Neue Bauordnung: Holz verstärkt als Baustoff möglich

"Techniknovelle" der Wiener Bauordnung liegt zur Einsicht auf - Betriebsansiedlungen sollen einfacher werden

Wien, (OTS) Holz kann künftig auch in Wien verstärkt als Baustoff auch für mehrgeschossige Häuser eingesetzt
werden. Dies ist einer der Fortschritte, die die geplante Reform
der
Bauordnung, die sogenannte "Techniknovelle", bringen soll. Weitere Neuregelungen dienen der Umsetzung von EU-Recht, aber auch der Deregulierung und der Erleichterung von Betriebsansiedlungen. Auch soll es bei kleinen Zubauten Ausnahmemöglichkeiten von den Wärmeschutz-Bestimmungen geben können. In Kleinhäusern wären, etwa bei Wohnungsteilungen, künftig auch mehr als zwei Wohnungen möglich. Fußböden können dank der technischen Möglichkeiten der Wärme- und
Feuchtigkeitsisolierung künftig auch zum Teil unterhalb des Geländes liegen, und der Bau zB von glasüberdeckten Innenhöfen wird erleichtert. Verbesserungen gegenüber den derzeit geltenden Wärmeschutz-Bestimmungen, Ökologisierung, Neuregelungen beim Brandschutz sind weitere Ziele der Techniknovelle. Der von der MA
64 ausgearbeitete Entwurf des Gesetzes, mit dem die Bauordnung für Wien geändert werden soll, liegt bis 13. September in den Magistratischen Bezirksämtern Montag bis Freitag von 8. bis 15.30 Uhr, an Donnerstagen bis 17.30 Uhr, zur öffentlichen Einsicht auf. Zum
Gesetzesentwurf können auch schriftliche Stellungnahmen abgegeben werden. Während der Auflage ist der Gesetzestext samt Erläuterungen auch in wien.online www.magwien.gv.at zu finden.****

Mit den Bauordnungs-Novellen 1996 wurden die Verfahrensbestimmungen vereinfacht und die stadtplanerischen/stadtgestalterischen Bestimmungen geändert. Nun sollen die bautechnischen Bestimmungen der Wiener Bauordnung an
den Stand der Technik und an die Praxis angepasst werden. Die Novelle liegt derzeit zur Einsicht auf, soll in weiterer Folge vom Landtag beschlossen werden und 6 Monate nach der Kundmachung -
also nicht vor dem Jahr 2000 - in Kraft treten. Von den Neuerungen sind vor allem die Vorschriften über den baulichen Wärmeschutz und Brandschutz betroffen.

Die neue Bauordnung könnte ab 2000 ausserdem Holz als
Baustoff auch in mehrgeschossigen Bauten (maximal vier Hauptgeschosse und ein Dachgeschoß) zulassen - was übrigens auch positive Folgen für die Beschäftigungslage in der Holzwirtschaft haben kann. Holz wird in der BO-Novelle als Baustoff gar nicht
extra genannt, die neuen Einsatzmöglichkeiten ergeben sich aus der Neufassung des § 99 Absatz 2, in dem es heißt: "Die Feuerbeständigkeit der Aussenwände ist bei Gebäuden mit nicht mehr als vier Hauptgeschossen und einem Dachgeschoss entbehrlich. Die Aussenwände solcher Gebäude müssen jedoch wie folgt ausgeführt sein: ...." Im folgenden wird festgelegt, ab welcher
Geschossanzahl welche Teile der Aussenwände feuerhemmend bzw. hochfeuerhemmend (wie in der ÖNORM B 3800 definiert) bzw. schwer brennbar sein müssen. Durch diesen Absatz 2 wird, so steht es ausdrücklich in den Erläuternden Bemerkungen zur Gesetzesnovelle, entsprechend dem Fortschritt der Technik die Verwendung von Holz
als Baustoff für die Aussenwände von Gebäuden mit höchstens vier Hauptgeschossen und einem Dachgeschoß ermöglicht.

Weitere geplante Neuerungen:

Als Nachweis über den baulichen Wärmeschutz /Wärmepass kann künftig auch eine Berechnung des "Heizwärmebedarfs" vorgelegt werden.

Doppelgleisigkeiten zwischen dem baurechtlichen Bewilligungsverfahren und dem gewerberechtlichen Genehmigungsverfahren für Betriebsanlagen sowie nach den arbeitnehmerschutzrechtlichen Bestimmungen sollen vermieden werden
- ein Beitrag zu einfacheren Betriebsansiedlungen im Wirtschaftsstandort Wien. Ermöglicht wird dies durch die
Neufassung des § 119 Absatz 1, der festlegt, dass bestimmte Teile der Bauordnung nicht anzuwenden sind, wenn ohnehin schon das gewerbliche Betriebsanlagenrecht oder
Arbeitnehmerschutzbestimmungen greifen.

Da die Einhaltung des baulichen Wärmeschutzes bei kleinen Bauführungen, etwa Zubauten zur Vergrösserung von Räumen, oft einen unverhältnismässigen Aufwand bedeutet, sollen hier Ausnahmen möglich werden.

Kleinhäuser sollen in Einzelfällen, etwa bei der Teilung bestehender Wohnungen, auch mit mehr als zwei Wohnungen bewilligt werden können.

Da die technischen Möglichkeiten der Wärme- und Feuchtigkeitsisolierung heute weit entwickelt sind, muss es keine Qualitätsbeeinträchtigung mehr bedeuten, wenn Fussböden teilweise auch unter dem Niveau des umgebenden Geländes liegen. Die Bauordnung neu definiert daher auch die Hauptgeschosse neu und ermöglicht die Schaffung von Geschossen, die - etwa bei einem Hang - nicht vollständig über dem Gelände liegen. Man will von der bisherigen Bestimmung, dass die Fussböden von Aufenthaltsräumen an jeder Stelle mindestens 15 cm über dem anschliessenden Gelände liegen muss, abgehen.

Einem in der Praxis vorhandenen Bedürfnis, auch Bestimmungen über die bauliche Ausnützbarkeit von Parks und Freibädern aufzunehmen, soll durch entsprechende Vorschriften entsprochen werden.

Die Anbringung von Verglasungen vor Hauptfenstern, wie sie
z.B. beim Überdecken von Innenhöfen mit Glas nötig sind, soll erleichtert werden. Im Interesse der Wohnqualität wird die neue Bauordnung aber vorschreiben, dass in jeder Wohnung zumindest die Hälfte der Fenster waagrecht die Sicht nach aussen ermöglichen muss, also nicht nur Deckenfenster eingebaut werden.

Weitere Vorschriften betreffen die Entlüftung von Stiegenhäusern.

Im Interesse der Ökologie soll die Versickerung von Niederschlagswässern über die Oberfläche künftig zulässig sein.

Im Interesse von RollstuhlfahrerInnen sollen künftig ausser den Rampen, die derzeit (Hanglage von Gebäuden!) unter bestimmten Umständen vorgeschrieben und bei steilem Gelände nur schwer zu bewältigen sind, auch maschinelle Aufstiegshilfen möglich sein.

Bei Reihenhäusern werden im Kellerbereich durchgehende Tiefgaragen ermöglicht; auch ist keine Bildung von
Brandabschnitten mehr nötig, da Reihenhäuser ja im Brandfall leicht verlassen werden können. (Schluss) hrs

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