OeNB - Tumpel-Gugerell: Bankenaufsicht begleitet, fördert und unterstützt notwendigen Strukurwandel des österreichischen Bankensektors

Wien (OTS) - In ihrem Referat zum Thema "Banken im Wandel -
neue Anforderungen für die Aufsicht" im Rahmen des
diesjährigen Alpbacher Bankenseminars am 1. September 1999
betonte die Vize-Gouverneurin der Oesterreichischen
Nationalbank, Dr. Tumpel-Gugerell, die Notwendigkeit, den Strukturwandel im österreichischen Bankensektor
voranzutreiben. Im Vergleich mit anderen kleineren Ländern in Europa sei der Konzentrationsgrad des österreichischen Bankensektors relativ niedrig. Bei der hohen
Zweigstellendichte kam es in den letzten Jahren zu einer
leichten Verbesserung. Im internationalen Vergleich gehört Österreich zu den Ländern mit einem sehr dichten Filialnetz.
In ihrer Analyse des österreichischen Bankensektors wies Tumpel-Gugerell auch auf die zu erwartenden Entwicklungen auf
der Ertragsseite der Banken hin. Zwar konnten in den letzten
Jahren die sinkenden Nettozinserträge durch Zunahme der zinsunabhängigen Erträge teilweise kompensiert werden. Es sei jedoch zu erwarten, daß auch Provisionserträge noch mehr dem Wettbewerb ausgesetzt werden, insbesondere durch
Reorganisationen im Zahlungsverkehr. Die technologische
Entwicklung, wie z. B. die Verbreitung des Internets, werde
den Wettbewerb auf der Einnahmeseite verstärken. Die
Herausbildung eines liquiden europäischen Corporate Bonds-
Markts wird die Disintermediation fördern, das heißt, Firmen werden sich weniger über Kredite bei den Banken, sondern mehr direkt auf den Kapitalmärkten finanzieren.

In den letzten Jahren kam es zu beträchtlichen
Veränderungen der Eigentümerstruktur im österreichischen Bankensektor, führte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell aus. So
sank der Anteil der Öffentlichen Hand an den sieben größten österreichischen Banken von 49% im Jahr 1992 auf 25% im Jahr
1998. Im selben Zeitraum vergrößerte sich der Anteil des Streubesitzes von 11% auf 26%.

Damit stehen die österreichischen Banken vor einer
doppelten Herausforderung: Zum einen sind sie - auch in Folge
der Euro-Einführung - mit dem Entfall von Ertragsanteilen konfrontiert, zum anderen steigt, so wie in anderen Ländern,
der Druck von der Eigentümerseite, die Gewinne zu steigern. Optimistisch zeigte sich Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell hinsichtlich der Fähigkeit der österreichischen Banken, diese Doppelherausforderung zu meistern. Zum einen zeigt sich, daß
die Internationalisierungsstrategie der österreichischen
Banken sehr erfolgreich verläuft, zum anderen werden in den nächsten Jahren die Früchte der jüngsten österreichischen Bankenfusionen geerntet werden können. Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell wies jedoch gleichzeitig darauf hin, daß der Restrukturierungsprozeß des österreichischen Bankwesens längst noch nicht abgeschlossen ist.

Nach der Analyse der Herausforderungen für die
österreichischen Banken ging Tumpel-Gugerell, als das für Finanzmarktfragen zuständige Direktoriumsmitglied der Oesterreichischen Nationalbank, auf die neuen Themenstellungen
für die Bankenaufsicht ein. Seit Juni 1999 liegt ein neuer Vorschlag des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht vor, der
zu einer umfassenden Revision der Eigenmittelvorschriften für Banken führen wird. Ziel dieser Reform ist es, die Risikoorientierung zu verbessern, eine den Risken des
Bankgeschäfts besser entsprechende Eigenmittelhaltung zu
erreichen, das System der Eigenmittelausstattung flexibler zu handhaben, sowie die Transparenz zu erhöhen. Um die Vorteile
dieser Reform nützen zu können, ist eine frühzeitige Analyse
der Vorschläge durch die Banken und die rechtzeitige
Verstärkung des Know-hows im Bereich des Risiko-Managements notwendig. Die Oesterreichische Nationalbank werde im Rahmen
ihrer vom BWG übertragenen Aufgaben ein Höchstmaß an Unterstützung dabei anbieten.

In diesem Zusammenhang meinte Vize-Gouverneurin Tumpel-
Gugerell, Regulierung sollte von den Banken nicht als Bürde verstanden werden. Die Bankenaufsicht - BMF und in ihrem
Auftrag die OeNB - bieten für die österreichischen Banken auch eine Vielzahl an Dienstleistungen. So findet durch die Bankenaufsicht eine unabhängige Evaluation des
Risikomanagements der Banken statt. Prüfberichte der
Bankenaufsicht sind nicht nur Bescheide, sondern enthalten Anregungen für Verbesserungen und schließlich wird durch die Publikation von "Leitfäden" die Umsetzung der Vorschriften des Bankwesengesetzes erleichtert. Für den Finanzplatz Österreich insgesamt trägt die Bankenaufsicht wesentlich zur
Systemstabilität bei und wirkt unterstützend bei der Erhöhung
der Wettbewerbsfähigkeit und der Effizienz des Finanzsektors. Schließlich ist eine moderne Bankenaufsicht eine wichtige Voraussetzung für die Beurteilung der Standortqualitäten eines Landes.

In diesem Sinne betonte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell
die wichtige Rolle der Bankenaufsicht im Rahmen des Restrukturierungsprozesses des österreichischen Bankensektors,
die unter dem Motto "Begleitung - Förderung - Unterstützung"
des notwendigen Strukturwandels im österreichischen
Bankensektor zusammengefaßt werden kann.

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