Kanzler in Seenot

Viktor Klimas Urlaubs-Segelreise von Schiffbruch überschattet: Katamaran des "roten Korsars" rammte vor der tunesischen Küste ein Riff und drohte zu sinken

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, war der Mittelmeer-Segelturn von Bundeskanzler Viktor Klima Anfang August von einem Schiffbruch überschattet.

Der telefonische Notruf, den das Büro des Bundeskanzlers vorvergangene Woche entgegennahm, klang dramatisch und verwirrend zugleich. "Unser Schiff ist leck!", tönte es verzweifelt aus dem Hörer. Am anderen Ende der Leitung: Sonja Klima, die sich per Handy von Bord eines Katamarans meldete, auf der das Kanzlerpaar zu diesem Zeitpunkt vor der tunesischen Küste entlangschipperte.

Der "rote Korsar" in Seenot: Diesen Vorfall hat Viktor Klima bei der Schilderung seiner schönsten Ferienerlebnisse tunlichst verschwiegen. Ein toller Segelturn sei es gewesen, ließ der Kanzler die Medien wissen. "Da hat man den ganzen Tag so viel zu tun, daß man gar keine Zeit hat, über die Innenpolitik nachzudenken".

Kein Wort von der Havarie, bei der Klima beinahe vom Klabautermann geholt worden wäre. Der österreichischen Botschaft in Tunis wurde strikte Geheimhaltung befohlen, dem Außenministerium nahegelegt, Stillschweigen zu bewahren. Kein Wunder. Immerhin hatte die SPÖ ihren Wahlkampf kurz zuvor ausgerechnet mit einem Plakat gestartet, auf dem die Errungenschaften der sozialistischen Seefahrt gefeiert werden. Motiv: Ein Segelschiff, das dynamisch durch die Wogen pflügt. Slogan:
"Der Kurs stimmt."

Das galt für den Kurs des Kanzler-Katamarans allerdings nur bedingt. Denn Klima ist zwar im Besitz eines Hochsee-Patents, hatte sich beim Navigieren nicht nach den Seekarten gerichtet, sondern nach dem GPS-Plotter. Das Problem dabei: GPS ("Global Positioning System") zeigt per Satellitenpeilung zwar den exakten Standort eines Schiffes, verzeichnet Untiefen und Riffe aber nur sehr ungenau. Und genau das wurde dem Freizeit-Kapitän nach 500 Seemeilen Fahrt zu Verhängnis. Am Rückweg von Sizilien - Klima hatte die italenische Insel von Tunesien aus angesteuert - rammte der Katamaran ein Riff. Einer der beiden Schwimmer lief leck, der Kanzler mußte das sinkende Schiff am nahegelegenen Strand auf Grund setzen.

Von eben hier langte in Wien das S.O.S von Sonja Klima ein. Das Kanzleramt alarmierte die österreichische Botschaft in Tunis, ein Servicetechniker wurde zum Ort des "Mißgeschicks" (Klima-Sprecher Josef Kalina) beordert, um den Kahn wieder flottzumachen. Anschließend steuerte der Kanzler Bizerta, den nächsten erreichbaren Hafen an - wo schon der Gouverneur am Pier wartete, um die Besatzung mit einem Diner und einer Stadtrundfahrt für das erlittene Ungemach auf hoher See zu entschädigen. Ob Klima bei seiner Rückkehr nach Österreich über die aktuelle Postkartenaktion der SP-Initiative 8 lachen konnte, ist fraglich. Dort versuchten seine Genossen die Volksliedkampagne der Volkspartei nämlich ("Sing mit uns") nämlich mit einem ironischen Spruch zu konterkarieren, der den Havaristen nicht sonderlich amüsiert haben dürfte: "Sink mit uns!"

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