Erfolg für Faust als Joint Venture

Dornach (ots) Die ersten gemeinsamen Faust-Festspiele von Goetheanum und Goetheinstitut München waren ein voller Erfolg und werden fortgesetzt. Anregend war in Dornach die intensive
Verbindung von Theater und Nachdenken in Referaten und Arbeitsgruppen. Und sowohl in den Podiumsgesprächen wie in zahllosen Begegnungen unter vier Augen und in kleinen Gruppen kam
es zum Dialog. Oder um es mit dem Germanisten Prof.Uwe Pörksen zu sagen: "Goethe ist eine subversive Grossmacht geblieben".°

Vor 900 TeilnehmerInnen sind am Sonntag, 18. Juli, die ersten Faust-Festspiele zu Ende gegangen, die vom Goetheanum und dem Goetheinstitut München als kulturellles "joint venture" gemeinsam veranstaltet worden sind. "Dies sei ein Akt der dringend
notwendigen und erfolgreichen Oeffnung", meinte als Tagungs-Teilnehmer der Schweizer Verleger Max U.Rapold (Schaffhausen), und dieser sei "in allen Teilen gelungen". Nach 23#Stunden Faust I und II auf der Bühne und 21 Stunden Vorträgen und Arbeitsgruppen spiegelte sich diese Beurteilung in den Voten
der Referenten und Veranstalter sowie in Stimmen aus dem Publikum:
mit tosendem Applaus wurde die Ankündigung kommentiert, der Dialog von VertreterInnen der Anthroposophie und SprecherInnen anderer Wissensgebiete und Weltanschauungen werde nach diesem positiven ersten Durchbruch weitergeführt.

¶Ueber die Berührungsscheu hinweg

Dr. Petra Matusche vom Goetheinstitut München gab in ihrer Würdigung durchaus zu, dass man zunächst mit einer gewissen Berührungsangst auf die Einladung des Goetheanums eingegangen sei, den 250. Geburtstag Goethes mit einer gemeinsamen Faust-Tagung zu begehen. Die Aufforderung sei aber so überzeugend ausgefallen, dass man sich auf dieses Experiment eingelassen habe. Nun habe man die Erfahrung gemacht, dass sich - so Goetheanum-Bühnenleiter Thomas Didden - "in geglückten Momenten Begegnung und Dialog ergeben" hätten: in Freundschaft habe man durchaus divergierende Positionen darstellen und darüber ins Gespräch kommen können. Referiert und diskutiert wurde zu Fragen wie Goethes Faust als tragische Bilanz der Neuzeit, "Faust Bewusstseinswandlung", "Goethes naturwissenschaftlicher Ansatz", "Goethes Sprachschöpfung" und Aspekte der Faustübersetzungen sowie über "Goethes#Gesellschaftsentwurf".

Auch Prinz Rudolf zur Lippe, Professor für Aesthetik an der Uni#Oldenburg, war neugierig gewesen auf diesen Dialog und froh darüber, dass er zustandekam. Nach seiner Auffassung ist alles zu begrüssen ist, was "aus dem Brackwasser von Isolation und Abschottung herausführt". Nicht nur die Anthroposophie habe sich lange abgeschottet, auch die übrige Welt habe sich zu ihrem Schaden nicht oder zu wenig mit anthroposophischen Leistungen etwa in der Pädagogik oder der Arbeit mit Behinderten auseinandergesetzt. Und schmunzelnd meinte er, im Widerspruch zu allen Vorurteilen hätten sich in Dornach eher die anthroposophischen Redner durch Bescheidenheit und Bereitschaft zum Dialog ausgezeichnet, während manchmal nicht-anthroposophische Redner der Versuchung zur Brillanz und Selbstdarstellung erlegen seien.

¶Die zweite Welle der Saekularisierung

Auch der Berliner Philososoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski nimmt "einen ausserordentlich positiven Eindruck" von dieser Faust-Tagung mit nach Hause. Oft genug sei er an Tagungen,
wo es letztlich nicht um das Tagungsthema gehe; aber hier in
Dornach habe man "sich gemeinsam in den Geist einer Sache vertieft" und zwar in höchster Konzentration und mit einem ganz tollen Engagement. Er sei froh, dass es die Anthroposophie und AnthroposophInnen gibt, weil wir heute in einer Kultur leben, in
der sich praktisch niemand mehr getraue, vom Geist zu reden. Es vollziehe sich heute eine zweite Welle der Saekularisierung, wo
nach dem Göttlichen nun auch dem Geist der Garaus gemacht werde. Hier am Goetheanum sei der Faden zum Geist noch nicht abgerissen
und wenn das mit Stolz, Selbstbewusstsein und unmissverständlicher Klarheit vertreten werde, so helfe das, Vorurteile abzubauen und
ins Gespräch zu kommen. Die immer wieder kritisierte Konventionalität der Faustinszenierung am Goetheanum erlebte Rüdiger Safranski als wohltuend, weil sie dem Publikum falsche
oder willkürliche Aktualisierungen erspare und die Konzentration auf Goethes Text erlaube. Allerdings wäre wohl sogar Goethe mit der einen oder anderen Kürzung einverstanden. Und so sehr ihn an manchen Stellen die Eurythmie überzeugt habe, würde sich Safranski im Ganzen doch einen sparsameren Einsatz der eurythmischen Bewegungskunst wünschen.

¶Dialog in aktiver Toleranz

Paul Mackay vom Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft dankte Rüdiger Safranski, dass er seinem aufs Existentielle zielenden Vortrag "Schuld und Freiheit" die Faust-Tagung von Anfang an "auf die richtige Ebene gebracht" hatte. Für das Goetheanum sei die Erfahrung richtungweisend, dass "man anthroposophisch dastehen und doch weltoffen im Dialog sein" könne und zwar "in aktiver Toleranz". Diese Faust-Tagung sei ein Durchbruch und der nächste Termin mit dem Goetheinstitut stehe schon für diesen Herbst in seiner Agenda. Von ihm als Veranstalter, vom Goetheinstitut und Referenten und sogar aus dem Bühnenraum -kam ein grosser Dank an das intensiv beteiligte, "innerlich aktive" Publikum: einfühlsam und aufmerksam im Zuschauen, Zuhören und Mitreden. Vielleicht sei diese Qualität im Publikum eine Folge des Booms der Waldorf/ Steiner-Schulen in den letzten Jahrzehnten, meinte Prof. Prinz zur Lippe, auf jeden Fall "war es eine wundervolle Idee, uns so zusammenzubringen". Schön, dass sich am Ende sagen lässt: Fortsetzung folgt. Ursa Krattiger.

Notiz: Dieser Text wird im Auftrag der
Medienstelle Anthroposophie Schweiz, Dornach, übermittelt. Rückfragen: Goetheanum Bühnenleitung Thomas Didden, Postfach 135, CH-4143 Dornach, Tel. 0041/61/706 42 42.

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