Abgabenlast für Lehrlingsausbildung ist immer noch zu hoch

Pensionsaufwand für österreichische Betriebe um ein Drittel höher als in Deutschland

Wien (PWK) - Wie ein Vergleich des Personalaufwandes für Lehrlinge zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigt, sind die durch-schnittlichen Lehrlingskosten in Österreich deutlich höher als anderswo: Wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese Form der Aus-bildung praktisch nur in diesen drei Ländern durchgeführt wird, kommt man zu dem Ergebnis, dass die österreichischen Lehrbetriebe weltweit den höchsten Personalaufwand bei ihren Lehrlingen haben, meint Klaus Schedler von der Abteilung für Bildungspolitik und Wissenschaft in der Wirtschaftskammer Österreich. ****

"Spitzenverdiener" sind die österreichischen Maurerlehrlinge mit einem monatlichen Personalaufwand von durchschnittlich 1.264 Euro, gefolgt von ihren schweizerischen Kollegen mit 909 Euro, während die deutschen Maurerlehrlinge vergleichsweise nur mit 876 Euro zu Buche schlagen. Über alle untersuchten Lehrberufe gerechnet zeigt sich, dass sich der durchschnittliche monatliche Personalaufwand für einen Lehrling in Österreich auf 806 Euro, in Deutschland auf 590 Euro und in der Schweiz auf 572 Euro beläuft.

Ursache dieser beachtlichen Mehrkosten bei der Ausbildung sind aber nicht allein die tariflich vereinbarten Lehrlingsentschädigungen, sondern auch die gesetzlichen Lohnnebenkosten. Hier zeigt der Vergleich, dass trotz der in den letzten Jahren insbesondere bei den Krankenversicherungsbeiträgen erzielten Entlastung die Lehrlingsausbildung in Österreich noch immer von den höchsten Abgaben betroffen ist. Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Schweiz, wo die Lehrlinge bis zum Ende jenes Jahres, in dem sie das 17. Lebensjahr vollendet haben, weitgehend von der Beitragspflicht zur Sozialversicherung befreit sind. Dies führt dazu, dass sich beispielsweise bei einem 3 «-jährigen Lehrberuf die Lohnnebenkosten in der Schweiz auf durchschnittlich etwa 4 Prozent belaufen. In Deutschland liegt der Beitragssatz in Summe bei 23 Prozent und in Österreich bei stolzen 25 %. Allein während der letzten 6 Monate der Lehrzeit zahlt der österreichische Lehrberechtigte für jeden Hunderter, den der Lehrling brutto verdient, noch S 31,-- an Abgaben. Zum Vergleich: in Deutschland wären es S 23,-- und in der Schweiz gar nur S 7,50.

Eine Verringerung dieser Abgabenlast für österreichische Lehrbetriebe bedeutet nach Schedlers Auffassung keinen Sozialabbau:
"Das Problem liegt weniger bei jenen Sozialabgaben, die individuelle Ansprüche der Arbeitnehmer absichern, sondern bei den Beiträgen für anonyme Fonds für Familienlasten und Entgeltfortzahlung, die gemeinsam mit der Kommunalsteuer einen Beitragssatz von fast 10 Prozent ausmachen. Viele Gemeinden haben daher beschlossen, ihren Lehrbetrieben die Kommunalsteuer für Lehrlinge zu refundieren und es wäre wohl an der Zeit, wenn auch der Bund weitere Maßnahmen zur abgabenrechtlichen Entlastung der Lehrlingsausbildung setzen würde", so Schedler.

Grundlage des von Schedler durchgeführten Vergleichs sind die Lehrlingsentschädigungen in 13 typischen Lehrberufen wie beispielsweise Tischler, Maurer oder Kfz-Mechaniker. Die Ausbildung in diesen Berufen ist in den untersuchten Ländern im wesentlichen vergleichbar. Berücksichtigt wurden ferner unterschiedliche kollektivvertragliche Regelungen je nachdem, in welcher Branche ausgebildet wird, da beispielsweise der Beruf des Maurers sowohl im Handwerk als auch in der Industrie erlernt werden kann. Auch wurde die besondere Situation in Deutschland beachtet, wo in den neuen Bundesländern andere tarifliche Regelungen zur Anwendung kommen.

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