Lehrstellensituation keineswegs dramatisch

Neue Lehrberufe bewähren sich!

PWK - Entgegen allen "Katastrophenmeldungen" zeigen erste Ergebnisse bei den eingelangten Lehrverträgen im Vergleich zum Vorjahr und unter Berücksichtigung des etwas schwächeren Geburtenjahrganges ein keinesfalls beunruhigendes Zwischenergebnis. Mit einem kleinen Plus von 0,37 % per Ende Juli 1999 für die bei den Lehrlingsstellen eingegangenen Lehrverträge (im Vergleich zum Vorjahr, gleicher Zeitpunkt und gleiche Zählweise) kann bei einem um 2,87 % schwächeren Geburtenjahrgang zwar noch keine Entwarnung am Lehrstellenmarkt gegeben, aber durchaus ein beruhigendes Zwischenresümee gezogen werden. Die Anstrengungen der Wirtschaftskammern bezüglich der Information der Mitgliedsbetriebe über neue Ausbildungsmöglichkeiten (neue Lehrberufe), Kostenentlastungen und verbesserte Ausbildungsrahmenbedingungen (etwa beim Jugendschutz) haben sichtlich das Ausbildungsverhalten der Unternehmer beeinflußt. Die im Vorjahr eingeführten neuen Lehrberufe beginnen "zu greifen". Die Zahl der Lehrverträge per 30.6.1999 in den 23 neuen Lehrberufen liegt mit 2.280 durchaus in einer beachtlichen Größenordnung, wobei diese neuen Lehrberufe entweder völlig neue Ausbildungsmöglichkeiten eröffneten, die bisher nicht bestanden (wie etwa beim Fitnessbetreuer, bei den EDV-Berufen, beim Systemgastronomiefachmann) oder aber durch Spezialisierung viele Betriebe zur Aufnahme der Ausbildung veranlassten. Deutlich wird dies etwa beim "Gartencenterkaufmann", dem zahlenmäßig viertwichtigsten neuen Lehrberuf oder beim Bankkaufmann, der Nummer 2. Auch der Verwaltungsassistent - Spitzenreiter in der Liste - mit rund einem Viertel der neuen Lehrverträge - hat entscheidend zur Aufnahme der Lehrlingsausbildung in der öffentlichen Verwaltung beigetragen. ****

Interessant ist auch, daß die neuen Lehrberufe einen wesentlich höheren Mädchenanteil aufweisen als im Durchschnitt der

Lehrlingsausbildung. Sind es im Durchschnitt 32,1 %, so liegt der Mädchenanteil bei den 23 neuen Lehrberufen bei 45 %. Über diesem erfreulich hohen Mädchenanteil liegen noch einige der größten neuen Lehrberufe wie Gartencenterkaufmann (85 %), Verwaltungsassistent (74 %), Systemgastronomiefachmann (56 %) oder Bankkaufmann (54 %).

Die Wirtschaftskammer Österreich verfolgt die Entwicklung der neuen Lehrberufe sehr genau. Man kann feststellen, daß zwischen der Erlassung solcher neuen Lehrberufe - und damit der theoretischen Möglichkeit der Aufnahme der Lehrlingsausbildung - und dem tatsächlichen Akzeptieren solcher neuer Ausbildungsmöglichkeiten rund ein Jahr liegt. Einige Lehrberufe, von denen noch vor einem halben Jahr angenommen werden konnte, daß sie sich nicht etablieren werden, haben die kritische quantitative Schwelle bereits überschritten, so zB der Fitnessbetreuer, aber auch Sonnenschutztechniker oder Tiefbauer. Bei einigen anderen Lehrberufen ist jedenfalls eine positive Entwicklung absehbar (wie zB bei den Entsorgungs- und Recyclingberufen, beim Straßenerhaltungsfachmann oder Sportartikelmonteur).

Die Wirtschaft hat mit ihrem nachdrücklichen Eintreten für die Erlassung neuer Lehrberufe, zu denen sie selbst entscheidende Vorarbeiten beisteuerte, bewiesen, daß die wesentlichen Impulse für die Lehrlingsausbildung nicht durch staatliche Lenkungsmaßnahmen oder durch Subventionen im Gießkannenprinzip erfolgen, sondern aus dem System selbst entstehen, wenn man nur den Unternehmen die entsprechenden Möglichkeiten gibt.

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