Brauner und Rieder setzen Initiativen für eine gesunde Stadt

Wien (OTS) - Die Wienerin, der Wiener isst laut Wiener Ernährungsbericht des Instituts für Ernährungswissenschaften der Uni Wien Mischkost. Das heisst sie essen quasi von allem etwas. Nur ein geringer Teil der Bevölkerung ernährt sich vegetarisch bzw. mit Vollwertkost. Dies betonten die Konsumentenstadträtin Mag. Renate Brauner und Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder Montags in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Charakteristisch sei weiter ein unregelmäßiges Essverhalten (bei einem Viertel der WienerInnen). Männer konsumieren signifikant mehr Fleisch (-waren), Brot, Käse und Alkohol, Frauen hingegen nehmen mehr Frischmilchprodukte oder auch Obst zu sich.

Der durchschnittliche Fettanteil im Essen liegt bei rund 38 Prozent (Österreichische Ernährungsbericht 1998). Empfohlen werden jedoch nur 25 bis 30 Prozent. Die täglich konsumierten Kalorien hingegen entsprechen in etwa den Empfehlungen: Frauen nehmen rund 1.800 Kalorien, Männer rund 2.400 Kalorien zu sich. Anders ausgedrückt: Jeder Österreicher konsumiert pro Jahr unter anderem rund 65 kg Fleisch, 84 kg Obst, 90 kg Gemüse, 40 kg Zucker, 6 kg Fisch und 95 l Milch.

Rieder: "Trend zur gesünderen Ernährung feststellbar"

"Obschon das Konsumverhalten relativ konstant bleibt, lässt sich doch ein Trend zu leichterer Kost vor allem durch einen Anstieg des Fisch- und Gemüsekonsums erkennen", so Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder, der mit der "Wien ist Wellness"-Aktion den Trend zu gesünderer Ernährung unterstützen möchte. Rieder: "Die Österreicherinnen und Österreicher haben in den letzten Jahren ihren Speiseplan in Richtung leichter und gesünder umgestellt, ernähren sich insgesamt aber immer noch zu fett. Entscheidend ist die gesunde Mischung. Niemand muss dabei auf sein Schnitzel verzichten, mehr Obst, Gemüse und Fisch würde den Österreicherinnen und Österreichern aber sicher gut tun."

Über 30 Prozent der Bevölkerung wollen abnehmen, so eine Untersuchung Wiener Sozialmediziner. Für diejenigen, die Diät halten müssen oder medizinisch indiziert abnehmen müssen, steht ein umfangreiches Gesundheitsnetzwerk parat. Beispielsweise über 1.500 PhysiotherapeutInnen und 100 DiätassistentInnen bieten - neben den ÄrtzInnen und pflegenden Personal in den Spitälern und den niedergelassenen Ärzten - ihr Wissen in den Krankenhäusern der Stadt oder in privaten Praxen an.

KonsumentInnen quält immer größere Warenpalette und Kennzeichnungswirrwar

Neben den Ernährungsgewohnheiten sieht die Wiener Konsumentenstadträtin Mag. Renate Brauner eine weitere Hürde hin zu einer ausgewogenen Ernährung mit gesunden Nahrungsmitteln: "Während die Liste der Lebensmittel immer länger und die Angebotspalette immer breiter wird, sind wir gleichzeitig mit unklaren Produktkennzeichnungen, aber auch mit schwer verständlichen Angaben über Haltbarkeit und Qualität der Waren konfrontiert."

In Zeiten großer Verunsicherung über die Produkte unserer Nahrungsmittelindustrie - Stichwort genmanipulierte Sojabohnen oder Dioxin im Fleisch - sind heute besonders viele KonsumentInnen beunruhigt.

Hier offerieren die Serviceeinrichtungen der Stadt in Sachen Konsumentenschutz Information einerseits und andererseits strenge Kontrolle. Sie verweist darauf, dass die rund 100 MitarbeiterInnen des Marktamtes im Vorjahr 17.300 Proben genommen hätten. Die Beanstandungsrate konnte auch dadurch wieder leicht gesenkt werden. Gleichzeitig schließt sich Brauner hier den Initiativen von Konsumentenministerin Mag. Barbara Prammer an, welche eine klare und strenge Kennzeichnung von Gen-Food vorsieht bzw. das Verbot von Antibiotika in der Tiermast fordert.

Wohl fühlen, Gesundheit und Wellness hat in Wien viele Facetten. In beinahe schon zur Tradition gewordenen Aktionen bishin zu ganz neuen Events soll dies mit dem Signet "Wien ist Wellness" unter Beweis gestellt werden.

Wien ist Wellness - Die Einzelaktionen:

o "Konsumententage auf Wiener Märkten"

Bereits zum dritten Mal schlägt das Wiener Marktamt heuer seine Zelte auf einigen Märkten auf, um den WienerInnen quasi vor Ort alle Informationen für den Einkauf ohne Reue zu liefern. Den Beginn macht der Naschmarkt am 10. September, um 14-18 Uhr und am 11. September 1999 um 9-13 Uhr. Dann folgt der Meiselmarkt am 18. September in der Zeit von 9-13 Uhr sowie am Viktor Adler-Markt: 25. September von 9-13 Uhr.

Im Mittelpunkt der Aktionen steht die "Verführung" zum vernünftigen, schmackhaften und leistbaren Essen. Gefragt sind einfache Rezepte, die schmecken. Nichts Schweres, nichts Exotisches, nichts Langwieriges. Das Ziel: Wellness im Genuss, aber auch Wellness für Koch oder Köchin (d.h. einfache, schnelle Zubereitung), und Wellness fürs Geldbörsel (bevorzugte Verwendung preisgünstiger, frischer, heimischer Zutaten).

Besucher der Märkte können zu den oben angegebenen Terminen selbst ausprobieren, wie Gesundes schmeckt. In einem Schau-Kochen zeigen prominente Gäste vor, wie's geht:

o Sissy Löwinger am Naschmarkt (Samstag 11. September von 10 bis 12 Uhr)
o Brigitte Neumeister am Meiselmarkt (Samstag 18. September
von 10 bis 12 Uhr)
o Ein männlicher Überraschungsgast am Viktor Adler-Markt (Samstag, 25. September von 10 bis 12 Uhr)

Moderiert werden die drei Veranstaltungen von Elisabeth Vitouch.

Konsumentenstadträtin Mag. Renate Brauner zeigt die Richtung der Initiative, die aufgrund des "hohen Zuspruchs der Wiener Bevölkerung zu den ersten zwei Veranstaltungen in den Vorjahren nun wiederholt wird" auf: "Wir wollen den Wienerinnen und Wienern nur Tipps geben, die sich wirklich bezahlt machen." Etwa woran man den Frischegrad von Gemüse und Obst erkennt, aber auch wodurch man, etwa beim Fleisch, gute von schlechter Ware unterscheiden kann. Und nicht zuletzt: Welche Schritte man bei verdorbener Ware als Betroffener setzen kann. Auch richtiges Reklamieren will gelernt sein.

o Info-Fibel "Kalorien in Wien"

Eine weitere Attraktion wird eine praxisorientierte Broschüre, "Kalorien in Wien", welche die Kalorien der typisch Wienerischen Gerichte verrät. Damit sich die LeserInnen kompliziertes Rechnen ersparen, sind sämtliche Angaben in Portionsgrößen berechnet. Schon Schmökern gibt bsp. Auskunft darüber, dass ein halbes Backhendl mit 650 g etwa 1250 Kalorien hat, wohingegen ein halbe Grillhendl mit 500 g - das Fett tropft ab - "nur" 540 Kalorien auf den Teller bringt.

Wie häufig und welche Nahrungsmittel man isst, hat entscheidenden Einfluss auf die körperliche und seelische Verfassung. Was und wie wir essen, hängt großteils von seit der Kindheit eingefahrenen Gewohnheiten ab, doch ist es nie zu spät, auf gesunde Ernährung umzustellen. Sich gesund ernähren bedeutet, auch ein wenig auf die Kalorien zu achten. Gelegentliche "kleine Sünden" sind erlaubt. Freude am guten Essen & Trinken und Wellness schließen einander nicht aus.

o "Wellnessmonat im Wellnesspark Oberlaa"

GesundheitsexpertInnen der Stadt Wien und der Wellnesspark Oberlaa stellen einen Monat lang ein umfassendes Trainingsangebot für diejenigen, die mit ihrem Gewicht nicht ganz zufrieden sind, zur Verfügung. Sowohl PhysiotherapeutInnen, DiätassistentInnen und ernährungsmedizinische BeraterInnen samt TherapeutInnen des Wellnesspark Oberlaa stehen bereit. An mehreren Oktoberabenden werden ausgesuchte Wellness-Fans in mehreren Gruppen zentral in Oberlaa betreut.

o Ein kritischer Blick auf Diäten und Diätprodukte

Das Marktamt in einer eigenen Sonderkontrollaktion einerseits, der Verein für Konsumenteninformation (VKI) andererseits nimmt sich einige unter das Lebensmittelgesetz fallende Diätpräparate und Schlankmacher bzw. in Printprodukten feilgebotene Wunderkuren und Diäten genau unter die Lupe. Brauner: "Wir wollen hier für KonsumentInnen aufzeigen, dass sehr viele der am Markt teuer angebotenen Präparate, die Wunder versprechen, dem kritischen Blick der KonsumentenschützerInnen oftmals nicht standhalten." Der VKI wiederum sieht sich vor allem die kostspieligen Kuren an, die gegen viel Bares wahre Wunder in kurzer Zeit versprechen.

o Empirische Untersuchung - Körperbewusstsein und Diäten

In einer gemeinsam von der Frauen- und Konsumentenstadträtin, der Frauenabteilung und der Frauengesundheitsbeauftragten initiierten empirischen Studie sollen Wienerinnen und Wiener hinsichtlich ihrer Erfahrungen mit Diäten, ihren Essgewohnheiten, ihrem Körperbewusstsein etc. befragt werden. Die Studie soll sich vor allem mit den unterschiedlichen Einstellungen von Frauen und Männern zum Thema Ernährung befassen und bildet die Grundlage dafür, traditionelle Rollenbilder zu verändern.

o Schwerpunkt Diät- und Ernährungsberatung am Wiener Frauentelefon

Für eine zeitlich begrenzte Phase wird eine qualifizierte und auch an den sozialen Lebenszusammenhängen der Frauen orientierte Diät- und Ernährungsberatung eingerichtet. Zielsetzung ist es, betroffenen Frauen während des Schwerpunktes Wien ein konkretes Service in Sachen Ernährung und Diäten anzubieten. Es zeigt schon der Wiener Frauengesundheitsbericht, dass Ernährung- und Diätverhalten sehr viel mit traditionellem Geschlechterverhalten zu tun hat.

Gesellschaftliche Ansprüche, überkommene Schönheitsideale, vor allem übertriebener Schlankheitswahn kann zu schweren psychischen Erkrankungen wie Essstörungen führen: "Wenn wir wissen, dass sogar ganz jungen Mädchen bereits Erfahrungen mit Diäten haben, ist es nicht nur eine gesundheits- sondern auch frauenpolitische Aufgabe, solche Auswüchse zu verhindern und Frauen und Mädchen auf ihren Weg zu Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein zu unterstützen. Gesunde und fite Männer und Frauen, die sich beide um Einkauf und Ernährungsfragen kümmern, das ist unser Ziel", so der Kommentar Brauners.

o Aktionstage Wiener Gemüse

Am 16. und 30. September stellen sich die Wiener GärtnerInnen vom LVG im Rahmen von Aktionstagen Gemüse und unter dem Motto Wien ist Wellness an frequentierte Plätze der Stadt, um Gemüse an den Mann oder an die Frau zu bringen.

Ziel ist es, den Wienern die Frische und Qualität der Wiener Produkte ins Bewusstsein zu rufen. Kein Gemüse hat so kurze Transportwege wie das Gemüse der Wiener Gärtner.

o Symposium zum Thema "Wellness"

Den krönenden Abschluss der Initiative bildet so Brauner und Rieder am 21. Oktober ein Fachsymposium zum Thema Wellness und Diät. Rund 120 renommierte Wissenschafter und Fachleute (darunter der bekannte Prof. Volker Pudl) setzen sich einen Tag lang mit den vielen unterschiedlichen Aspekten von Diäten auseinander - unter anderem mit der psychosozialen Seite (Die Modell-Figur, Diätzwang), der Sicht der Ernährungsberatung, dem Konsumentenschutz-Aspekt (wie Produktkritik, Kritik am Geschäftsmarkt Diäten) sowie dem gesundheitlichen Aspekt (Krankheitsformen, Diätformen). (Schluss) wb/

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