Gründer- und Jungunternehmerpolitik: noch viele weiße Flecken

Junge Wirtschaft zieht Bilanz über die Aktivitäten der Bundes regierung - Helmel: "Qualitative Gründeroffensive notwendig"

Wien (PWK) - In ihrer heutigen Pressekonferenz zogen JW-Bundesvorsitzender Stefan Umdasch und JW-Bundesgeschäftsführer Alfons H. Helmel Bilanz über die Gründer- und Jungunternehmerpolitik der Bundesregierung. "Nach jahrelangem Nichtstun hat die Bundesregierung in diesem Jahr einige wichtige gründer- und jungunternehmerpolitische Akzente gesetzt und damit einen Teil der JW-Forderungen erfüllt. Die wichtigste Maßnahme war zweifellos die Streichung der betrieblichen Erbschafts- und Schenkungssteuern für 90 Prozent der KMUs", resümierte JW-Bundesgeschäftsführer Alfons H. Helmel. Auch Banken, Institutionen und die Länder hätten ihre Anstrengungen in Gründer-und Jungunternehmerfragen merklich intensiviert. ****

Trotzdem sei die Gründer- und Jungunternehmerpolitik der Regierung auf halbem Wege steckengeblieben, kritisiert die Junge Wirtschaft. "Die Regierung hat es sich über weite Strecken zu einfach gemacht. Der Wegfall der Gründungsgebühren ist gut und schön, aber es wird zuwenig für ordentliche Wachstumschancen getan. Wir brauchen eine qualitative Gründeroffensive, wenn wir nachhaltig Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sichern wollen", erklärte Helmel.

Es seien zwar neue Finanzierungsinstrumente geschaffen worden, der große Bedarf kleinerer Unternehmen könne damit aber nicht gedeckt werden, kritisierte JW-Bundesgeschäftsführer Helmel. Die Junge Wirtschaft fordert daher die Einrichtung von steuerbegünstigten Jungunternehmerfonds, die für KMUs neues Eigenkapital jenseits der institutionellen Anleger bereitstellen. Die Jungunternehmerfonds sollen, ähnlich wie die Genussscheine, ein breitenwirksames Instrument sein, mit dem sich jeder Österreicher an jungen Unternehmen beteiligen kann.

Eine von vier Unternehmenspleiten in Europa geht auf Zahlungsverzögerungen von Auftraggebern zurück. Um KMUs nicht durch Zahlungsverzögerungen in ihrer Existenz zu gefährden, wurden in Großbritannien, Frankreich und in den skandinavischen Staaten die Verzugszinsen per Gesetz verdoppelt. In Schweden und Norwegen brachte dies eine Reduzierung der Zahlungszeit auf die Hälfte. "In Österreich betragen die Verzugszinsen nach wie vor nur 5 Prozent, die müssen

rasch rauf", forderte Helmel.

Ein wichtiges Handlungsfeld ist für die Junge Wirtschaft auch die Bürokratiefrage. Sie fordert die Verankerung des one-stop-shop-Prinzips in allen Verfahren. "Eine Behörde, ein Verfahren, ein Bescheid - so muß ab 1.1. 2000 jedes Genehmigungsverfahren aussehen", so Helmel. Jeder Unternehmer solle künftig innerhalb von drei Wochen über den Ausgang seines Verfahrens Bescheid wissen. Die gegenwärtig 16.000 Anlageverfahren pro Jahr müssen nach Auffassung der Jungen Wirtschaft rasch unter die 4000er-Marke gedrückt werden.

Zur Lösung der Nachfolgeproblematik fordert die Junge Wirtschaft neben einer Abschaffung der Kreditsteuer bei Übernahmen die Ausweitung der Beratung. "Die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß 50 Prozent der Übergaben scheitern. Deshalb muß das Sensibilisierungs-und Beratungsangebot intensiviert werden", forderte JW-Bundesvorsitzender Stefan Umdasch. Die Nachfolgeberatung soll nach dem Vorschlag der Jungen Wirtschaft künftig zu je einem Drittel von Wirtschaftskammer,

Ländern und Bund finanziert werden. "Es wäre sinnvoll und richtig, für die Nachfolgeberatung Mittel des AMS einzusetzen", erklärte Umdasch.

Weitere Maßnahmen fordert die Junge Wirtschaft im Bildungsbereich. "Es muß endlich sichergestellt sein, daß jeder Schulabgänger ungefähr weiß, wie er den Weg in die Selbständigkeit anpacken könnte. Das muss genauso selbstverständlich und klar sein, wie es heute der Weg zum eigenen Führerschein ist", so JW-Bundesgeschäftsführer Helmel. Deshalb fordert die Junge Wirtschaft, dass Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Bildungszweigen die Unternehmerprüfung bereits in der Schule ablegen können.

All diese Themen werden bei der Bundestagung '99 der Jungen Wirtschaft im Mittelpunkt stehen. Dabei werden die verantwortlichen Regierungsmitglieder mit den Forderungen der Jungunternehmer konfrontiert. Die heuer zum siebenten Mal abgehaltene Bundestagung der Jungen Wirtschaft ist mittlerweile der größte Unternehmerkongreß Österreichs. Zwischen 3. und 5. September werden in Mayrhofen im Zillertal, Tirol über 1000 Jungunternehmer aus dem In- und Ausland erwartet. Neben einen umfangreichen Seminar- und Workshopangebot mit Prominenz aus Politik und Wirtschaft ist die Bundestagung mit einem attraktiven Rahmenprogramm auch ein gesellschaftliches Event der Sonderklasse. Den Fragen der Jungunternehmer werden sich u.A. Bundeskanzler Viktor Klima, Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner, Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer, Staatssekretär Wolfgang Ruttensdorfer und WKÖ-Präsident Leo Maderthaner stellen

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