ibw stellt Studie über die Berufsbildung der Zukunft vor

Strukturwandel stellt Bildungssystem vor weitrechende Anpass- ungsprobleme und sorgt für Innovationsbedarf

Wien (PWK) - Modular, flexibel und durchlässig: so müsste die Berufsbildung in Zukunft ablaufen, wenn Österreich seine bisher erfolgreiche berufliche Bildungsstrategie weiter fortsetzen will. "Vorausgesetzt wir schaffen neue Ausbildungsangebote und Modelle, die sich am Wandel in der Bildungsnachfrage der Jugendlichen und den Erfordernissen der Unternehmen orientieren", stellte Arthur Schneeberger, Autor einer Studie über die Berufsbildung der Zukunft, bei einer Pressekonferenz des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) fest. ****

Schneeberger ging in der Studie von zwei langfristigen Trends aus, die unser berufliches Bildungssystem vor weitreichende Anpassungsprobleme stellt: einerseits die zunehmende, heute fast vollständige Bildungsbeteiligung der Jugendlichen (rund 95 Prozent 1995), andererseits der strukturelle Wandel des Beschäftigungssystems in Richtung Dienstleistungstätigkeiten. "Diesen Wandel haben wir noch längst nicht bewältigt. Das Angebot nach der Pflichtschule deckt sich weder mit den Wünschen der Jugendlichen noch mit den Anforderungen der Unternehmen", unterstrich Schneeberger.

1998 erreichten 83 Prozent der 20- bis 24jährigen Wohnbevölkerung in Österreich einen Ausbildungsabschluß nach der Pflichtschule (AHS, BHS, Fachschule, Lehrlingsausbildung oder postsekundärer Abschluß). Knapp die Hälfte davon hat eine berufsfachliche Erstausbildung (Lehre, Fachschule) absolviert, 34 Prozent einen höheren Bildungsabschluß und knapp 17 Prozent verbleiben ohne anerkannten Abschluß. Hiervon waren aber schätzungsweise 10 bis 12 Prozent in einer Ausbildung oder einer weiterführenden Schule, haben diese aber nicht abgeschlossen. "Ziel muss es sein, den Anteil der Jugendlichen mit Ausbildungsabschluss von 83% auf 90% zu steigern" betonte ibw-Geschäftsführer Johannes Steinringer und wies darauf hin, dass die Zahl der Abbrecher in den letzten Jahren trotz großer Anstrengungen seitens der Politik konstant geblieben ist.

Daß Österreich derzeit einen enormen Strukturwandel erlebt zeigt ein Blick in die Statistik: Zwischen 1987 und 1998 wurden allein in Dienstleistungsberufen über eine halbe Million neue Jobs geschaffen. In klassischen Produktionsberufen - allerdings mit einigen quantitativ wichtigen Ausnahmen (z.B. Bau, Elektro, Maschinenführung und -bedienung) - gingen hingegen etwa 50.000 Arbeitsplätze verloren.

Dieser Wandel der Beschäftigungsmöglichkeiten hat das Ausbildungsverhalten der Unternehmen deutlich beeinflusst und die Anforderungen an bestehende Berufsbilder und Curricula der Erstausbildung radikal verändert. "Hier besteht Innovationsbedarf", so Schneeberger.

Mit der Einführung neuer Lehrberufe und konzipierten Fachschulen im EDV-Bereich wird zwar endlich auf den veränderten Ausbildungsbedarf reagiert. Der Neuerungsbedarf geht aber noch darüber hinaus. "Was wir tatsächlich brauchen sind Berufsbilder, die eine breite generelle Ausbildung mit einem erhöhten branchenspezifischen Anteil verbinden", erläuterte Schneeberger. Erste Erfolge gibt es bereist im Handel (Gartencenterkaufmann, der Schulversuch "Baustoffachhändler") oder in den neuen "hybriden" Metall-Elektroberufen.

Die seit Mitte der 90er Jahre auftretenden Probleme bei der Versorgung mit Ausbildungsplätzen (Lehre, Fachschulen v.a.) zeigen, wie wichtig es ist, Maßnahmen zur beruflichen Orientierung und vor allem der Festigung und Förderung einer neuen Basisbildung als Mindestvoraussetzung des Ausbildungseinstiegs zu treffen. Die Ausbildung muss flexibler werden, um den inhaltlichen Anforderungen und den Möglichkeiten der Jugendlichen je nach Fähigkeiten, Interessen und Ausbildungsreife gerecht zu werden.

Schneeberger sprach sich daher für eine Neufassung von Berufsbildern und Curricula in Form von Modulen (Bildungsbausteine) im Rahmen von Kernbereichen (etwa 2 Jahre) und Erweiterungsteilen (übrige Lehrzeit) aus. Langfristig soll damit die Modularisierung im Rahmen des Berufskonzepts erreicht werden. Nützen würde dieses flexible Konzept nicht nur den Unternehmen, die mit mehr betriebsspezifischem Anteil im Erweiterungsbereich rechnen könnten, sondern auch den Jugendlichen, für die in höherem Maße begabungs- und interessensgemäße Ausbildungsziele und -abstufungen möglich wären.

Auch im Hinblick auf die Nutzung von Ausbildungsverbünden und der Lehrstellenschaffung könnten sich hieraus neue Möglichkeiten ergeben. Die Skala der Möglichkeiten der beruflichen Bildung würde dann von einer zweijährigen Lehre bis zu Höherqualifizierungen reichen, die zur Meisterprüfung, der Berufsreifeprüfung oder der Fachhochschule führen.

Mit der Modularisierung ließe sich auch die Transparenz der erreichten Teilabschlüsse und der Abschlüsse im internationalen Kontext erhöhen. Auch das Nachholen oder die Weiterführung von beruflicher Bildung in der Erwachsenenbildung kann durch die Modularisierung motiviert und erleichtert werden.
(Schluß) MH

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