"Ärztliche Fortbildung muß Ausbildungsmängel ausbügeln"

Routil kritisiert Spitalsträger und Ausbildungsstruktur: Für Warteliste vor und nicht nach dem Medizinstudium

Wien (OTS) - Anläßlich der Eröffnung der am 15. August beginnenden Ärztetage in Velden, einer zunehmend frequentierten Fortbildungsveranstaltung der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), hob der Chef des ÖÄK-Bildungsreferates, der Präsident der steirischen Ärztekammer, Wolfgang Routil, hervor, daß die ärztliche Fortbildung etliche Mängel der Turnusausbildung in Spitälern ausbügeln müsse. Bei der Gelegenheit forderte Routil auch eine Eindämmung des derzeit ungebremsten Zustroms zum Medizinstudium.

"Die heurigen Ärztetage in Velden stehen unter dem Zeichen einer breit angelegten ärztlichen Fortbildung, welche die entsprechende medizinisch-fachliche Fortbildung im Sinne des Diplomfortbildungsprogrammes (DFP) umfaßt, aber auch andere Gebiete, wie Gutachter-Fortbildung und wirtschaftliche Fortbildung der Ärzte einbezieht", erläuterte Routil.

Zum DFP, mit dem die Ärzte seit 1995 das Fortbildungsdiplom zum Nachweis für das Absolvieren kontinuierlicher ärztlicher Fortbildung im Ausmaß von 100 Stunden innerhalb von drei Jahren erlangen können, kommen bei den Bildungsveranstaltungen der ÖÄK immer mehr weitere, für den Arzt wichtige Bildungsangebote.

Routil: "Wir werden bei allen Ärztetagen (Velden, Grado, Bad Hofgastein) Seminare zur entsprechenden Nachschulung in wesentlichen Wirtschaftsfragen anbieten und daran weiterführende Speziallehrgänge, etwa über Marketing und Managementfragen anschließen." In Velden gibt es heuer auch Seminare für Ordinationsassistentinnen. "Diesmal können wir ein sehr breites, geradezu umfassendes Fortbildungsangebot für die Ärzteschaft anbieten", so Routil.

Hierbei vermerkte Routil, daß ein guter Teil der Teilnehmer sich aus Turnusärzten rekrutiert. "Bei aller Freude über die Akzeptanz unseres Fortbildungsangebotes durch die jüngere Ärzteschaft muß ich darauf hinweisen, was diese große Beteiligung bedeutet - daß nämlich die Ausbildung im Turnus nicht ausreichend ist", betonte der ÖÄK-Bildungschef.

Routil übte scharfe Kritik an dieser unzureichenden Ausbildungsqualität in Spitälern. "Hier wird oft zuwenig auf die speziellen Ausbildungserfordernisse der Turnusärzte bedacht genommen. Die Turnusärzte werden leider immer wieder zu völlig arztfremden Tätigkeiten herangezogen und bisweilen sogar zu Handlangerdiensten im Spitalsalltag mißbraucht", warf Routil den betreffenden Spitalsträgern vor.

Routil fordert die Verantwortlichen der Spitalsträger dringend auf, umgehend ihren Beitrag zur ärztlichen Ausbildungsqualität dadurch zu leisten, daß für die Turnusärzte in Österreich ein entsprechendes Ausbildungsklima geschaffen wird, welches eine patientennahe Ausbildung auf qualitativ hohem Niveau gewährleiste. "Es geht nicht an, daß der Gesetzgeber zwar durch Rasterzeugnisse und Facharztprüfungen Qualitätssicherung vorschreibt, aber dann zusehen muß, wie die Vorgaben zur tatsächlichen Erreichung der praktischen Ausbildungsziele von diversen Krankenhäusern nicht beachtet werden. Schließlich gelte das Ärztegesetz, in dem die Ausbildungserfordernisse festgeschrieben sind, auch für Krankenanstalten, so der ÖÄK-Bildungschef.

Ein weiteres Problem der ärztlichen Ausbildung sieht Routil im ungefilterten Zugang zum Medizinstudium. "Durch die großen Studentenzahlen wird die Ausbildungsqualität auch an den Universität unterminiert", sagte er. Und: "Weiters muß man sich vor Augen halten, daß bereits seit einer Weile junge Ärzte kaum noch Arbeitsplätze finden".

Wer heute ein Medizinstudium beginne, müsse nach dessen Beendigung beziehungsweise nach der Turnusausbildung mit einer mehrjährigen Arbeitslosigkeit rechnen. "Es ist jungen Menschen gegenüber verantwortungslos, sie in großer Zahl in einen Beruf zu treiben, den sie dann nicht oder erst nach mehrjähriger Pause ausüben können", betonte Routil.

Angesichts der derzeitigen Studentenzahlen und des Durchschnittsalters der in Spitälern und der Praxis tätigen Ärzte sowie der jahrelang auf Jobs wartenden Mediziner gebe es in wenigen Jahren tausende Ärzte zuviel, meinte Routil und rechnete vor: "Selbst ein zweijähriger Aufnahmestop an den Universitäten würde die Medizinerarbeitslosigkeit nicht beseitigen."

Daher verlangt der Bildungschef der Österreichischen Ärztekammer "die sofortige Einführung einer qualitäts- und kapazitätsorientierten Ausbildung und somit eine Warteliste vor dem Studium". Die derzeitige Wartezeit nach dem Studium bedeute eine Arbeitslosigkeit von zwei Jahren und dann sogar nach absolviertem Turnus mitunter zwei bis drei Jahre, oder noch mehr, erklärte Routil abschließend. (Forts.)

Rückfrageshinweis: Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer, Tel.: 01/5131833

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