Warnungen vor Eibelschrofen-Kollaps von Wirtschaftsministerium jahrelang ignoriert

Farnleitner weist gegenüber FORMAT alle Verantwortung von sich

Wien (OTS) - Wie das am Montag erscheinende Nachrichtenmagazin FORMAT berichtet, wurden Warnungen vor der drohenden Katastrophe am Eiblschrofen jahrelang ignoriert. FORMAT zitiert in seiner jüngsten Ausgabe aus Briefen der Stadtgemeinde Schwaz beziehungsweise der Bürgerinitiative der Bewohner des Ortsteils Ried, in denen das Wirtschaftsministerium auf einen möglichen Gesteinskollaps oberhalb von Schwaz hingewiesen wird.

"Wir fühlen uns gefährdet" schrieben die mittlerweile evakuierten Bewohner von Ried bereits am 18. November 1998 in einem Brief an Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner, die ihm direkt unterstellte Bergbehörde und die Bezirkshauptmannschaft und forderten Sofortmaßnahmen: Die Ausräumung und Erneuerung der jahrhundertealten Gesteins-Auffangbecken, die Ried vor herabfallendem Geröll schützen sollen. Diese Maßnahmen wurden jedoch nie in Angriff genommen.

Ebenfalls im November 1998 wandte sich die Stadtgemeinde Schwaz mit der Bitte um sofortige "Sicherungsmaßnahmen" an das Wirtschaftsministerium.

Antwort des Ministeriums: Es seien bereits Maßnahmen gesetzt worden, "die ein über das übliche Ausmaß hinausgehendes bergbaubedingtes Gefährdungspotential zuverlässig verhindern können."

Auch geologische Gutachten der Landesgeologen Peter Gstrein und Gunther Heißel, die bereits im Dezember 1994 von einem "auf Dauer instabilen Zustand" des Eiblschrofens und von der "Gefahr des Durchbrechens, was für einen Teil des Ortsteiles Ried katastrophale Folgen haben könnte" sprachen, wurden nicht berücksichtigt.

Nach einem kritischen ORF-Interview wurden die beiden Geologen von Sitzungen ausgeschlossen und durften das Bergwerk nicht mehr betreten: Die Montanwerke Brixlegg, die das Bergwerk betreiben, äußerten in einem Brief an die grüne Landesrätin Eva Lichtenberger "erhebliche Zweifel an der Kompetenz von Dr. Gstrein und Dr. Heißel" in bezug auf Felsmechanik und Bergbautechnik. Seither wird am Eibelschrofen nur noch von der Montanbehörde kontrolliert.

Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner weist in einem Interview mit FORMAT jegliche Verantwortung zurück: "Wir warten jetzt die Studie über den untertägigen Bergbau ab. Ich kenne sie auch noch nicht, aber vieles spricht dafür, daß sie keinen Konnex herstellen wird zu dem Felsabbruch." Farnleitener weiter: "Ich schiebe die Verantwortung nicht weg. Der Abbau wird zu prüfen sein. Aber es kann doch nicht sein, daß jeder locker vom Hocker redet, wenn der Berg auseinanderfällt, muß einer in Wien Schuld sein. Ich habe nichts zurückzunehmen."

Auf die Frage, ob er glaube der nächsten Bundesregierung anzugehören, sagt Farnleitner: "Als Wolfgang Schüssel ÖVP-Obmann wurde, habe ich gesagt: Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst. Wenn nicht, bin ich nicht gekränkt. Das gilt nach wie vor."

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