Ärztekammer-Präsident Dorner: Ausgaben für Gesundheit müssen steigen 1

Ärzte als "Anwälte der Patienten"

Wien (OTS) - In den kommenden Jahren werden die Ausgaben der Öffentlichkeit für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung steigen müssen. "Es ist notwendig, den politischen Verantwortungsträgern rechtzeitig und deutlich zu sagen: In der Gesundheitspolitik kann es keine weiteren Einsparungen geben." - Das sagte Wiens neuer Ärztekammer-Präsident Prim. MR Dr. Walter Dorner bei seiner Antrittspressekonferenz heute, Donnerstag, in Wien.****

Die Bevölkerung werde im Durchschnitt immer älter, die Leistungen der Medizin werden immer besser. Es sei daher logisch, daß der Anteil der Gesundheitsausgaben am Volkseinkommen - derzeit knapp 8,1 Prozent - erhöht werden müsse, sagte Dorner, der Anfang Juni dieses Jahres zum Präsidenten der Ärztekammer für Wien gewählt worden war. Dorner:
"Die Alternative zu höheren Gesundheitsausgaben der öffentlichen Hand wäre eine 'Zwei-Klassen-Medizin' oder eine stärkere finanzielle Beteiligung der Patienten."

Dorner präsentierte sein Leitprinzip für die kommende Amtsperiode:
"Ärzte müssen die 'Anwälte der Patienten' sein." Er unterstrich, daß Ärztinnen und Ärzte die Verpflichtung hätten, den Menschen die bestmögliche Gesundheitsversorgung zu garantieren. "Ich als Ärztekammer-Präsident stehe dafür ein, daß dies auch in Zukunft uneingeschränkt möglich sein wird."

Die Frage der Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens sei heute eines der brennendsten politischen Themen, sagte Dorner. Dies führe dazu, daß die Bedürfnisse der Ökonomen oft mehr im Mittelpunkt stünden als die Bedürfnisse der Patienten. Kranke Menschen würden zunehmend nur noch als Kostenverursacher angesehen. Dorner: "Wir werden diese Diskussion forcieren und klar Stellung beziehen." Reglementierungen und Rationierungen auf Kosten der Versorgungsqualität dürfe es nicht geben, auch das Recht der Patienten auf freie Arztwahl müsse erhalten bleiben, denn: "Für unsere Patienten ist uns nur das beste gut genug." Wer anderes wolle, müsse es klar sagen.

Dorner betonte, daß in einem Land wie Österreich, das zu den zehn reichsten Ländern der Welt gehöre, der freie Zugang zu allen medizinischen Leistungen erhalten bleiben müsse. "8,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sind wahrlich keine Belastung für eine Nation, die mehr Geld für den Sommerurlaub als für die soziale Krankenversicherung aufwendet", sagte der Ärztekammer-Präsident. Wohin finanziell motivierte Zugangsbeschränkungen führen, könne man an der erschreckenden Situation in Großbritannien erkennen, wo Menschen monatelang auf notwendige Operationen warten müßten. "Britische Verhältnisse mit 1,3 Millionen Menschen auf Operations-Wartelisten müssen um jeden Preis verhindert werden", warnte Dorner.

Um dies zu garantieren, werde er die Verankerung von ärztlichen Entscheidungsträgern in allen gesundheitsrelevanten Gremien nachhaltig fördern und auch einfordern. "Zur Zeit sind diese Gremien von Ökonomen dominiert, die bisweilen im medizinischen Fach dilettieren", kritisierte Dorner. Im Beraterkreis der Gesundheitsministerin seien Gewerkschafter und Arbeiterkammer-Funktionäre reichlich vertreten, Ärzte suche man dort vergeblich. (ham)
(Forts.)

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