Kein Geld für Artenschutz!

WWF fordert: Kulturbudget als Vorbild für das Naturschutzbudget

Wien (OTS) - Mehr als ein Viertel aller Tier- und
Pflanzenarten Österreichs ist bereits ausgestorben oder stark bedroht. Im Rahmen der Kampagne "Artenreiches Österreich"
weist der WWF nun darauf hin, daß zum Schutz der Vielfalt an Pflanzen und Tieren von Seiten der Behörden viel zuwenig
Mittel vorhanden sind. Die - für den Naturschutz ja
zuständigen - Bundesländer stellen gerade 366 Millionen für Naturschutz bereit, davon werden gar nur 32 Mio. für den
Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten aufgewendet. Im
Vergleich: die Kulturbudgets der Länder betragen in Summe 10 Milliarden Schilling! Der WWF stellt daher die Forderung, die bisherigen Naturschutzbudgets der Länder zu verdoppeln und
daraus rund 500 Mio Schilling für gefährdete Arten zu
Verfügung zu stellen. Die Forderung nach mehr Geld wird auch
von der Bevölkerung unterstützt. Eine aktuelle Meinungumfrage
des Fessel Instituts beweist: 97% der ÖsterreicherInnen halten Artenschutz für sehr wichtig oder wichtig. 83 % sind dafür,
daß mehr öffentliche Gelder für den Artenschutz zur Verfügung gestellt werden.

1999 steht für den WWF im Zeichen der Kampagne
"Artenreiches Österreich", die der WWF mit dem
Umweltministerium und den Bundesländern Bgld, NÖ, OÖ, Sbg. und Wien durchführt. Ziel der Kampagne ist es, Strukturen zu
schaffen, damit ab dem Jahr 2004 keine weiteren Tier- und Pflanzenarten aussterben und für mindestens 10 Arten deutliche Verbesserungen erreicht werden. Gelingen wird dies nur, wenn
es endlich ein österreichweites und länderübergreifendes Artenschutz-Programm gibt. "Bisher gibt es zwar einzelne
Projekte für gefährdete Arten, ansatzweise sogar bereits bundesländerübergreifend", räumt Kampagnen Leiter Dr. Gerald
Dick vom WWF ein, "den großen Ansatz, nämlich ein bundesweites Artenschutzprogramm, in dem Prioritäten, Zuständigkeiten und Finanzierung geklärt sind, vermissen wir aber schmerzlich."

Vor allem die Finanzierung bereitet dem Artenschutz-
Experten Kopfzerbrechen. Stehen doch bisher nur 32 Mio.
Schilling für die Förderung gefährdeter Tier- und
Pflanzenarten zur Verfügung. "Vergleicht man die Ausgaben der Bundesländer im Bereich Naturschutz mit denen der
Kulturförderung, kommen einem Zweifel, ob unser Naturerbe
wirklich dem ihm gebührenden Stellenwert erhält, der ihm auch
in der Meinung der Bevölkerung zukommt" seufzt Dick.

Öffentliche Meinung versus politischem Willen

"Die Meinungsumfrage beweist uns: ein "Artenreiches
Österreich" ist ein Herzensanliegen der Österreicher - leider nicht so der Politiker. Das spiegelt sich auch darin wieder,
daß z.T. hochengagierte Mitarbeiter in den
Naturschutzabteilungen eigentlich mit einem Taschengeld
haushalten müssen", ortet Gerald Dick einen dringenden Handlungsbedarf in den Landesregierungen. "Die Kampagne "Artenreiches Österreich", an der fünf Bundesländer beteiligt sind, ist meiner Meinung nach bereits ein erster Schritt in
die richtige Richtung für mehr Engagement und Projekte im Artenschutz."

Artenvielfalt nur durch Artenschutz: Forschung, Monitoring und Maßnahmen = Artenschutzprogramm

Zur Ausgangssituation: In Österreich sind aktuell rund 4000 Tier- und Pflanzenarten bedroht. Nur Schutzgebiete auszuweisen
ist für den Erhalt dieser Arten zuwenig. Zahlreiche Tiere und Pflanzen brauchen darüberhinaus spezielle Maßnahmen um
Überleben zu können. Ziel ist es ein bundesweites Artenschutzprogramm zu schaffen, das sich um Österreichs gefährdete Artenvielfalt kümmert und funktionierende
Strukturen und Geldmittel zu deren Erhalt zur Verfügung
stellt.

Bei einigen Arten ist zunächst intensive
Grundlagenforschung notwendig, wie zum Beispiel dem
Wachtelkönig, einem Wiesenvogel, dessen Verbreitung in
Österreich vor einigen Jahren noch vollkommen unklar war.
Andere Arten müssen Mittelpunkt einer intensiven Beobachtung
zwecks Bestandskontrolle sein, denn nur so können Gefährdungen
und Bestandsrückgänge rechtzeitig erkannt werden, in
Österreich ist so ein Frühwarnsystem für den Bären bereits etabliert. Aus diesen Beobachtungsdaten heraus können dann unverzüglich konkrete Schutzmaßnahmen gesetzt werden. Im Falle
des Seeadlers werden Horstbäume bewacht oder gegen das
illegale Auslegen von Giftködern vorgegangen.

Heute werden bestenfalls kleine insolierte Projekte durchgeführt, für viele davon ist zudem die Finanzierung (auch hier kann der Bär als Beispiel dienen) noch nicht ausreichend gesichert. Von einem umfassenden Artenschutzprogramm ist
Österreich noch meilenweit entfernt.

Vergleich der Kultur- und Naturschutzausgaben der Bundesländer

Bundesland Natur- u. Davon entfallen In % Kultur

Landschaftsschutz für Artenschutz
Wien 11.000.000 1.530.000 14 3.209.005.000 Burgenland 45.134.000 6.500.000 14 253.247.000 Niederöster-
reich 55.075.000 4.500.000 8 818.544.000 Oberöster-
reich 62.551.000 15.230.000 24 2.184.392.000 Salzburg 50.987.000 602.000 1 598.247.000 Steiermark 25.896.000 760.000 3 1.112.226.000 Kärnten 42.054.000 1.344.000 3 744.825.000 Tirol 59.213.000 keine Angaben 827.405.000 Vorarlberg 25.241.000 1.793.000 7 439.675.000 Gesamt 366.162.000 32.259.000 10.187.566.000

(Quelle: ÖSTAT 99 und Wien, MA 22)

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