ÄOTSÜ75 jahre Bund für vereinfachte rechtschreibung

Zürich (ots) Als "unternehmen, das vor zwanzig, dreissig jahren entstand" bezeichnete kürzlich die "FAZ" in einem Kommentar auf Seite eins die Rechtschreibreform. Nicht zwanzig oder
dreissig jahre, sondern fünfundsiebzig jahre alt ist der schweizerische Bund für vereinfachte Rechtschreibung (BVR).

An der gründungsversammlung am 7. September 1924 kam man nach jahrzehntelangen Diskussionen gemäss Protokoll zum Schluss: "Wir haben genug der worte und entschliessen uns zur tat". Man wollte "auf vielen, auch neuen wegen die Rechtschreibefrage lösen" und
die favorisierte Schreibung in der Praxis anwenden.

Was zu favorisieren war, war keine Frage: die Eigennamengrossschreibung (substantivkleinschreibung). Das war ein "minimalprogramm", von dem man sich sagte, dass es sofort und im Notfall in der Schweiz allein durchgeführt werden könne. Später wurde es um die Abschaffung von th, ph und rh ergänzt; 1946 wurde ein umfassender Vorschlag als "grosses Ziel" präsentiert.

Die Eigennamengrossschreibung entspricht dem früheren Brauch und ist in der praxis erprobt. Dank optimaler verwendung des Grossbuchstabens ist sie ideal für den Leser und bringt dem Schreiber - da sie nicht auf grammatikwissen basiert - die erhoffte Erleichterung. In der öffentlichkeit stösst sie gemäss Umfragen auf eine höhere Akzeptanz als andere Vorschläge.

Wichtig ist die Zusammenarbeit mit reformvereinen in
Deutschland, Österreich und sogar im niederländischen und im englischen sprachgebiet, etwa mit dem ferein für fereinfachte Rechtschreibung (gegründet 1876), dem rechtschreibbund (1929), der aktion Kleinschreibung (1972) sowie der Österreichischen gesellschaft für Sprache und Schreibung (1955). Aktiv ist leider nur noch letztere; in Deutschland schaffen es im Moment nur die ablehnenden kräfte, sich lautstark zu organisieren, was den falschen Eindruck einer Frontstellung zwischen "Obrigkeit" und Volk ergibt.

Die Neuregelung von 1996 zeigt, dass reformen möglich sind. Der BVR ruft alle konstruktiven Kräfte auf, die nächste Reform in Angriff zu nehmen.

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