Meister: Viel Vertrauen zu sich, kaum Vertrauen in die Politik

Handwerkskammer Düsseldorf untersuchte Startbedingungen für Existenzgründer - Klares Votum für die Meisterprüfung

Wien (PWK) - "In hohem Maß bereit, das Schicksal in die eigene
Hand zu nehmen, im Bewusstsein, einem Rekordniveau an Steuer- und Abgabenlast ausgesetzt zu sein, mit entsprechend wenig Vertrauen in die ökonomische Kompetenz der Politik ausgestattet, ohne deshalb "politikverdrossen" zu sein: So stellt sich das Profil des aktuellen Meisterjahrgangs dar, das die Handwerkskammer Düsseldorf in einer Totalerhebung bei 2.582 Meisterprüflingen ermittelt hat. Kammerpräsident Hansheinz Hauser präsentierte die Ergebnisse der Studie über "Geeignete Startbedingungen aus der Sicht handwerklicher Existenzgründer" heute bei einem Erfahrungsaustausch in der Wirtschaftskammer Österreich. ****

Für die künftigen Herausforderungen in leitender Position glauben sich die frischgebackenen Meister persönlich gut gerüstet: Nach ein-bis zweijähriger Weiterbildung und hohem finanziellem Einsatz sagen 86 Prozent der Befragten: "Die Meisterprüfung ist eine wichtige Voraussetzung zur selbständigen Führung eines Unternehmens". Hauser:
"Diese Äußerungen werte ich als klare Absage an alle Bestrebungen, den Großen Befähigungsnachweis aufzuweichen oder gar abzuschaffen".

Von 72,6 Prozent der Befragten als größtes Existenzrisiko betrachtet wird das hohe Niveau der Steuer- und Abgabenbelastung der Unternehmen, das im Durchschnitt bei 50 Prozent liegt. Dabei wird das drängendste Problem in der Höhe der gesetzlichen Lohnnebenkosten gesehen. 77 Prozent der künftigen Unternehmer, Manager oder Betriebsleiter fordern hier vorrangig Entlastung.

Jeweils ein Drittel nennen die im Handwerk anhaltend unbefriedigende Wirtschaftslage und die Verfügbarkeit von Investitionskapital als bedeutende Risikofaktoren. 29,1 Prozent des Meisterjahrgangs sehen in dem Mangel an verfügbarem Fachpersonal ein entscheidendes Expansionshindernis. Bei einer vergleichbaren Untersuchung vor sechs Jahren war dieser Punkt nur von 6,8 Prozent der damaligen Jungmeister als Engpassfaktor genannt worden. "Der Mangel an Fachkräften wird sich im Handwerk noch verschärfen", ist sich Hauser gewiss: "Bereits im vergangenen Jahr gelang es über der Hälfte aller Handwerksbranchen nicht, die offenen Ausbildungskapazitäten mit geeigneten Bewerbern zu besetzen".

Systematische Abhilfe in den aufgezeigten Problemfeldern durch die Politik können die weitaus meisten Befragten (81,3 Prozent) nicht erkennen. Lediglich 2,2 Prozent gehen davon aus, den Interessen des Handwerks werde Rechnung getragen. Noch im Dezember 1998 war die Hoffnung, die neue Bundesregierung in Deutschland werde essentielle Belange des Handwerks berücksichtigen, deutlich stärker ausgeprägt:
53 Prozent der vom Nordrhein-Westfälischen Handwerkstag landesweit befragten Betriebsinhaber wollten "erst einmal abwarten, was die Bonner Entscheidungen dem handwerklichen Mittelstand bringen". "Von diesem Kredit ist nach den zahlreichen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen, die der mittelständischen Wirtschaft zusätzliche Belastungen bescheren, nichts mehr übrig geblieben", kommentierte Hauser.

Das beim Führungsnachwuchs im Handwerk verbreitete Mißtrauen gegenüber der Arbeit von Regierung und Gesetzgeber hat jedoch nichts mit Politikverdrossenheit zu tun. 42 Prozent der frischgebackenen Meister sind bereit, sich politisch zu engagieren; weitere 4,3 Prozent sind bereits aktiv - ein deutlich höherer Wert als noch vor fünf Jahren. 1994 hatte bei einer ähnlichen Befragung nur rund jeder dritte Jungmeister Interesse an einer gesellschaftlich gestaltenden Rolle bekundet.

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