Görg zieht positive Bilanz zur Sir-Karl-Popper-Schule

Wien, (OTS) Bei der Pressekonferenz zur Ein-Jahresbilanz der Sir-Karl-Popper-Schule zog Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg am Montag gemeinsam mit dem Direktor der Schule, Dr. Günter Schmid, und dem Vertreter des Vereins der Freunde der Sir-Karl-Popper-Schule, LAbg. GR Dr. Andreas Salcher, positive Bilanz.

Nach dem ersten Schuljahr könne man von einem Erfolg
sprechen. Das Konzept, besonders begabte Lehrer treffen auf besonders begabte Schüler, habe sich bewährt, so Vizebürgermeister Görg, wobei man künftighin mehr auf verstärkte individuelle Betreuung und das Hinführen zur selbstständigen Leistungsverpflichtung Augenmerk gelegt werden soll. Bei der Erläuterung der Erkenntnisse der Evaluierung durch BOAS, dem Institut von Prof. Ernst Gehmacher, das die wissenschaftliche Untersuchung vornahm, wurde darauf hingewiesen, dass Höchstleistungen speziell in einzelnen Fächern möglich sind und wenn Schülerinnen und Schüler ihr Time-Management und ihre Lernkontrakte gut im Griff hätten.****

Durch mehr "Coaching" soll der Ausbildungsweg für die einzelnen Schüler künftig noch individueller gestaltet werden.

Das erste Schuljahr der Sir-Karl-Popper-Schule ist nun abgeschlossen. Diese neue Form der Förderung besonderer Begabung war für Schüler und Lehrer ein starkes Erlebnis des Erfolges, aber auch mit viel Mühe verbunden. Nun haben die Wissenschafter des BOAS, unter der Leitung von Ernst Gehmacher, aus der begleitenden Evaluierung die ersten Schlüsse gezogen. Der Verein der Sir-Karl-Popper-Schule, vertreten durch Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg und Landtagsabgeordneten Dr. Andreas Salcher, plant gemeinsam mit Schuldirektor Dr. Günther Schmid einige Verbesserungen und Erweiterungen.

Mehr individuelles Lernen

Bei den hoch Begabten hat sich Folgendes besonders deutlich gezeigt: Niemand kann in allen Fächern zugleich Höchstleistungen erbringen: Jeder junge Mensch entwickelt, wenn er die Chance dazu bekommt, sein eigenes Fähigkeitsprofil mit Spitzenleistungen, wo die Motivation hoch ist, und mit Normalleistungen oder sogar mit Defiziten, wo es an Interesse und Zeit fehlt. Es wird daher zu
noch mehr individueller Gestaltung des Lernens geraten.

Diesen Vorgaben entspricht der Plan der Schulreform, den Unterricht in den AHS immer stärker zu einem Kurssystem umzugestalten. Wie in den Universitäten oder in der Erwachsenenbildung sollen auch schon die Jugendlichen in den höheren Schulen, betreut von einem "Coach", für sich selbst Fächer in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden wählen können. Die Sir-Karl-Popper-Schule hofft, schon im Schuljahr 2000/2001 ein solches Kurssystem einführen zu können.

Die "SKP"-Schule hat ein Programm starker Schülerselbstbestimmung. Die Schüler schließen mit ihren Lehrern einen Lernkontrakt, der ihre Lernziele festlegt und den
Zeitaufwand der Lernenden wie der Lehrenden umreißt. Ein schönes Ideal, doch im ersten Jahr hat es nicht ganz befriedigend funktioniert, wie die ersten Ergebnisse der Evaluation zeigen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres will die Schule am Anfang jedes Semesters eine professionell moderierte Klausur über das Miteinander und die Spielregeln an der SKP-Schule bieten. Der Lernkontrakt soll für jeden Schüler individuell realistische Ziele enthalten und damit stärker bindend werden. Der demokratisch erstellte Lernkontrakt soll zum Arbeitskontrakt für beide Seiten werden.

Begabung als Reichtum, aber Vermeidung zu großer Belastungen

Mehr Begabung bedeutet einen größeren Reichtum an Möglichkeiten, mehr Leistung, damit aber auch mehr Belastung. Schüler wie Lehrer beklagen sich darüber – und die ersten Analysen zeigen, dass Erholung, Freizeit und Spielräume tatsächlich zu kurz kommen. Das größere Ausmaß an Autonomie macht den Zeitdruck nicht leichter: Stress-Symptome und emotionaler Widerstand sind Indikatoren dafür.

In den Lehrerkonferenzen werden diese Probleme diskutiert.
Die Schule hat bereits begonnen, Belastungen zu reduzieren. Im zweiten Unterrichtsjahr sollen Belastungsökonomie und Time-Management einen Schwerpunkt bilden und so ein Gegengewicht zu dem wachsenden Angebot an Lernmöglichkeiten, zu Coaching und den Förderungseinrichtungen darstellen. Auch hier lernen nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer – und die Schule als Gesamtheit.

Richtiger Umgang mit Freiheit und demokratischer Kultur muss erlernt werden

Die heikle Balance zwischen Freiheit und Chaos fällt vielen der hoch Begabten in der Sir-Karl-Popper-Schule schwer. Die Fünfzehnjährigen haben bisher kaum gelernt, selbst frei über ihre Leistungsziele und ihre Arbeitszeit zu bestimmen. Von auferlegter Disziplin zur Selbstdisziplin zu gelangen, muss lange trainiert werden. Hier stellt sich eine große Aufgabe für die Erziehung zur Freiheit und zu demokratischer Kultur. Im ersten Jahr der SKP-Schule sind, bei aller Begeisterung und allem guten Willen der Beteiligten, diesbezüglich Probleme entstanden.

Diese Probleme sind in der Schule diskutiert und als Grundfragen unserer Gesellschaft verstanden worden. Es ist
geplant, für zukünftige Anwärter schon ab der 3. Klasse eine "Einstiegsphase" anzubieten, mit Übungen hin zu "Freiheit ohne Chaos", in Richtung auf Selbstbestimmung, "Time-Management" und Gruppenarbeit. In pädagogischer Hinsicht ist gerade für besonders Begabte, die sich in der Regelschule leicht tun, ein frühes Erlernen von selbstbestimmter Leistung wichtig.

Dem Verein der Sir-Karl-Popper-Schule ist es ein besonderes Anliegen, die Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt, in Übereinstimmung mit der Schulverwaltung, dem Stadtschulrat für Wien und dem Bundesministerium für Unterricht und Kultur, möglichst breit nutzbar zu machen. Auch auf internationaler Ebene sollen diese Ergebnisse in weiterführende Studien einfließen.

Von den zuletzt 28 Schülern des ersten Jahrganges der Sir-Karl-Popper-Schule haben 25 Schüler das Schuljahr positiv abgeschlossen. Für das Schuljahr 1999/2000 liegen für die erste Schulstufe bisher 39 Anmeldungen vor, es gibt noch max. 9 freie Plätze. Bewerbungen sind noch bis einschließlich 2. September möglich.

Ein Jahr Sir-Karl-Popper-Schule: Erkenntnisse für das österreichische Regelschulsystem

o Nachholbedarf bei der Förderung der Eigenverantwortung der

Schüler

Eines der wichtigsten Ziele der SKP-Schule ist das eigenverantwortliche Lernen des Schülers. So hat der Schüler z. B. über den Lernkontrakt selbst Einfluss auf den Lehrplan. Auch sind im Unterricht bewusst Zeiten reserviert, zu denen die Schüler ohne Kontrolle Aufgaben entweder allein oder in selbstgewählten Gruppen erarbeiten können. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Schüler nach 8 Jahren im Regelschulsystem mit dieser plötzlichen Freiheit erst umgehen lernen müssen. Offensichtlich stehen das Sich-Anpassen an Regeln und die Erfüllung vorgegebener Lehrinhalte in Österreichs Schulen noch immer sehr im Vordergrund. Es ist daher notwendig, dass die Schüler bereits ab der Volksschule in einem kontinuierlichen Prozess, der ihrem Reifegrad entspricht, lernen, mit Wahlmöglichkeiten und selbstbestimmten Lernen umzugehen. Dies sollte auch dazu beitragen, den "Kulturschock" zu vermindern, den viele Maturanten erleben, wenn sie an der Universität plötzlich völlig auf sich allein gestellt sind.

Das System des individuellen Coaching ist zielführender als das Klassenvorstandssystem

Während die Hauptaufgabe des Klassenvorstands in der Regelschule vor allem in der Bewältigung von organisatorischen und bürokratischen Aufgaben liegt, hat der Coach in der SKP-Schule die Möglichkeit, auf die Persönlichkeit des Schülers und auch auf seinen persönlichen Entwicklungsstand einzugehen. Bei den normalen Lehrerkonferenzen steht ein Schüler meist nur bei negativen Leistungen oder bei unerwünschtem Verhalten im Mittelpunkt, in der SKP-Schule haben die Lehrer hingegen auch Zeit, über die Entwicklungspotentiale und außergewöhnlichen Leistungen eines Schülers zu diskutieren. Es ist daher anzustreben, auch im Regelschulsystem Coaching-Modelle einzuführen. Eine Ausweitung der zeitlichen Gesamtbelastung der SchülerInnen und Lehrer ist weder finanzierbar noch sinnvoll, es geht es um eine Verlagerung des Schwerpunktes von der Wissensvermittlung zur Förderung der Fähigkeit, selbst Wissen zu erwerben und anwenden zu können.

Zahlen zur Schule

Von den 28 SchülerInnen des ersten Jahrganges haben 25 das Schuljahr positiv abgeschlossen.

Für das kommende Schuljahr insgesamt 35 Schülerinnen und Schüler angemeldet - davon 13 Burschen und 22 Mädchen. Auf das Gymnasium entfallen dabei 20 SchülerInnnen (8 Burschen und 12 Mädchen) und aufs Realgymnasium entfallen insgesamt 15 SchülerInnen, davon sind 5 Burschen und 10 Mädchen.

Diese Zahlen sind nur vorläufige Aufnahmezahlen - es sind
noch weitere Interessierte vorgemerkt. (Schluss) lei

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