Natura 2000: EU ortet gewaltige Defizite

Österreich Schlußlicht bei Gebietsnominierung in den Alpen

Wien (OTS) - 23 verschiedene Lebensräume und 30 Tier- und Pflanzenarten der österreichischen Alpen sind noch nicht ausreichend geschützt. Das stellte die EU anläßlich eines biogeographischen Seminars zu Natura 2000, das Anfang Juli in Gap (Frankreich) abgehalten wurde, fest und vergibt einen verbindlichen Auftrag an die Alpenstaaten: Italien, Deutschland, Frankreich und Österreich müssen weitere Natura 2000-Gebiete ausweisen. Besonders klar treten die Defizite in Österreich zu Tage - kein anderer Mitgliedsstaat muß soviel nachnominieren. "Jetzt ist die Politik am Zug, ihre Verantwortung endlich wahrzunehmen", so Mag. Christoph Walder, Natura 2000-Experte des WWF (World Wide Fund For Nature).

Ziel des Seminars in Gap war eine Überprüfung, ob die bereits bestehenden Natura 2000- Gebiete in den Alpen ausreichen, um bedrohte Arten und Lebensräume nach der Fauna-Flora- Habitat-Richtlinie langfristig zu erhalten. Die Europäische Kommission, das European Topic Center, Vertreter der einzelnen Mitgliedsstaaten, Vertreter von Naturschutzorganisationen (u.a. des WWF und des Umweltdachver-bandes ÖGNU), neutrale Beobachter und unabhängige wissenschaftliche Experten kamen zu dem Schluß, daß im sogenannten Umweltmusterland Österreich bei weitem noch nicht genügend Natura 2000-Gebiete nominiert wurden. Im Detail muß Österreich laut Entscheidung der EU noch für 23 verschiedene Lebensräume und 30 Arten weitere Natura 2000-Gebiete ausweisen. Betroffen davon sind beispielsweise Hochmoore, alpine Flüsse, verschiedene Alpenseen, Bergmähwiesen, diverse Waldlandschaften, sowie Tier- und Pflanzenarten wie Braunbär, Schmetterlinge, Hirschkäfer und einige Orchideen. Österreich steht mit dieser langen Liste unrühmlich an letzter Stelle der Alpenstaaten.

Die Zeit läuft: 9-Monate-Frist für heimische Naturschutzpolitik

Österreich hat nun nur noch 9 Monate Zeit, um Nachnominierungen vorzunehmen und damit die EU-Verpflichtung zu erfüllen. Es besteht daher akuter Handlungsbedarf für die zuständigen Naturschutzlandesräte, die Lücken im "Netz des Lebens" zu schließen. Bei der abschließenden EU-Tagung im Jahr 2000 sollten die derzeitigen Defizite aufgeholt worden sein. Mit der Nominierung der Gebiete der WWF-Schattenliste können genau diese Anforderungen schnell erfüllt werden.

"Die österreichischen Naturschutzlandesräte müssen aber endlich begreifen, daß Natura 2000 das wichtigste naturschutzpolitische Instrument Europas darstellt," meint Univ. Prof. Dr. Georg Grabherr, wissenschaftlicher Beirat der Europäischen Kommission. "Aus wissenschaftlicher Sicht ist eindeutig belegt, welche Regionen und Gebiete noch ins Natura 2000-Netzwerk eingebracht werden müssen. Hier bietet sich die einmalige Chance, die wichtigsten Naturgebiete Österreichs langfristig zu erhalten."

Was muß passieren?

Der WWF fordert nun die zuständigen Landesräte auf, sich endlich an einen Tisch zu setzen, um sich intensiv mit Natura 2000 und den ausständigen Gebietsnominierungen auseinanderzusetzen. "Es ist ein politischer Skandal, daß sich die Naturschutzlandesräte seit dem EU-Beitritt Österreichs - also seit 4 Jahren - in dieser Sache noch nie getroffen haben," empört sich Mag. Christoph Walder. "Aus diesem Grund gibt es noch immer keine zufriedenstellende österreichische Natura 2000-Liste, eine zaghafte Informationspolitik und keine Rechtssicherheit für die Grundeigentümer!" Jeder Tag, an dem die Arten und Lebensräume noch nicht geschützt sind, bedeutet eine Gefahr für die bedeutendsten Naturgebiete Österreichs.

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