Vertrauen der NÖ - Bevölkerung in Ärzte stärken!

St. Pölten (OTS) - Die Ereignisse rund um das Krankenhaus
Freistadt haben in den letzten Tagen und Wochen sowohl dem Ruf des Gesundheitswesens im Allgemeinen, als auch jenem der Ärzte im Speziellen sehr geschadet. Verallgemeinerungen und Pauschalierungen haben zu Verunsicherung in der Bevölkerung, als auch innerhalb der Ärzteschaft geführt. Dazu nahm die Ärztekammer für NÖ in der heutigen Pressekonferenz Stellung.

Vertrauen in das Gesundheitswesen geht verloren Mit klaren Aussagen wandte sich heute MR Dr. Gerhard Weintögl, Präsident der NÖ Ärztekammer, an die Öffentlichkeit. Seit Wochen wird im Zuge der Berichterstattung über das Krankenhaus Freistadt und die vermeintlichen Fehlbehandlungen der Ruf der gesamten Ärzteschaft in Mitleidenschaft gezogen. Politik und Medien haben durch voreilige Aussagen und schlagzeilenorientierte Berichterstattung zu einer Verschlechterung des Vertrauens in das österreichische Gesundheitswesen und in die österreichischen Ärzte geführt.

"Tausende Ärztinnen und Ärzte sind Tag und Nacht - sowohl im Spital, als auch im niedergelassenen Bereich - im Einsatz, um Menschen bei ihren gesundheitlichen Problemen zu helfen." so der Präsident der Ärztekammer. "Die derzeit erhobenen Pauschalvorwürfe belasten notgedrungen das Verhältnis der Patienten zu ihren engagierten Ärzten. Zum Heilen gehört einfach das Vertrauen in den eigenen Arzt. Dieses Vertrauen wurde jedoch in den letzten Tagen und Wochen durch teilweise unsachliche Medienberichterstattung systematisch untergraben. Zweifelsohne sind die menschliche Gesundheit und das menschliche Leben unwiederbringliche Güter -deshalb sind Fehler in der medizinischen Behandlung ganz besonders dramatisch. Allerdings ist gerade die Medizin etwas zutiefst menschliches - und wo Menschen arbeiten, passieren nun einmal auch Fehler."

Medizinische Komplikation ist kein ärztlicher Fehler

Weintögl wies in diesem Zusammenhang besonders auf den Unterschied zwischen medizinischen Komplikationen und tatsächlichen Behandlungsfehlern hin. Gerade in letzter Zeit wurden diese zwei -völlig unterschiedlichen - Begriffe immer wieder verwechselt. Medizinische Komplikationen kommen, vor allem durch unterschiedliches Ansprechverhalten der Patienten auf gleiche Behandlungen bzw. Medikamente, in der Medizin einfach immer wieder vor. Mit einem ärztlichen Fehler darf dies nicht verwechselt werden.

Patientenrechte

"Auch die Rechte unserer Patienten sind im Krankenanstaltengesetz entsprechend verankert und ausreichend abgesichert" so Weintögl weiter "lediglich die Umsetzung funktioniert noch nicht in der gewünschten Form. Ich hielte es für sinnvoll, wenn einige wichtige Punkte der Patientenrechte - wie etwa die Dokumentationspflicht der Ärzte in Form von Krankengeschichten und OP-Protokollen, die Informations- und Aufklärungspflicht der Ärzte über Behandlung und Therapie, das Recht auf seelsorgerische Betreuung und psychologische Unterstützung sowie die Wahrung der Intimsphäre jedes einzelnen Patienten, als auch die Kontrolle durch kollegiale Führung in den Krankenhäusern - mit Nachdruck und Konsequenz betrieben würde."

Patientenanwalt

Ein weiterer Beitrag zur Verbesserung der Rechte der Patienten ist die Installation des NÖ - Patienten- und Pflegeanwalts, der -gemeinsam mit den Ärzten - die Wahrung und Sicherung der Rechte der Patienten wahrnimmt und völlig weisungsfrei agiert. Seine Aufgabe ist es u.a., Mängel und Mißstände aufzuzeigen und bei daraus resultierenden Streitfällen zu vermitteln.

Patientenschiedsstelle

Bereits 1989 hat die NÖ - Ärztekammer die Patientenschiedsstelle installiert. Diese Institution dient dazu, um Betroffenen ärztlicher Fehler auf raschem und unbürokratischem Wege eine finanzielle Entschädigung zukommen zu lassen und ihnen mühsame und oft jahrelange Wege über Gerichte zu ersparen.

Von 1996 bis 1998 wurden insgesamt 184 Fälle an die Schiedsstelle herangetragen, von denen ca. 60% positiv erledigt wurden. Insgesamt wurden dabei Entschädigungen in der Höhe von 19,3 Mio. Schilling ausbezahlt.

Institut für Qualitätssicherung

In Niederösterreich wurde von der NÖ-Ärztekammer sogar ein eigenes Institut für Qualitätssicherung im Gesundheitswesen eingerichtet. Dessen Aufgabe ist es, qualitätssichernde Maßnahmen zu entwickeln und den verantwortlichen Stellen bei der Umsetzung derselben behilflich zu sein. In diesem Zusammenhang hat der kontinuierliche Informationsaustausch mit anderen europäischen Ländern auch gezeigt, daß Österreich im Bereich der medizinischen Qualitätssicherung zu den innovativsten Ländern gehört. So existieren beispielsweise bereits genaue Qualitätskontrollen über den Ablauf von Laborleistungen, ebenso wie genaue Vorgaben über die Dokumentationspflicht ärztlicher Behandlungen im Bereichen von Krankengeschichten und der OP -Protokollen sowie internationale Aufklärungsbögen über eine medizinische Behandlung, die von allen Patienten vor einem medizinischen Eingriff ausgefüllt werden müssen. Auch die 1999 eingeführte "Arztprüfung" am Ende der ärztlichen Ausbildung wird zu einer weiteren Verbesserung der Qualität der Mediziner beitragen.

Der Präsident der Ärztekammer forderte auch die Einführung verpflichtender fixer Auskunftszeiten an jeder Krankenhausabteilung durch kompetente Ärzte für die Patienten, um die Kommunikation zu verbessern - sowie die Schaffung einer eigenen "Hot-Line" pro Abteilung.

OÖ: Unrichtiges Krisenmanagement

Weintögl kritisierte im Zusammenhang mit der "Affäre Freistadt" aber auch das unkoordinierte und von gegenseitigen Vorwürfen und Anschuldigungen geprägte öffentliche Auftreten der oberösterreichischen Landespolitiker. Diese seien mitverantwortlich, daß aus schrecklichem menschlichen Leid und vermeintlichen ärztlichen Fehlern ein Flächenbrand entstanden ist, der das Vertrauen in das gesamte österreichische Gesundheitswesen erschüttert.

NÖ - Situation weitaus besser

Die Situation in Niederösterreich stellt sich im Gegensatz dazu weit besser dar. Dr. Harald Schlögel, Vizepräsident der NÖ Ärztekammer und Oberarzt im Krankenhaus St. Pölten: "Ich bin froh darüber, daß - trotz immer wieder divergierender sachlicher Ansichten - die Zusammenarbeit in NÖ zwischen allen Verantwortlichen im Gesundheitswesen - also Politik, Ärzten und Pflegepersonal - sehr gut funktioniert. Unsere verantwortlichen Politiker haben selbst gesagt, daß einer der wichtigsten Schritte der nächsten Tage und Wochen sein wird, das Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitswesen wieder herzustellen. Wenn die Verantwortlichen im Gesundheitswesen keinen gemeinsamen Weg gehen, werden immer die Patienten auf der Strecke bleiben."

Maßnahmen gegen ärztliche Fehler

Schlögel nannte in diesem Zusammenhang einige Punkte, die eine Gefahr "ärztlicher Fehler" weitestgehend minimieren können:

1. ordentliche Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen für die Ärzte 2. eine fundierte und qualitätsgesicherte Ausbildung der Ärzteschaft 3. Stärkung der Ärzteteams durch den Ausbau des "Mittelbaues" ( Fachärzte)

4. Schaffung von bezahlten Fortbildungsmöglichkeiten für Krankenhausärzte
5. Kontinuierlicher Abbau der Rufbereitschaft
6. eine laufende Qualitätskontrolle über die organisatorischen und medizinischen Vorgänge in den Krankenhäusern inkl. der Bereitstellung der entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen.

"Viele der Punkte werden in NÖ bereits seit längerem praktiziert. Selbstverständlich haben auch wir aber die Aufgabe und Verantwortung die Sicherung der Qualität in der medizinischen Behandlung für unsere Patienten ständig zu optimieren. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist der NÖ-Turnus, der eine beträchtliche Verbesserung der Ausbildungsqualität der Turnusärzte in den NÖ - Krankenhäuser mit sich bringt. Fehler dennoch generell auszuschließen ist unmöglich. In NÖ sind jedoch Strukturen vorhanden, welche die Wahrscheinlichkeit von Vorkommnissen wie in Freistadt auf ein absolutes Minimum reduzieren." so Dr. Harald Schlögel.

"Affäre Freistadt" - eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung

Die Freistädter Spitalsaffäre zieht aber auch Konsequenzen nach sich, die auf einer völlig anderen Ebene die Gesundheit unserer Bevölkerung bedrohen:

"In einer Blitzumfrage haben wir ca. 50 Abteilungen niederösterreichischer Krankenhäuser über die Auswirkungen der "Affäre Freistadt" aus ärztlicher Sicht befragt. Das Ergebnis ist erschütternd." so Dr. Schlögel. "Eine Vielzahl von Patienten lassen -auch oft wichtige - Operationen aus Angst vor vermeintlichen ärztlichen Fehlern nicht mehr durchführen. Viele Patienten setzen sich dadurch unnötigen gesundheitlichen Risiken aus."

Handlungsbedarf für Ärzte & Politik

Nach den Vorkommnissen der letzten Wochen besteht für die Ärzteschaft und die Politik dringender Handlungsbedarf. Deshalb wurde im Auftrag der NÖ-Ärztekammer eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes OGM durchgeführt, die Aufschluß über das Verhältnis der NÖ - Patienten zum Gesundheits- und Spitalswesen in NÖ sowie zu ihren Ärzten geben sollte.

Vertrauen in die NÖ - Ärzte noch immer vorhanden

Laut Dr. Wolfgang Bachmayer, Chef des Meinungsforschungsinstitutes OGM, zeigen die Ergebnisse, daß das Vertrauen der NÖ - Bevölkerung in das Gesundheitswesen, vor allem aber in seine Ärzte nach wie vor sehr groß ist. Die Vorkommnisse in Freistadt haben zwar zu Verunsicherung geführt, die aber durch kontinuierliche Arbeit und Information in den nächsten Wochen und Monaten wieder beseitigt werden kann. St. Pölten, 31. August 1999

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