Schausberger stellt Mortier den Sessel vor die Tür - Scharfe Replik des Intendanten

Schausberger: Wittmanns Verlängerungspläne unzumutbar und chancenlos - Kritik an Budget und Programmierung - Bachler, Bondy, Baumbauer als mögliche Nachfolgernamen

Wien (OTS) - Salzburgs Landeshauptmann Schausberger stellt eine Woche vor Festspielbeginn dem amtierenden Intendanten Gerard Mortier quasi den Sessel vor die Tür. In einem Interview für die morgen erscheinende Ausgabe des Wochenmagazins NEWS spricht Schausberger den Verlängerungsplänen von Staatssekretär Wittmann unter Hinweis auf die nötige Einstimmigkeit im Festspielkuratorium jede Chance ab. Mortier selbst habe seinen Rückzug bekanntgegeben. "Das habe ich akzeptiert, und dabei bleibt es. Bei einer Einrichtung internationalen Ranges ist es indiskutabel, jemanden bis zur Selbstaufgabe zum Verbleib zu beknien, wie es Wittmann tut."

Selbst wenn Mortier seinen Entschluß revidieren sollte, würde das nichts ändern: "Mir ist die Sache zu ernst. Das Kapitel ist für mich definitiv abgeschlossen."

Kritik an Budget und Programm. Deutlich kritisiert Schausberger in NEWS die Programmierung der Festspiele. "Das von Dr. Mortier beabsichtigte Programm paßt mit dem zur Verfügung stehenden Budget immer weniger zusammen. Auch hat Dr. Mortier öffentlich erklärt, er sehe in Salzburg für die Oper keine Zukunft. Wer so etwas sagt, sieht auch in den Festspielen keine Zukunft." Und: "Man setzt seit einigen Jahren chronisch die Einnahmen zu hoch und die Ausgaben zu niedrig an. Alle Geldquellen sind ausgeschöpft, und es sind immer wieder zuviele Karten aufgelegt. Selbst bei bester Auslastung blieben wir heuer 10 bis 13 Millionen unter Budget.Ich mische mich nicht in das Programm ein, aber ich kann sagen: Die Balance zwischen dem, was das Publikum und den Kartenverkauf bringt, und dem, was schwer zu verkaufen ist, hat in den ersten Jahren Mortiers besser funktioniert."

Nachfolgernamen. Schausberger in NEWS zum Nachfolger Mortiers: "Er sollte eine besondere Affinität zu Österreich haben. Er sollte etwas mehr Salzburger Festspiele machen und nicht Festspiele in Salzburg, mit Produktionen, die man überall anders auch aufführen kann." Alexander Pereira (Zürich) sei "ein guter Name, aber es gibt auch sonst ausgezeichnete: Klaus Bachler, Luc Bondy, Frank Baumbauer. Aber das sind nur einige von mehreren.

Mortiers Antwort. Gerard Mortier antwortet im NEWS-Gespräch scharf: "Herr Schausberger braucht keine Angst zu haben, daß ich bleiben möchte. Ich weiß, daß Herr Wittmann mich halten möchte. Aber die ÖVP will mein Verbleiben nicht und hat meine Entscheidung in Dankbarkeit angenommen.

Auch seien seine Forderungen in der neuen Festspielstruktur nicht berücksichtigt: "Die Einführung des Intendantenprinzips mit einem alleinverantwortlichen künstlerischen Leiter, einem kaufmännischen Leiter und eine ehrenamtliche Präsidentin."

Schausberger, so Mortier zu NEWS, "vergaloppiert sich oft in seinen Aussagen. (...) Was mich bedenklich stimmt, ist die Politisierung der Festspiele durch die ÖVP. Das hat begonnen, als Frau Rabl-Stadler nach der Wahl 1994 von der ÖVP zur Präsidentin gemacht wurde."

Und zu Schausbergers Vorwürfen: "Er gibt dem Druck der FPÖ nach. Es stimmt, daß der Kartenvorverkauf heuer später in Schwung gekommen ist. Aber wir haben genügend Mittel zur Abdeckung und noch nie um einen Groschen Subvention mehr angefragt. Ich finde es nach der guten Zusammenarbeit schade, daß er jetzt versucht, unsere Arbeit zu diskutieren. Offenbar hat er die Aussage, daß er 'leichte Kost' wünscht, doch so gemeint."

Das weitere Procedere. Staatssekretär Wittmann fühle am
Montag das langerwartete Gespräch mit Mortier. Er will noch einmal versuchen, Schausberger von Mortiers Strukturwünschen zu überzeugen, fügt aber via NEWS hinzu: "Nach meinem Dafürhalten ist die Sache gelaufen."

Bis Ende Juli soll eine Findungskommission formiert werden, bis Jahresende müssen sämtliche personellen Entscheidungen getroffen sein.

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