Rieder: Qualitäts- und Innovationsschub in Wiener Krankenhäusern

KAV-Qualitätsbericht 1998 präsentiert; Schwerpunkte 1999: Patientenaufklärung und Spitalsessen

Wien, (OTS) Am Montag präsentierte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder den Qualitätsbericht 1998 des Wiener Krankenanstaltenverbundes - KAV. Darin werden sämtliche
Initiativen der Krankenhäuser, Geriatriezentren und Pflegeheime aufgelistet, die sich mit Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung befassen. Die Schwerpunkte 1998 lagen in den Bereichen "Steigerung der Patientenzufriedenheit" und Krankenhaushygiene. Der Bericht enthält jedoch keine Routinemaßnahmen, sondern ausschließlich neue Initiativen; insgesamt wurden im Vorjahr 186 neue Projekte ins Leben gerufen.

"Der Bericht zeichnet ein deutliches Bild von einem Innovationsschub, der sich in Qualitätsverbesserungen und Leistungssteigerungen in unseren Häusern widerspiegelt", betonte Rieder. "Er zeigt aber auch, daß gerade der Bereich der Kommunikation mit den Patienten noch verbessert werden muß. Die Schwerpunkte für das Arbeitsjahr 1999 liegen daher in einer besseren und verständlicheren Information der Patienten und in einer Verbesserung des Spitalsessens."

An der Präsentation nahmen auch Prof. Dr. Eugen Hauke, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes - KAV, Prim. Dr. Ludwig Kaspar, Stellvertr. Generaldirektor des KAV, Prim. Dr. Susanne Binder, Vorsitzende der Qualitätskonferenz der Krankenanstalt Rudolfstiftung und Margit Ernst, Leiterin der Stabsstelle Organisationsentwicklung im KAV, teil.****

Qualitätsbericht 1998: Schwerpunkte Patientenzufriedenheit und Krankenhaushygiene

Aus den 186 neuen Projekten die 1998 gestartet wurden, sind hier vier Beispiele angeführt:

o Therapiezentrum Ybbs/Donau:

Patientenorientierte Organisationskultur (POOKS)

Ziel des Projektes war es, durch eine Veränderung der Arbeitsabläufe im Stationsbereich den Tagesablauf so zu gestalten, daß das Bedürfnis von PatientInnen nach Sicherheit, Information, Kommunikation und Transparenz des Geschehens tatsächlich erfüllt werden kann. In einer multiprofessionellen Arbeitsgruppe wurde
unter anderem ein patientenzentriertes Informations- und Kommunikationssystem geschaffen, der Visitenablauf verändert und ein Pflegesystem eingeführt, welches den PatientInnen klar definierte Bezugspersonen bietet.

Die Ergebnisse zeigen, daß die gesetzten Ziele in beeindruckender Weise erreicht wurden:

o 83 Prozent der PatientInnen (psychisch Kranke) wissen Bescheid,

wer für sie zuständig ist und was mit ihnen geplant ist. Dies entspricht einer Steigerung von 52 Prozent.
o 92 Prozent erhielten ausreichend Informationen über

organisatorische Angelegenheiten. Dies ist ein Plus von
23 Prozent.
o Visiten haben Fixzeiten, die zu 80 Prozent eingehalten werden –

ein Plus von 70 Prozent.

o Krankenhaus Floridsdorf:

Eindämmen der Verbreitung von MRSA-Infektionen

MRSA-Bakterien sind leicht übertragbare und schwer behandelbare - weil resistent gewordene - Keime. Es wurde beobachtet, daß diese MRSA-Infektionen im Steigen begriffen waren. Dies führte zu einer Verlängerung des Aufenthaltes für die betroffenen PatientInnen und dadurch zu einer nicht unbeträchtlichen Kostensteigerung.

Einer multiprofessionelle Arbeitsgruppe unter der Leitung
einer Hygienefachkraft gelang es, durch Festlegen einfacher, aber wirksamer Hygienerichtlinien die Infektionsrate um 30 Prozent zu senken. Dieses Ergebnis ist darauf zurückzuführen, dass es die erarbeiteten Richtlinien allen Berufsgruppen ermöglichen, situationsbezogen und richtig zu handeln.

Neben der Eindämmung der MRSA-Infektionen konnten durch gezielten Produkteeinsatz im Jahr 1998 Materialkosten in der Höhe von ß 160.000 Schilling und durch Verkürzung der Verweildauer ß 1,3 Mio. Schilling eingespart werden.

o Krankenhaus Lainz:

Dekubitus-Management

Durch eine multiprofessionelle Arbeitsgruppe wurden
Richtlinien erarbeitet, die das "Wundliegen" (= Dekubitus) verhindern helfen. Da dies nicht immer möglich ist bzw. PatientInnen bereits mit diesen Liegeschäden aufgenommen werden, wurde auch die Behandlung des Dekubitus standardisiert. Durch
diese Richtlinien, die gewährleisten, dass jede Patientin/Patient das erfolgversprechendste Produkt für den jeweiligen Hautzustand erhält, konnte erreicht werden, daß weniger Liegeschäden entstehen und vorhandene schneller heilen.

Im Jahr 1998 waren nur mehr 21,5 Prozent der PatientInnen bezüglich Wundliegens gefährdet. Die tatsächliche Dekubitusrate lag 1996 noch bei 7,2 Prozent und sank 1998 auf 3,5 Prozent.
Das Ergebnis für das erste Halbjahr 1999 liegt bei 3,1 Prozent.

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich weiterhin mit der Thematik des Wundliegens, da gewährleistet sein muss, dass die Richtlinien der pflegerisch-medizinischen und der produktbezogenen Entwicklung angepasst werden, um diesen Erfolg langfristig sichern zu können.

o Wilhelminenspital:

Einführung eines akuten, postoperativen Schmerzdienstes (ASD)

Die konservative postoperative Schmerztherapie gilt auf Grund des individuell breit gestreuten Schmerzmittelbedarfs als
schwierig. Neue Verfahren, wie die patientenkontrollierte Schmerzpumpe und Kathetertechniken ermöglichen eine
bedarfsgerechte Schmerztherapie. Wirksamkeit und Sicherheit dieser Verfahren sind durch ihre Komplexität an die Einrichtung eines Akuten Schmerzdienstes (ASD) gebunden. Auf Grund der abteilungs-
und berufsgruppenübergreifenden Tätigkeiten stellt das ein eher organisatorisches als fachliches Problem dar.

Die Einführung der Verfahren ("Schmerzpumpe") erfolgte zunächst im kleinen Maßstab mit Einschulungen und der Verantwortungsübernahme durch die unmittelbar betroffenen Mitarbeiter. Aus diesen Erfahrungen wurde von den am Primärprozess Beteiligten (Anästhesist, Arzt und Pflege) gemeinsam ein Ablaufdiagramm erstellt, das im Sinne einer Verfahrensanweisung
jede Tätigkeit einer Berufsgruppe zuordnete.

o Ergebnisse:

Eine Analyse mittels eines international gebräuchlichen Schmerzscores ergab, daß Schmerzen sehr individuell erlebt werden und die Schmerztoleranz ebenfalls extrem unterschiedlich ist.
Durch den Einsatz des ASD gelang es, diese breite individuelle Streuung so handzuhaben, dass der Ruheschmerzwert des Patienten,
der international mit < 3 auf der Schmerzskala angegeben ist, bei 1,7 (227 Patienten) liegt. Das heißt, dass die PatientInnen unabhängig von ihrer persönlichen Schmerztoleranz nur geringfügige Ruheschmerzen empfinden. Die Verfahrensanweisungen wurden zu 96 Prozent eingehalten und auf standardisierten Überwachungsblättern dokumentiert.

Enorme Steigerung der spitzenmedizinischen Leistungen

In den letzten Jahren konnten in den Krankenhäusern der Stadt Wien enorme Leistungssteigerungen erreicht werden. Stellvertretend für die vielen Leistungen sind im folgenden einige Bereiche dargestellt (die Steigerungen beziehen sich jeweils auf den
Zeitraum 1996 bis 1998):

o So konnten die Extrakapsulären Kataraktoperationen (Grauer Star-

Operationen) von 5.388 (1996) auf 7.507 (1998) gesteigert
werden. Dies entspricht einem Plus von 39,3 Prozent.
o Bei den Totalendoprothesen des Hüftgelenks (Einsetzen eines

künstlichen Hüftgelenks) war eine Steigerung von 11,5 Prozent zu verzeichnen (von 1,461 auf 1.629)
o Totalendoprothesen des Kniegelenks (Einsetzen eines künstlichen

Kniegelenks): Steigerung um 66,6 Prozent, von 440 auf 733 Operationen.
o Wurden 1996 400 Transplantationen der Haut vorgenommen, so waren

es 1998 978 (Steigerung um 144,5 Prozent)
o Perkutane Transluminale Angioplastie (Gefäßdehnung mittels

Ballon, jedoch nicht am Herzen): Steigerung um 92,8 Prozent
(1996: 1.150 Fälle, 1998: 2.217 Fälle)
o Bei den Untersuchungen am Magnetresonanztomographen gab es eine

Steigerung um 146 Prozent (1996: 6.075 Untersuchungen, 1998:
14.946 Untersuchungen)
o Mit der Sauberkeit in den Zimmern, WC und Bad waren nur 69

Prozent der Patienten sehr zufrieden, 27 Prozent zufrieden und
4 Prozent nicht zufrieden.
o Ebenso nicht so ganz gute Werte gab es für Hol- und Bringdienste

(Transporte zum Röntgen, etc.) 68 Prozent waren damit sehr zufrieden, 29 Prozent zufrieden, 3 Prozent waren nicht
zufrieden, wobei von 1 Prozent die zu langen Wartezeiten kritisiert wurden.

Patientenzufriedenheit 1998: Ausgezeichnete Noten für Wiens Spitäler

Einer der Schwerpunkte des KAV-Qualitätsberichtes 1998 war
die Patientenzufriedenheit. Neben vielen einzelnen Projektbeschreibungen wurden auch die seit einigen Jahren entwickelten Patientenbefragungen mitaufgenommen. Alle Patienten, die in den Krankenhäusern des Wiener Krankenanstaltenverbundes aufgenommen werden, erhalten nach ihrem Aufenthalt einen
Fragebogen zugesandt, der anonym ausgewertet wird. Anhand dieses Fragebogens ermittelt der KAV die Zufriedenheit der Patienten mit den in den Häusern angebotenen Leistungen. Für das Jahr 1998 ergaben sich folgende Werte (12.707 ausgewertete Fragebögen):

o Mit der Ärztlichen Betreuung waren 84 Prozent sehr zufrieden,

14 Prozent zufrieden und lediglich zwei Prozent unzufrieden.
o Ähnlich gute Noten gab es für den Pflegebereich: Hier waren 82

Prozent sehr zufrieden, 17 Prozent zufrieden und nur 1 Prozent
war unzufrieden.
o Therapeutische Dienste: 76 Prozent sehr zufrieden, 22 zufrieden,

2 Prozent unzufrieden
o Die besten Werte gab es für den Ablauf der Aufnahme in das

Spital oder Pflegeheim: Hier waren 99 Prozent sehr zufrieden
oder zufrieden, nur 1 Prozent empfand die Aufnahme als unfreundlich oder unangenehm.
o Nicht so gute Werte gab es für den Bereich der Aufklärung durch

die Ärzte: Lediglich 57 Prozent der Patienten bewerteten diese als sehr gut, 33 Prozent als gut. Für 6 Prozent war sie mangelhaft, 4 Prozent fühlten sich nicht aufgeklärt.
o Ebenso wurde das Spitalsessen nicht immer positiv bewertet: Nur

51 Prozent waren sehr zufrieden, 41 Prozent waren zufrieden und
8 Prozent nicht zufrieden.

1998: 186 neue Initiativen in den Spitälern, Pflegeheimen und Geriatriezentren

Seit 1990 gibt es im Wiener Krankenanstaltenverbund eine Stabsstelle für Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung. Seit damals wurden in den 26 Krankenhäusern, Pflegeheimen und Geriatriezentren Qualitätskommissionen etabliert. Diese Kommissionen erarbeiten gemeinsam mit den einzelnen Abteilungen Projekte zur Qualitätssicherung und begleiten sie.

Im Jahr 1998 wurden insgesamt 131 solcher Sitzungen in den Häusern des Krankenanstaltenverbundes abgehalten. 381 ständige Mitarbeiter sind darin eingebunden. 186 Initiativen wurden dabei
von den Mitarbeitern ins Leben gerufen, wovon 65 Projekte (35 Prozent) bereits abgeschlossen werden konnten. 121 Projekte sind noch im Laufen.

252 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus- und weitergebildet

Neben den konkreten Projekten werden auch laufend Mitarbeiter in Sachen Qualitätsarbeit aus- und weitergebildet. 252 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden in solche Aktivitäten eingebunden. 220 davon absolvierten ein Grundlagenseminar (Theoretische und methodische Einführung in die Qualitätsarbeit), 32 Mitarbeiter konnten die Ausbildung zum Qualitätskoordinator abschließen.

Internationale Auszeichnungen für Wiener Projekte

Der internationale Golden Helix-Award 1998 – ein renommierter und angesehener Qualitätspreis für innovative Qualitätsverbesserungsprojekte im Gesundheitswesen wurde 1998 an das Projekt "Reaktivierende Pflege" des Pflegeheims Klosterneuburg verliehen. Dabei wurden insgesamt 200 Projekte eingereicht, die ersten drei Plätze gingen an Projekte des Wiener Krankenanstaltenverbundes. (2. Platz, "Präoperative Guidelines"
des Orthopädischen Krankenhauses Gersthof, 3. Platz, "Einführung eines Akuten Schmerzdienstes" im Wilhelminenspital) Die teilnehmenden Länder waren neben Österreich Deutschland, Spanien, Italien, England und die Niederlande. (Schluß) mmr/

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