OeNB-Geschäftsentwicklung der in Österreich tätigen Kreditinstitute im 1. Halbjahr 1999

Wien (OTS) - Die im ersten Halbjahr erzielten Bilanzsummen-zuwächse der österreichischen Kreditinstitute resultierten sowohl aktiv- als auch passivseitig hauptsächlich aus dem Auslands-geschäft.

Der seit Ende letzten Jahres bestehende Boom hin zu Fremdwährungsdirektkrediten wurde im Juni deutlich gebremst.

Der Umlauf der eigenen Inlandsemissionen an Nichtbanken stieg
im ersten Halbjahr 1999 beachtlich, nachdem er in der Vergleichs-periode des Vorjahres noch gesunken war.

Seit Beginn des Jahres nahm die Gesamtbilanzsumme der Kredit-institute um +4,5% zu, was eine geringfügige Abschwächung zur Vergleichsperiode des Vorjahres (+4,7%) bedeutete. Die größten Zuwächse ergaben sich aktivseitig vor allem bei den Auslandsforderungen und den sonstigen Inlandsforderungen, auf der Passivseite trugen hauptsächlich die Auslandsverbindlichkeiten sowie die eigenen Inlandsemissionen an Nichtbanken zum Bilanzwachstum bei.

Das Volumen der aushaftenden Direktkredite an inländische Nichtbanken weitete sich mit 1,81 Mrd EUR (24,9 Mrd ATS) oder
+0,9% etwas schwächer als 1998 aus. Der seit Ende letzten Jahres bestehende Boom hin zu Fremdwährungsdirektkrediten wurde im Juni deutlich gebremst: Meldeten die Kreditinstitute im Mai noch einen Zuwachs von 1,47 Mrd EUR (20,2 Mrd ATS) oder +5,8%, so stiegen die Fremdwährungsdirektkredite im Juni nur noch um 0,28 Mrd EUR
(3,8 Mrd ATS) oder +1,0%. Der Anteil der Direktkredite in Fremdwährung an den gesamten Direktkrediten erhöhte sich somit im Juni dementsprechend nur geringfügig auf 13,4% (Mai: +13,3%). Die Steigerungen im Juni sowohl bei den Fremdwährungs- als auch bei
den Eurodirektkrediten (+0,47 Mrd EUR bzw.+6,5 Mrd ATS) sind unter dem Aspekt der vierteljährlich anfallenden Zinsanlastungen zu sehen. Berücksichtigt man diese, so ergab sich in Summe für das gesamte Kreditvolumen ein effektiver Rückgang von ca. 0,73 Mrd EUR (10 Mrd ATS).

Der im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres
recht deutlich ausgefallene Rückgang der titrierten Kredite von 0,56 Mrd EUR (7,7 Mrd ATS) oder -2,1% war hauptsächlich durch die Abnahme der anderen Schuldtitel öffentlicher Stellen bedingt.

Betrachtet man den Zuwachs der Auslandsforderungen seit Jahresbeginn, so war das Plus von 14,61 Mrd EUR (201,1 Mrd ATS)
oder +13,2% doch spürbar größer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vor allem im Bereich der Forderungen an ausländische Kunden konnten die Kreditinstitute heuer bereits markant höhere Zuwächse verzeichnen.

Passivseitig entwickelte sich der Zuwachs der Auslands-verpflichtungen mit 11,52 Mrd EUR (158,5 Mrd ATS) bzw. +9,1% nicht so dynamisch wie auf der Aktivseite. Hier war vor allem der ausländische Zwischenbankverkehr größter Impulsgeber für die Steigerung.

Im bisherigen Jahresverlauf war die Zunahme der Einlagen von inländischen Nichtbanken etwas größer als in der Vergleichsperiode 1998. Vor allem das Mittelaufkommen der Kreditinstitute aus Sichteinlagen erhöhte sich in den ersten sechs Monaten beinahe doppelt so stark wie im Vorjahr. Auch im Bereich der Spareinlagen war im Gegensatz zum Vorjahr ein leichter Anstieg bemerkbar.

Der Umlauf der eigenen Inlandsemissionen an Nichtbanken stieg
im ersten Halbjahr 1999 um beachtliche 4,26 Mrd EUR (58,7 Mrd ATS) oder +10,2%, nachdem sie in der Vergleichsperiode des Vorjahres
noch geringfügig gesunken waren. Vor allem die begebenen Schuldverschreibungen waren mit einem Plus von 3,00 Mrd EUR
(41,3 Mrd ATS) ausschlaggebend für dieses gute Ergebnis.

Die Ausweitung der besonderen außerbilanzmäßigen Finanzg-eschäfte war im ersten Halbjahr mit 131,90 Mrd EUR
(1.815,0 Mrd ATS) oder +30,4% siebenmal so hoch wie in der Vergleichsperiode 1998. Besonders im Bereich der Zinssatzverträge konnten die Kreditinstitute enorme Zuwachsraten (+39,3%)
verbuchen. Die besonderen außerbilanzmäßigen Finanzgeschäfte erreichten im Juni mit rund 113% gemessen an der Gesamtbilanzsumme einen neuen Höchststand.

Die Eigenmittel der österreichischen Kreditinstitute stiegen in den ersten sechs Monaten um 4,3%, was nur in etwa der Hälfte des Zuwachses der Vergleichsperiode des Vorjahres entsprach. Die Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage betrug somit im Juni 14,2%.

Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich

STAND VERÄNDERUNG 1)
1999/06 1999 1998
Mrd EUR Mrd EUR in% Mrd EUR in% ------------------------------------------------------------------

Einlagen v.inländ.
Nichtbanken ........ 168,92 +2,21 +1,30 +1,75 +1,10 Eigene inländ.Emis-
sionen a.Nichtbanken 46,16 +4,26 +10,20 -0,21 -0,50 Geldkapitalbildung
v.inländ.Nichtbanken 215,08 +6,48 +3,10 +1,54 +0,80 Direktkredite an
inländ.Nichtbanken . 202,09 +1,81 +0,90 +1,99 +1,00 Titrierte Kredite an
inländ.Nichtbanken . 26,79 -0,56 -2,10 +0,86 +2,90 Gesamtkredite an
inländ.Nichtbanken . 228,88 +1,25 +0,50 +2,84 +1,30 Auslandsaktiva ..... 125,35 +14,61 +13,20 +12,17 +11,60 Auslandspassiva .... 138,46 +11,52 +9,10 +10,85 +9,10 Bilanzsumme ........ 502,52 +21,66 +4,50 +20,49 +4,70 Nicht bilanzwirksame
Geschäfte .......... 611,24 +132,63 +27,71 +20,25 +4,03 .hievon besondere
außerbilanzmäßige
Finanzgeschäfte . 566,03 +131,90 +30,38 +19,66 +4,36 Eigenmittel absolut . 34,64 +1,42 +4,30 +2,92 +10,10 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 2) 14,19

1) Aufgrund der Umstellung auf Euro kann wegen fehlender

Vorjahresvergleichswerte keine Untergliederung der Positionen
in Euro und Fremdwährung dargestellt werden.
2) Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von

Eigenmitteln verpflichtet sind.

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