Wiener Rettung: Boom bei Wohnungseinsätzen

Rieder: NEF-System hat sich bewährt

Wien, (OTS) "Mit der Umstellung auf ein flexibles
Einsatzsystem bestehend aus einem Netz so genannter Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) und dem Wiener Rettungshubschrauber konnte die Rettung den verschärften Rahmenbedingungen bei Rettungseinsätzen erfolgreich Rechnung tragen", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder anlässlich der Präsentation eines aktuellen Berichtes der Wiener Berufsrettung (MA 70), den er gemeinsam mit deren Leiter, Chefarzt Dr. Alfred KAFF, erläuterte. Verursacht worden seien diese verschärften Rahmenbedingungen durch das stetig dichter werdende Verkehrsgeschehen in Wiens Straßen und die Verdoppelung von Wohnungseinsätzen von 40.000 im Jahr 1988 auf 90.000 im Jahr 1998, vor allem im Zusammenhang mit Herzinfarkten
und Schlaganfällen. Gleichzeitig sind die Einsätze bei Verkehrsunfällen und bei Alkohol- und Drogenmissbräuchen teilweise massiv zurückgegangen. Bei Verkehrsunfällen verringerte sich im Vergleichszeitraum die Einsatz-Zahl von 6.800 auf 5000, bei Drogeninterventionen von 1.950 auf 350 und bei
Alkoholinterventionen von 6.200 auf 4.200.

Insgesamt verzeichnete Österreichs einzige Berufsrettung allein im Jahr 1998 128.367 Einsätze, von Jänner bis Ende Juni 1999 wurde die Rettung 66.208 Mal berufen. 1988 betrug die Gesamtzahl der Einsätze noch 66.395.

Ebenfalls am Mittwoch wurden die Ergebnisse einer Patientenbefragung präsentiert, die die Wiener Rettung im
September 1998 durchführte. Aus dieser Befragung geht hervor, dass die Wienerinnen und Wiener "ihrer" Rettung in puncto
Schnelligkeit, Professionalität und Kompetenz ein hervorragendes Zeugnis ausstellen.****

Rückzug aus Krankenbeförderung, neuer Wagenpark, Neubau der Rettungszentrale

Rieder: "Mit der Einführung des NEF-Systems wurde bereits ein großer organisatorischer Fortschritt geschaffen, jetzt folgen weitere infrastrukturelle Maßnahmen wie der Neu- bzw. Umbau der Rettungszentrale in der Radetzkystraße und die konsequente Erneuerung des Wagenparks der Wiener Rettung". Als wichtigste organisatorische Maßnahme der nahen Zukunft nannte Rieder die Konzentration der MA 70 auf Rettungs- und hochspezialisierte Einsätze und der gleichzeitige Rückzug aus der Krankenbeförderung. Diese werde in Zukunft privaten Rettungsorganisationen, allen
voran dem Roten Kreuz und dem Arbeiter-Samariterbund überlassen. Rieder: "Aufgrund des hohen Ausstattungsgrades der Wiener Rettung sind Krankentransporte, also Transporte von kranken, nicht unmittelbar verunfallten Menschen von Zuhause in ein Spital oder
von Spital zu Spital, besonders unrentabel und können von Privaten weitaus kostengünstiger erbracht werden. Diese Arbeitsteilung ist daher auch für den Wiener Steuerzahler die weitaus günstigste Variante", betonte der Wiener Gesundheitspolitiker.

NEF: Kombination aus Soforthilfe und Spitalsbetreuung

Europaweit stehen Rettungsdienste großer Städte vor dem Problem des zunehmenden Straßenverkehrs. Wien orientierte sich
1996 am Vorbild deutscher Millionenstädte und führte das NEF(Notarzteinsatzfahrzeug)-System ein. Dieses System basiert auf dem Zusammenspiel des NEF, ein PKW mit einem Notarzt und einem Rettungssanitäter, und eines "klassischen" Rettungswagens
(Kleinbus mit drei Rettungssanitätern). Im Berufungsfall trifft
der NEF zuerst am Berufungsort ein, der Notarzt stellt eine Erstdiagnose und leitet gemeinsam mit dem Rettungssanitäter die erste Hilfe ein. Jetzt ergeben sich drei Möglichkeiten:

1. Der Patient braucht keine weitere Therapie im Spital. Es muss kein Rettungswagen beordert werden, die Besatzung des NEF steht
für weitere Einsätze zur Verfügung. Diese Situation kommt besonders oft bei Wohnungseinsätzen vor.
2. Der Patient muss ins Spital gebracht werden. Ein Rettungswagen wird beordert, dessen Besatzung bringt den Patienten ins Spital.
Es ist aber keine Begleitung durch den Notarzt notwendig, dadurch steht dieser in "seinem" NEF wieder für neue Einsätze zur Verfügung.
3. Es handelt sich um einen wirklichen Notfall: Ein Rettungswagen wird beordert, der Notarzt begleitet den Patienten ins Spital, wo alle weiteren Maßnahmen getroffen werden.

Die Vorteile des NEF-Systems liegen auf der Hand: Die
Besatzung des kleineren, bestens ausgestatteten (EKG,
Defibrilator, Vakuummatratze, Medikamente etc) und wendigen NEF entscheidet, ob tatsächlich ein Transport ins Spital notwendig
ist. Der Einsatz der materiellen und personellen Ressourcen ist somit bei gleich bleibender Behandlungsqualität am effizientesten. Die sechs Wiener NEF kommen naturgemäß hauptsächlich in Stadtrandgebieten oder Gebieten mit langen Anfahrtswegen zu Spitälern zum Einsatz. Den Anfang machten 1996 die Rettungsstationen Brigittenau und Favoriten, gefolgt von Floridsdorf, Leopoldau, Aspern und ab Juli 1999 der
Rettungsstation Arsenal.

1998 verzeichneten die damals fünf NEF der Wiener Rettung 11.630 Einsätze. In 5.379 Fällen konnten die Patienten am Einsatzort belassen werden und mussten nicht ins Spital gebracht werden. In 4.433 Fällen war ein Transport ins Spital ohne Notarzt, 1.818 Mal ein Transport mit Notarzt notwendig.

Gute Noten für die Wiener Rettung

Im September 1998 führte die Wiener Rettung eine Patientenbefragung über die Zufriedenheit mit der Betreuung durch. 4.284 Patienten wurden angeschrieben, 1.263 antworteten. Das entspricht einer Rücklaufquote von 30 Prozent. Die Befragung gliederte sich in drei Teilbereiche:

1. Einsatzannahme (Anruf bei 144):

o 89 Prozent halten die Wartezeit bis zum Melden des

Gesprächspartners für vertretbar
o 85 Prozent empfanden den Gesprächspartner als freundlich
o 88 Prozent empfanden den Gesprächspartner als kompetent

2. Zeitdauer bis zum Eintreffen am Berufungsort

o 95 Prozent empfanden die Zeit bis zum Eintreffen der Rettung als

rasch bzw. vertretbar

3. Versorgung durch Einsatzeinheit

o 89 Prozent empfanden die medizinisch-fachliche Betreuung als

kompetent
o 94 Prozent empfanden das Auftreten der MitarbeiterInnen der

Rettung als positiv

Die Wiener Rettung: Zahlen und Fakten

Die Wiener Rettung (MA 70) ist die einzige Berufsrettung Österreichs mit 620 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Darunter befinden sich mehr als 60 Notärzte und mehr als 350 Rettungssanitäter.

Der Wagenpark der Wiener Rettung setzt sich folgendermaßen zusammen:

o 8 Notarztwagen (NAW, Kleinbus mit Notarzt und Sanitäter)
o 6 Notarzteinsatzwagen (NEF, PKW mit Notarzt und Sanitäter)
o 22 Rettungswagen (RTW, Kleinbus mit Sanitäter)
o 7 Krankentransportwagen
o 6 Katastrophenfahrzeuge
o 1 Bettenintensivtransporter
o 11 diverse Fahrzeuge (LKW, PKW, Kleinbusse)

1998 absolvierte die Wiener Rettung in Wien 128.367 Einsätze plus 950 Einsätze im Wiener Umland. Die meisten Einsätze fanden im 10. Bezirk (13.175), im 21. Bezirk (9.833), im 22. Bezirk (8.856), im 2. Bezirk (8.362) und im 3. Bezirk (7.450) statt.

Bezirke: Einsätze (1998)

Innere Stadt: 4.864
Leopoldstadt: 8.362
Landstraße: 7.450
Wieden: 2.507
Margareten: 3.981
Gumpendorf: 2.861
Neubau: 2.457
Josefstadt: 1.672
Alsergrund: 3.696
Favoriten: 13.175
Simmering: 5.207
Meidling: 6.697
Hietzing: 4.017
Penzing: 6.534
Rudolfsheim-Fünfhaus: 5.980
Ottakring: 6.447
Hernals: 3.493
Währing: 3.320
Döbling: 5.168
Brigittenau: 6.276
Floridsdorf: 9.833
Donaustadt: 8.856
Liesing: 5.511

Summe Wien: 128.367 Einsätze

(Schluss) nk/

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