Rieder präsentiert Halbjahresbilanz zur Drogensituation

Enge Kooperation mit Polizei: Pilotprojekt zur Betreuung suchtkranker Insassen des Polizeigefangenenhauses angelaufen

Wien, (OTS) "Wir räumen in der Wiener Drogenpolitik der Suchtprävention den Vorrang ein, weil gerade hier vorbeugen wichtiger ist als behandeln und betreuen im Nachhinein. Auf die zunehmenden Erfolge in diesem Bereich führe ich es zurück, dass es uns gelungen ist, die Drogensituation in Wien entgegen dem internationalen Trend – vorsichtig gesprochen – stabil zu halten", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen des Pressegespräches des Bürgermeisters. Rieder weiter:
"Die Gesamtzahl der Betroffenen ist gleich bleibend, Beratungs-
und Betreuungsprojekte sind erfolgreich und bewirken teilweise
sogar einen Rückgang bei den Folgeproblemen für Drogenkonsumenten." Wie Drogenkoordinator Peter Hacker berichtet, konnte im ersten Halbjahr 1999 eine leicht rückläufige Entwicklung im Bereich der Überdosierungen festgestellt werden, die Zahl der Drogenopfer ist weiterhin auf einem niedrigen Niveau.

Rieder würdigte in diesem Zusammenhang auch die erfolgreiche Arbeit der Sicherheitsbehörden in der Bekämpfung des Drogenhandels, zumal es zahlreiche Hinweise darauf gibt, dass es Bemühungen des internationalen Drogenhandels gibt, in Europa verstärkt Drogen abzusetzen. Rieder unterstrich dabei die vorbildlich enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Therapeuten und Sozialarbeit. In regelmäßigen Treffen besprechen der Gesundheitsstadtrat, der Polizeipräsident, Bezirksvorsteher und Drogenexperten neue Entwicklungen und Strategien.****

Wie im Neuen Wiener Drogenkonzept vorgesehen, wurde zu Beginn des Jahres das neue Beratung- und Betreuungszentrums BBZ-Dialog in Floridsdorf in Betrieb genommen. "Die hohe Akzeptanz dieser Beratungs- und Betreuungsstelle unter den Betroffenen bestätigt
die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung in den Bezirken Floridsdorf und Donaustadt", so Rieder.

An dem Pressegespräch nahmen weiters der Wiener Drogenbeauftragte, Dr. Alexander David, und Hofrat Dr. Leo Lauber, Präsidialchef der Bundespolizeidirektion Wien teil, die insbesondere über ein Pilotprojekt zur Betreuung von suchtkranken Insassen im Wiener Polizeigefangenenhaus berichteten.

Offene Drogenszene – verstärkter Einsatz der Straßensozialarbeit

Von den etwa 5.000 – 6.000 opiatabhängigen Menschen in Wien sind etwa 10 bis 15 Prozent der offenen Drogenszene zuzurechnen
und somit primäre Zielgruppe der Straßensozialarbeit. "Seit einigen Monaten beobachten wir eine stark rückläufige Inanspruchnahme der Betreuungseinrichtung im Bereich Westbahnhof
und gleichzeitig einen steigenden Bedarf im südlichen Bereich des Gürtels (Grenzbereich des 4., 5. und 10. Bezirks). In den nächsten Wochen werden wir daher den Standort des Betreuungsbusses "Big Elefant" vom Westbahnhof in diese Region verlegen. Zusätzlich werden durch eine Verkürzung der Öffnungszeiten am Karlsplatz weitere Ressourcen für diese neue Aufgaben freigespielt", so Drogenkoordinator Hacker.

HIV-Infektionen unter Drogenabhängigen rückläufig – Neues

Maßnahmenpaket gegen Hepatitis-Infektionen
Eine der Schwerpunkte der Arbeit der Sozialarbeiter ist die "Schadensminimierung" – also Reduktion der Folge- und Begleiterkrakungen wie Aids und Hepatitis. So gibt es in Wien mit unter 5 Prozent im internationalen Vergleich sehr wenige HIV-Infektionen unter Intravenös-Drogenabhängigen. 1998 waren von den offiziell registrierten 28 Aidserkrankungen in Wien nur 7 aus dem Kreis der Intravenös-Drogenabhängigen. Dies ist vor allem auf die hohe Akzeptanz des Spritzentauschprogrammes zurückzuführen. Pro Monat werden in den niederschwelligen Einrichtungen rund 8000 sterile Spritzen verkauft und etwa 60.000 getauscht.

Wie im neuen Wiener Drogenkonzept vorgesehen, wird ab dem Herbst auch ein Maßnahmenpaket zur Hepatitis-Prävention gestartet.

Zusammenarbeit mit der Polizei ausgebaut: Pilotprojekt im Polizeigefangenenhaus angelaufen

Die Zusammenarbeit mit der Polizei beschränkt sich längst nicht mehr nur auf den Bereich der offenen Szene. Seit Beginn 1999 läuft ein Pilotprojekt zur Betreuung von Suchtkranken im Polizeigefangenenhaus Wien. Dreimal wöchentlich ist ein Arzt der Drogenberatungsstelle Dialog anwesend und behandelt suchtkranke Patienten. Dabei konnten im ersten Halbjahr 1999 insgesamt 245 Patienten behandelt werden. Dieses Pilotprojekt zeigt, dass eine qualitätsvolle Betreuung in Haftsituation möglich ist und somit der Gesundheitszustand dieser Patienten wesentlich verbessert
werden kann. Durch die vorbildliche Zusammenarbeit ist auch eine Weiterbehandlung nach der Haft sichergestellt.

Überdosierungen rückläufig

Statistiken der Wiener Rettung zeigen seit Jahren einen Rückgang bei den Einsätzen wegen Überdosierungen bzw. anderen Zwischenfällen nach Drogenkonsum. Waren 1988 insgesamt 1.951
(1993: 705 Einsätze) solcher Einsätze zu verzeichnen, ging diese Zahl im Jahr 1998 auf 360 Einsätze zurück (erstes Halbjahr 1999:
157 Einsätze).

Drogenszene wird immer älter

Wie auch bei den Drogenopfern, wo der Altersdurchschnitt bereits über 30 Jahren liegt, ist auch bei den nicht tödlichen verlaufenden Überdosierungen ein stetes Älterwerden der Betroffenen zu verzeichnen. 1998 waren mehr als doppelt so viele Rettungseinsätze für Personen zwischen 30 und 40 Jahren zu verzeichnen als bei den bis 20-jährigen. "Diese Entwicklung des Älterwerdens der Drogenszene ist als genereller Trend beobachtbar. Wir werden uns in den nächsten Jahren intensiv mit der Entwicklung von neuen Betreuungsmodellen für drogenabhängige Senioren auseinander setzen müssen", so Drogenkoordinator Hacker.

Erfolgreicher Start des Beratung- und Betreuungszentrums BBZ-Dialog

Mit der Eröffnung des Beratungs- und Betreuungszentrums BBZ-Dialog in Floridsdorf und den beiden Aussenstellen in Floridsdorf und Donaustadt konnte eine wichtige Versorgungslücke in der Behandlung Drogenabhängiger im Norden Wiens geschlossen werden.
Die Mitarbeiter leisten aber auch wertvolle Arbeit in der Information von Angehörigen und der Prävention in Schulen und Jugendeinrichtungen. Seit Ende Februar konnten bereits 40
Patienten in ein langfristiges Behandlungsprogramm aufgenommen werden, 110 Betroffene wurden intensiv beraten. In fünf großen Präventionsveranstaltungen und zahlreichen Informationsgesprächen wurden mehrere Dutzend Schlüsselpersonen erreicht. Im Jahr 2000 wird diese Beratungsstelle den Vollbetrieb erreichen und dann jährlich rund 300 Patienten langfristig behandeln und ebensoviele kurz- bis mittelfristig beraten und betreuen. (Schluss) mmr

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