Operation Spring: Nach Enthaftung des angeblichen Kartell-Bosses Streit zwischen Justiz und Exekutive

Sicherheits-Generaldirektor Sika: 'Justiz im Kampf gegen organisiserte Kriminalität überfordert.' - Gerichtspräsident Günter Woratsch: 'Sika soll sich um seine eigenen Probleme kümmern.'-'Drogenboss' Ofoedu im FORMAT-Interview: 'Ich glaube, ich war zu naiv.'

Wien (OTS) - Nach der Enthaftung des angeblichen Bosses des nigerianischen Drogenkartells kritisiert der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Michael Sika, die Justiz. In dem am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT erklärt Sika, das Gericht sei bei den Ermittlungen in der 'Operation Spring' Ende Mai wurden dabei in ganz Österreich über hundert mutmaßliche Dealer verhaftet - 'vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt'. Sika: 'Der Umstand, daß bei solchen Mammutverfahren nur eine einzige U-Richterin tätig ist wirkt sich nachteilig aus. Die Justiz ist im Kampf gegen die organisierte Kriminalität überfordert."

Im Straflandesgericht Wien sieht man das anders. Gerichtspräsident Günter Woratsch kontert: 'Der Herr Generaldirektor soll sich um seine eigenen Probleme kümmern. Die Staatsanwaltschaft ist auf das angewiesen, was ihr die Polizei liefert. Und wenn sie aufgrund des Materials eine Enthaftung beantragt, dann ist von Seiten des Gerichts dazu nichts mehr zu sagen.'

Charles Ofoedu, jener Mann, den die Polizei durch Ergebnisse des ersten 'großen Lauschangriffs' in Österreich als Boß des Kartells enttarnt zu haben glaubte, wurde vergangenen Mittwoch freigelassen. Die Staatsanwaltschaft hatte von sich aus die Enthaftung des 39jährigen nigerianischen Schriftstellers beantragt. Grund: Es bestehe kein 'dringender Tatverdacht' gegen Ofoedu.

Allerdings ist ein Verfahren wegen Geldwäscherei gegen den Mann anhängig. Laut Verhörprotokoll hat er zugegeben, wissentlich insgesamt 800.000 Schilling Drogendgeld ins Ausland transferiert zu haben.

In einem Interview mit FORMAT weist Ofoedu sämtliche Vorwürfe zurück. 'Ich war sehr unter Druck bei der Polizei, hatte meine Brille nicht dabei und konnte das Protokoll nicht selbst lesen.' Er habe weder mit Drogen gehandelt, noch Suchtgift konsumiert. Die Geldtransaktionen habe er nur durchgeführt, wenn ihn Bekannte oder Freunde um Hilfe beim Ausfüllen der Überweisungsformulare ersucht hätten.

Ofoedu: 'Ich habe nie gedacht, daß irgendwann jemand kommen wird und sagt: Das ist kriminell. Ich glaube, ich war zu naiv.'

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Simon Kravagna 06765386781

FORMAT

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS