US-Studie: Wiener Neonatologie zählt zur Weltspitze

Rieder: Neuordnung der Kinderheilkunde hat sich voll bewährt

Wien, (OTS) "Wiener Frühgeborene kommen reifer zur Welt, erhalten weniger belastende Therapien, haben weniger Spätfolgen
und eine im Durchschnitt höhere Überlebensrate als vergleichbare Kinder in aller Welt", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder anläßlich der Präsentation der aktuellen Daten 1998 des "Vermont-Oxford Neonatal Network" am Dienstag im Rahmen des Pressegespräches des Bürgermeisters. An der Präsentation nahm auch der stellvertretende Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), Prim. Dr. Ludwig Kaspar, teil.

"Am Höhepunkt der Querelen um die Wiener Neonatologie im Jahr 1994 ordnete ich die Teilnahme der Kinderklinik Glanzing an der Vermont-Oxford Ringstudie an. Schon 1993 trat die Neonatologische Abteilung des AKH als erstes europäisches Zentrum der Studie bei, 1997 folgte das Donauspital." Seither vergleichen diese drei
Zentren laufend ihre Ergebnisse mit den Ergebnissen von mehr als
250 neonatologischen Zentren in aller Welt. "Die Resultate aus den Vereinigten Staaten bestätigen den Wiener Weg voll und ganz und beweisen, daß die Frühgeborenenbetreuung in der Bundeshauptstadt auch internationalen Maßstäben standhält und zur Weltspitze gehört." Bestätigt und bewährt habe sich, so Rieder, aber auch die Neuordnung der Wiener Kinderheilkunde aufgrund der Ergebnisse
einer Studie des deutschen ICAM-Institutes aus dem Jahr 1994, die die Konzentrierung der Betreuung von Frühgeborenen in hochspezialisierten Perinatalzentren aus Qualitätssicherungsgründen empfahl.****

Laufende Qualitätssicherung anhand internationaler Resultate

Derzeit befinden sich rund 250 neonatologische Zentren
weltweit im "Vermont-Oxford Neonatal Network" mit Sitz in Burlington/US-Bundesstaat Vermont. 1998 wurden die Daten von
24.568 Frühgeborenen unter 1500 Gramm (davon 267 in Wien) verglichen. Grundprinzip der Studie ist, daß ein jedes teilnehmendes Zentrum seine eigenen Ergebnisse mit den Ergebnissen des restlichen Netzwerkes vergleichen kann. So ist ein ständiger Vergleich mit dem weltweiten "State of the Art" möglich und Abweichungen von diesem werden frühzeitig erkennbar. Nicht beabsichtigt ist ein "Wettkampf" zwischen einzelnen Zentren, daher sieht Burlington immer nur einen Vergleich zwischen einem Zentrum und dem anonymisierten Netzwerk vor. Um diesem Prinzip treu zu bleiben, wurden für die Ergebnisse ´98 die Daten der drei Wiener Zentren AKH, Donauspital und Kinderklinik Glanzing (jetzt im Wilhelminenspital) von Burlington zusammengefaßt und mit den Daten des übrigen Netzwerkes verglichen.

Mehr Schwangerenbetreuung – reifere Babies – weniger Spätfolgen

Die zentralen Ergebnisse der Vermont-Oxford-Studie ergeben
für Wien unter anderem folgendes: 88 Prozent der Wiener Frühgeborenen unter 1500 Gramm überlebten 1998, Schwangerschaftskontrollen finden häufiger statt, Frühgeborene haben in Wien eine höhere Reife, dadurch sind weniger belastende Therapien nötig, was wiederum zu weniger Spätfolgen führt. Ein relativ großer Unterschied zum übrigen Netzwerk ergibt sich für Wien bei der Zahl von Kaiserschnitt-Frühgeburten. In der Bundeshauptstadt werden mehr Frühgeburten per Kaiserschnitt entbunden als anderswo. Diese für Mutter und Kind besonders schonende Methode setzt sich aber international immer mehr durch.
Im gesamten Vermont-Oxford-Netzwerk ist ein deutlicher Trend in Richtung Kaiserschnittgeburt zu verzeichnen.

Vermont-Oxford Neonatal Network: Die Wiener Ergebnisse für 1998

Im Detail wurden in Burlingten für Wien (AKH, Donauspital, Glanzing) folgende Ergebnisse erhoben:

o Ort der Geburt:

Wien Netzwerk
o Im Perinatalzentrum: 70 Prozent 86 Prozent
o Außerhalb: 30 Prozent 14 Prozent

Der höhere Wert von außerhalb des Perinatalzentrums Geborenen resultiert in Wien vor allem aus der räumlichen Situation der Kinderklinik Glanzing (ohne Geburtshilfe) vor deren Umzug ins Wilhelminenspital.

o Geschlechterverteilung:

Wien Netzwerk
o Männlich 62 Prozent 51 Prozent
o Weiblich 38 Prozent 49 Prozent

o Aufenthaltsdauer im Spital:

Wien Netzwerk
o Bei entlass. Patienten 62 Tage 62 Tage
o Bei transf. Patienten*) 21 Tage 37 Tage

*) Transfer zu anderen Abteilungen (z.B. Kinderchirurgie etc.)

o Geburtsgewicht:

Wien: 1.070 Gramm
Netzwerk: 1.027 Gramm

o Geburtswoche:

Wien: 29. Woche
Netzwerk: 28. Woche

o Regelmässige Schwangerschaftskontrolle:

Wien: 98 Prozent
Netzwerk: 95 Prozent

o Kaiserschnitt:

Wien: 81 Prozent
Netzwerk: 60 Prozent

Allgemein gilt der Kaiserschnitt als schonendste Entbindungsform für Mutter und Kind bei Frühgeburten. Innerhalb des Netzwerkes ist mittlerweile ein deutlicher Trend in Richtung Kaiserschnitt festzustellen.

o Kreißsaalmanagement:

Wien Netzwerk
o Sauerstoff 83 Prozent 91 Prozent
o Maskenbeatmung 40 Prozent 49 Prozent
o Intubation 18 Prozent 58 Prozent
o Herzmassage 1 Prozent 6 Prozent

Wiener Frühgeborene brauchen aufgrund ihres Gesamtzustandes seltener Sauerstoff, Maskenbeatmungen, weniger Intubationen und Herzmassagen.

o Zustandsbeurteilung nach der Geburt:

Wien Netzwerk
Apgar unter 4 n. 1 Min. 14 Prozent 27 Prozent
Apgar unter 4 n. 5 Min. 3 Prozent 9 Prozent

Der Apgar-Wert dient zur Feststellung der Reife eines Frühgeborenen und reicht von 1 (unreif) bis 10 (reif). Gemessen wird jeweils 1 Minute bzw. 5 Minuten nach der Geburt. Der Apgar-Wert setzt sich zusammen aus den Faktoren Atmung, Herz, Haut,
Tonus (Muskeln) und Farbe. Während international 27 Prozent der Frühgeburten nach 1 Minute einen Apgar unter 4 haben, beträgt dieser Anteil in Wien nur 14 Prozent. Dieser positive Trend setzt sich auch 5 Minuten nach der Geburt fort, wo nur mehr 3 Prozent
der Wiener Kinder unter 1500 Gramm einen Apgar von unter 4 aufweisen, im Gegensatz zu 9 Prozent weltweit.

o Atemnotsyndrom (RDS):

Wien: 51 Prozent
Netzwerk: 66 Prozent

Das Atemnotsyndrom (RDS) ist eine häufige Begleiterscheinung bei Frühgeburten. 51 Prozent der Wiener Frühgeburten leiden unter einem solchen, international sind es 66 Prozent.

o Postpartales Management (nach der Geburt):

Wien Netzwerk
o Nasaler CPAP 76 Prozent 52 Prozent
o Konventionelle Beatmung 42 Prozent 69 Prozent
o Hochfrequente Beatmung 31 Prozent 22 Prozent
o Surfactant-Gabe 35 Prozent 60 Prozent

Besonders schonend und nicht belastend zeigt sich in Wien das Management der Babies nach der Geburt. Besonders schonende Beatmungsarten wie ein nasaler CPAP (Beatmung durch die Nase,
Tubus endet aber vor der Stimmritze) oder die ebenfalls schonende hochfrequente Beatmung werden in der Bundeshauptstadt viel öfters eingesetzt als anderswo. Zurückhaltung wird in Wien hingegen bei der konventionellen Beatmung und bei der Gabe des Medikamentes Surfactant zur Lungenreifung geübt.

o Persistierender Ductus arteriosus Botalli (PDA):

Wien: 17 Prozent
Netzwerk: 28 Prozent

Ebenfalls ein häufiges Phänomen bei Frühgeborenen ist ein sogenannter PDA. Bei der Umstellung der Sauerstoffversorgung des Blutes von der Situation im Mutterleib auf "richtige" Atmung schließt sich normalerweise eine bis zur Geburt bestehende Verbindung zwischen "linkem" und "rechtem" Blutkreislauf. Bei 17 Prozent der Wiener Frühgeborenen bleibt diese Verbindung offen und muß chirurgisch (Ligatur) oder medikamentös (Indomethacin) geschlossen werden. International leiden 28 Prozent der Frühgeborenen unter einem PDA.

o Nekrotisierende Enterokolitis (NEC), Infektion des Darmes:

Wien Netzwerk
NEC 5 Prozent 6 Prozent NEC-Operation 2 Prozent 3 Prozent

o Frühgeborenen Retinopathie (ROP):

Wien - Keine ROP: 71 Prozent
Netzwerk - Keine ROP: 54 Prozent

Das Auftreten von Retinopathien (Netzhautschäden) steht in direktem Zusammenhang mit der Gabe von Sauerstoff. In Wien werden besonders schonende Methoden der Sauerstoffgaben angewandt, daher erkranken hier weitaus weniger Kinder an Retinopathien als international. Bei sehr leichten (ROP 1) und bei sehr schweren
(ROP 4) Retinopathien liegt Wien mit 20 Prozent bzw. 1 Prozent Erkrankungen genau im internationalen Schnitt. Deutlich besser schneidet die Bundehauptstadt bei mittleren (ROP 2) Retinopathien mit 5 Prozent zu 16 Prozent international und bei schwereren (ROP
3) mit 3 Prozent zu 9 Prozent international ab.

o Infektionen:

Wien Netzwerk
o Early Sepsis 1 Prozent 2 Prozent
o Late Sepsis 22 Prozent 23 Prozent
o Coalgolase Neg. Staph. 17 Prozent 14 Prozent
o Fungal 1 Prozent 4 Prozent

Ein ähnlich positive Bild bei Infektionskrankheiten: Die Zahl der von Blutvergiftungen (early/late) ist in Wien geringer als im Netzwerk, ebenso die Zahl der Pilzerkrankungen (Fungal). Häufiger als anderso ist in Wien allerdings das Auftreten eines bestimmten Intensivkeimes (Coalgolase Neg.Staph.).

o Cerebrale Blutungen IVH, (Hirnblutungen):

Wien Netzwerk
o Ultraschall durchgeführt 98 Prozent 87 Prozent
o Keine IVH 70 Prozent 74 Prozent
o IVH 1-2 (leicht) 23 Prozent 18 Prozent
o IVH 3-4 (schwer) 7 Prozent 8 Prozent

In Wien gibt es bei Frühgeborenen mehr leichte Hirnblutungen ohne Spätfolgen (IVH 1-2) als im Netzwerk. Allerdings gibt es weniger schwere Blutungen mit Spätfolgen (IVH 3-4). Bei fast allen Kindern in Wien wird ein Ultraschall durchgeführt.

o Überlebensrate:

Wien: 88 Prozent
Netzwerk: 84 Prozent

88 Prozent der Wiener Kinder unter 1500 Gramm überlebten
1998, im internationalen Netzwerk beträgt die Überlebensrate 84 Prozent. (Schluß) nk

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