgegangen.

Verbindung von Funktionalität und aufwendiger Architektur

Das Rohziegelmauerwerk des Turms bildet einen Ring mit einem inneren Durchmesser von 17 Metern, die Wandstärke verringert sich von 3 Metern am Fuß des Bauwerks auf 1 Meter unterhalb der Dachkonstruktion. Die Gesamthöhe beträgt 67 Meter, die Dachkonstruktion (Kegeldach mit 60 Grad Neigung) besteht aus einem Stahlgerippe, und ist mit glasierten Ziegeln auf einer
Holzschalung eingedeckt. Handwerkskunst auf höchstem Niveau war etwa für die Wiederherstellung der Dacheindeckung erforderlich gewesen: Getreu den Originalvorlagen wurden die Ornamente des
Daches aus Ziegeln in fünf verschiedenen Farben zusammengesetzt. Der mühelose Aufstieg im Inneren ist über eine 203 (!) Meter lange, spiralförmig an der Mauer entlang führende Rampe möglich. Von dieser kann man über eine 13 Meter hohe Wendeltreppe zu einer 48 Meter über dem Geländeniveau liegenden Aussichtsplattform aufsteigen, die einen Blick über ganz Wien ermöglicht.

Das als eines der markantesten Bauwerke im Stil des "Industriellen Historismus" geltende Objekt bietet einen würdigen Rahmen für Ausstellungen und Kulturveranstaltungen, wie etwa die derzeit laufende Ausstellung "Hydroparanoia". Von Freitag, 10. September, bis einschließlich Sonntag, 12. September, jeweils von 10 bis 18 Uhr, finden "Tage der offenen Tür" statt, die von den Wiener Wasserwerken (MA 31) veranstaltet werden. (Schluss) pz/bs

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