Architecture and Revolution: Escuelas Nacionales de Arte en La Habana Kubas vergessene Kunstschulen

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 27. Juli 1999, 10.30 Uhr Ort: MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst Stubenring 5, A-1010 Wien

Ausstellungsdauer: 27. Juli - 19. September 1999 Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Die Ausstellung Architecture and Revolution -
Escuelas Nacionales de Arte en La Habana wird nach ihrer Präsentation und dem begleitenden Symposium im März im MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles vom 27. Juli bis 19. September in Wien im MAK-Kunstblättersaal zu sehen sein. Gezeigt werden vor allem Fotografien vom ursprünglichen und heutigen Zustand sowie Originalzeichnungen der Escuelas Nacionales de Arte, Kubas vergessenen Nationalen Kunstschulen.

Die zwischen 1961 und 1965 von Ricardo Porro, Roberto Gottardi und Vittorio Garatti errichteten Escuelas Nacionales de Arte sind ein Komplex expressionistischer, "organischer" Bauten, die den Augenblick des utopischen Optimismus und der Kreativität widerspiegeln, die die kubanische Revolution beflügelten. Trotz des gegenwärtig großen Interesses an Kuba wissen nur wenige, daß diese architektonischen Schlüsselwerke der kubanischen Revolution in einem Vorort von Havanna dem Verfall preisgegeben sind.

Peter Noever und Carl Pruscha haben den einzigartigen Bauten der Kunstschulen in Havanna sowie der Architektur Kubas bereits Mitte der 80er Jahre einen Schwerpunkt in der Architekturzeitschrift UMRISS (3+4/85) gewidmet. Die von John A. Loomis heuer bei Princeton Architectural Press/New York erschienene und im MAK Center in Los Angeles präsentierte Publikation gibt den bisher detailliertesten und einen optisch außerordentlich ansprechenden Einblick in Bau und Zustand der Kunstschulen.

Hintergrund

Fidel Castro und Che Guevara beschlossen, am Golfplatz des ehemals exklusiven Havana Country Club eine innovative Kunstschule ins Leben zu rufen. Aufgrund einer erfolgreichen Alphabetisierungskampagne schwebte den beiden ein Komplex mehrerer Schulen vor, die nicht nur der kubanischen Bevölkerung dienen, sondern auch international Studenten anziehen würden, welche ,die neue Kultur" für ,den neuen Menschen" zu begründen helfen sollten. Der ursprüngliche Planungsauftrag erging an Ricardo Porro, einen kubanischen Architekten, der kurz zuvor aus Venezuela zurückgekehrt war, wo er als Stadtplaner gearbeitet hatte. Castro wollte "die schönste Schule, die je gebaut wurde" und bestand auf einer "völlig neuen Architektur". Die Planungsphase sollte in zwei Monaten abgeschlossen sein, und Porro nahm die Herausforderung gerne an. Er beschrieb jene Tage als "Augenblicke, wie es sie bei jeder Revolution gibt:
Augenblicke, in denen das Wunderbare alltäglich wird und die Revolution eher surrealistisch als sozialistisch erscheint".

Porro war sich bewußt, daß er die Aufgabe nicht allein bewältigen konnte, und wandte sich an zwei italienische Kollegen, die wie er in Venezuela unterrichtet hatten, Roberto Gottardi und Vittorio Garatti. Sie gehörten zu einer kleinen, aber engagierten internationalen Architektengemeinde, die nach Kuba gekommen war, um der Revolution ihre Kenntnisse zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam suchten die drei nach Formen, welche die kubanische Identität, la cubanidad, zum Ausdruck bringen würden.

Angesichts der beschränkten finanziellen Mittel und der internationalen Blockade erarbeiteten die Architekten drei Grundsätze, welche die Einheit ihrer Arbeit garantieren sollten. Erstens sollten die Schulgebäude das Gelände der vormaligen Country-Club-Anlage bewahren und darauf eingehen. Zweitens sollten in erster Linie vor Ort übliche Materialien aus Erde wie Ziegel und Terrakottafliesen als Baustoffe dienen. Und da es nicht möglich war, Stahlträger für die Konstruktion zu importieren, entschlossen sich die Architekten drittens für das sogenannte katalanische Gewölbe (boveda Catalana) als primäres Konstruktionsprinzip, das ein für Antoni Gaudi in Barcelona tätiger Maurer mehr oder weniger zufällig entwickelt hatte.

Die Vorgaben verlangten fünf in voneinander getrennten Gebäuden untergebrachte Schulen. Porro übernahm die Planung der Schule für modernen Tanz und der Schule für darstellende Kunst, Gottardi die Verantwortung für die Schule für dramatische Kunst und Garatti jene für die Schulen für Musik und Ballett. Die Bauarbeiten begannen 1961, und zu Spitzenzeiten waren zwischen 300 und 400 Menschen auf nur einer Baustelle tätig. Die geschlungenen barocken Linien der schön gelegenen Schulen umschlossen gewissermaßen die Landschaft. Die Kuppeln, gewundenen Mauern und Trennwände ließen sinnliche, Gefühl und Sexualität reflektierende Räume entstehen.

Während die Architekten ihre Vision einer einzigartigen kubanischen Architektur mit Erfolg zu formulieren vermochten, stießen die eigentlichen Bauarbeiten auf eine Reihe von politischen Hindernissen. Nach der sogenannten Kubakrise im Oktober 1962 wurden Projekte, denen nicht unmittelbare wirtschaftliche Bedeutung beigemessen wurde, als weniger dringlich eingestuft. Die internationale Vision der Schulen wurde von weltpolitischen Vorgängen wie dem Bruch zwischen China und der Sowjetunion, dem Vietnamkrieg und dem Rückzug Algeriens aus dem sozialistischen Lager kompromittiert. Und in Kuba selbst brandmarkte ein zusehends dogmatischerer Umgang die Schulen als Manifestation "politisch nicht korrekter" Architektur.

Am 26. Juli 1965 wurden die Escuelas Nacionales de Arte eröffnet und als abgeschlossen erklärt, obgleich mehrere Gebäude weit davon entfernt waren. In allen Fällen standen noch verschiedene Innenarbeiten an. Während die Schule für modernen Tanz und die Schule für darstellende Kunst so gut wie fertig waren, fehlten der Schule für Musik die Konzert- und die Opernhalle; die Schule für dramatische Kunst war noch nicht einmal halb fertig. Die zu etwa neunzig Prozent fertige Ballettschule wurde für kurze Zeit als Ausbildungsstätte für Zirkusartisten verwendet und dann stillgelegt. Heute ist sie fast vollständig von tropischer Vegetation überwuchert, und mehrere andere Gebäude haben umfangreiche Wasserschäden erlitten und verfallen.

Wenn auch heute in manchen Gebäuden Kunstklassen höherer Schulen untergebracht sind oder Kurse auf Universitätsniveau stattfinden, haben die Escuelas Nacionales de Arte durch die Veränderung in der Perspektive der kubanischen Revolution gelitten. Der in Ungnade gefallene Ricardo Porro hat sich nach Paris zurückgezogen, und Vittorio Garatti hat in Mailand ein Büro eröffnet. Roberto Gottardi lebt, arbeitet und unterrichtet auch heute noch in Kuba. Während eine kleine internationale Gemeinde von Architekten und Historikern zu verhindern versucht, daß diese vernachlässigten Ressourcen in Vergessenheit geraten, konzentriert die kubanische Regierung ihre Renovierungsanstrengungen auf Gebäude, die sie im Hinblick auf den Kulturtourismus für wichtig hält. Die ursprüngliche Vision der Escuelas Nacionales de Arte liegt uns heute vor allem in Form von Plänen, Zeichnungen und Fotografien vor.

Pressedaten

Architecture and Revolution:
Escuelas Nacionales de Arte en La Habana

Kubas vergessene Kunstschulen

Pressepreview Dienstag, 27. Juli 1999, 10.30 Uhr
Ort MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer 27. Juli - 19. September 1999
Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

MAK-Kurator Peter Klinger

Publikation John A. Loomis: Revolution of Forms - Cuba's forgotten Art Schools. Foreword by Gerardo Mosquera. Princeton Architectural Press/New York.
186 Seiten, ca. 150 s/w
Abbildungen und 45 Farbabbildungen, ATS 394.-

Führungen Sonderführungen nach Voranmeldung
Gabriele Fabiankowitsch, Tel. 711 36-298

MAK-Eintritt öS 90.-/öS 45.- ermäßigt für Schüler, Studenten, gesamt Senioren ab 60, Soldaten, Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder der MAK ART SOCIETY, Studenten der Universität für angewandte
Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

Presse Dorothea Apovnik
Tel. +43-1-711 36-233
Fax +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

Presseinformation

MAK Center
FOR ART AND ARCHITEKTURE LOS ANGELES

Raymond Pettibon
Jason Rhoades
Hans Weigand

LIFE/BOAT

Ein Ausstellungsprojekt zu Lande und zu Wasser

22. Juli bis 26. September

Die international bekannten Künstler Raymond Pettibon und Jason Rhoades (Los Angeles) sowie Hans Weigand (Wien) haben sich für das Projekt "Life/Boat" zusammengefunden. Im Mittelpunkt des Projektes, das auf dem gemeinsamen Interesse der Künstler an Banalem und Unvollkommenem sowie an einer Neuinterpretation der sie umgebenden Welt beruht, steht eine 10,5 m Yacht mit dem Namen "Bust Loose", die als Interaktionsplattform dient. Die Kooperation, die Video-, Film-und Performancearbeiten sowie ein Buch/Objekt in limitierter Auflage umfaßt, ist Thema einer Ausstellung, die vom 22. Juli bis 26. September 1999 im MAK Center for Art and Architecture, L. A., gezeigt wird: Am Mittwoch, den 21. Juli 1999 findet von 19.00 bis 21.00 Uhr zur Eröffnung ein "Stapellauf" statt.

Im März 1999 erwarben Pettibon, Rhoades und Weigand eine Mainship-Silverton-Yacht aus dem Jahr 1979 mit dem Namen "Bust Loose" und brachten sie in den Hafen von Hermosa Beach, wo sie das Boot mehrere Monate lang herrichteten, um es seetüchtig und zum Fischfang tauglich zu machen. Die Yacht als Ausgangspunkt des gemeinsamen Projektes "Life/Boat" ist inzwischen zu einem Ort der Kommunikation und des Gedankenaustausches geworden. Jason Rhoades betont, daß ,es bei diesem Projekt eher um Beziehungen zwischen Künstlern und weniger darum geht, Kunst zu machen", und Pettibon weist darauf hin, daß sich "Beziehungen durch Wasser meist vertiefen". Ähnlich wie das Schindler House in West Hollywood ein Ort ist, an dem Menschen leben, arbeiten und einander kennenlernen, ist "Life/Boat" zu einem Instrument der Erforschung des Grenzbereichs zwischen Leben und Kunst geworden.

"Bust Loose" ist natürlich auch ein Fortbewegungsmittel und ein Vehikel der Muße. Auch wenn die Künstler das Projekt vor allem unter dem Gesichtspunkt des Lebens, "der Erfahrung, des Experiments" (Rhoades) betrachten, sehen sie doch auch dessen künstlerische Möglichkeiten. Pettibon meint, daß das Boot "es durchaus mit einer Leinwand aufnehmen kann: Wenn man Kunst macht, kann alles als Leinwand dienen." Die Künstler wollen ein Möbelsystem entwickeln, das man im Notfall schnell in ein Rettungsboot umbauen kann. Neben Video-, Film- und Performancearbeiten wird das Projekt auch Bootsfahrten und Besuche von "Bust Loose" mit den Künstlern umfassen.

Nach seiner Premiere im MAK Center soll "Life/Boat" auf Reisen gehen und an anderen Orten gezeigt werden. Als "work in progress" wird sich das Projekt im Laufe der Zeit entwickeln, andere Formen annehmen und neue Momente aufweisen.

Wenn die drei Künstler auch ganz unterschiedlich arbeiten, gibt es gewisse Ähnlichkeiten, was ihre Interessen und ihren künstlerischen Ansatz betrifft. Jeder verwendet als Ausgangspunkt seiner Arbeit Formen der Alltagskultur. Keiner betrachtet Kunst als etwas ,Reines", als Teil der "Hochkultur". Es sind vielmehr gewöhnliche Gegenstände, Objekte des täglichen Lebens, die sowohl Thema als auch Mittel sind, umfassende Fragen zu stellen. Das Werk der drei Künstler ist von einem oft schwarzen Humor durchdrungen, der auf ein Nebeneinander der verschiedensten Formen zurückgreift, um Bedeutungsverhältnisse herzustellen, die - vom Willkürlichen über das Wörtliche zum Metaphorischen - auf mehreren Ebenen gelesen werden können.

Raymond Pettibon arbeitet zwar vor allem mit zeichnerischen Mitteln, hat aber auch gemalt und Songs geschrieben, ist als Schauspieler tätig gewesen und hat Videos gemacht. In den späten siebziger und frühen achtziger Jahren war er so etwas wie der inoffizielle Lieblingskünstler der Punkmusikszene von Los Angeles. Heute verbinden sich in seinem zeichnerischen Stil zahlreiche Formen und Konventionen des Zeichentrickfilms mit Momenten des Schreibens, was eine Poetik entstehen läßt, die sich so verschiedener Quellen wie der Bibel, des Werks von Wallace Stevens, Tips für Pferdewetten und Surfvideos bedient. Pettibons bewußtseinsstromartige Gegenüberstellungen von Text und Bild erlauben unterschiedliche Interpretationen, die von der Zerstörung des Sinnhaften bis zum metaphysisch Erhabenen reichen.

Jason Rhoades' komplizierte Installationen setzen sich mit einer Reihe wiederkehrender Themen und formaler Motive auseinander. In einer ganz eigenen Form der Erzählung beschäftigt sich Rhoades vom Goldrausch über die Raumfahrt bis zur Esoterik mit dem kalifornischen Traum. Auch das Wachstum der Stadt Los Angeles, der Kult um das Auto und das um sich greifende Konsumverhalten gehören zu seinen Themen. Die meist neuwertigen, aus Geschäften stammenden Produkte, die Rhoades in seinen durch ihren Detailreichtum barock anmutenden Installationen verwendet, werfen kosmische Fragen auf. In ,The Creation Myth" (Der Mythos der Schöpfung, 1998), einem Werk, in dem der Künstler den menschlichen Körper und insbesondere das Gehirn und den Verdauungstrakt als Metapher einsetzt, reflektiert Rhoades über das Wesen der Kreativität.

Hans Weigand, der sich eigenen Aussagen zufolge vor allem für das "Phänomen der Mittelmäßigkeit" interessiert, arbeitet mit den verschiedensten Medien: mit Video, Fotografie und mittels Computertechnik veränderten Bildern, mit Musik und Performance-Techniken. Er sieht überall in der Welt Kunst. Er betrachtet Satellitenschüsseln als Skulpturen und deren Eigentümer als Künstler, die sich dadurch zu erkennen geben, daß sie diese Gegenstände ausstellen. Die Kunst hält für Weigand ,neue, sonderbare Situationen" bereit, und der Künstler durchforstet den Alltag nach Szenarien, die - durch seine Intervention - etwas Ironisches, Geheimnisvolles, Humoristisches bekommen. Er bestimmt in seiner Arbeit "die Ordnung, die sich aus dem Chaos ableitet" und sich wieder verflüchtigt - einen Zusammenhang, den er als "Verflüssigung" bezeichnet.

Das MAK Center for Art and Architecture, L. A., ist eine Außenstelle des Österreichischen Museums für angewandte Kunst in Wien. Es hat die Aufgabe, in seinem Programm zeitgenössischer Kunst und Architektur eine aktive Rolle einzuräumen und sich der Eigentümlichkeit, den Berührungspunkten, der Wandelbarkeit und der wechselseitigen Abhängigkeit von Kunst und Architektur zu widmen. Die Ausstellung "Life/Boat" findet in Verbindung mit der "Absolut L. A. International 1999 Biennial" statt. Das MAK Center for Art and Architecture, L. A., im Schindler House, 835 North Kings Road, West Hollywood, ist von Mittwoch bis Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

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LouAnne Greenwald
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