LKW-Spiegel "schluckt" alle toten Winkel

Die Wiener Verkehrssicherheitsforschung hat einen lebensrettenden LKW-Rückspiegel erfunden

Wien, (OTS) Verkehrsstadtrat Fritz Svihalek hat am Montag im Rahmen einer Vorführung die Vorteile eines kürzlich erfundenen LKW-Rückspiegels präsentiert. Svihalek sagte gegenüber der Rathauskorrespondenz: "Dieser Spiegel wird noch viele
Menschenleben im Strassenverkehr retten und LKW Lenker vor ungewollten Unfällen und gefährlichen Fahrmanövern schützen.

Österreich deckt Sichtdefizite bei LKW auf

Österreichs Unfallforschung kann durch die neuesten Forschungsergebnisse auf dem Sektor örtliche Unfallforschung die europaweit führende Rolle auch für LKW weiter ausbauen und trägt entscheidend zur Lösung eines internationalen Verkehrssicherheitsproblems bei.

"Toter" Sichtraum bei LKW führt zu Schwerstunfällen

Umfassende Forschungen unter der Leitung von Univ. Prof. DI. Dr. Ernst Pfleger legen die Hauptunfallursache für Lastkraftwagen (LKW) bei Spurwechsel- und Abbiegevorgängen offen.
Die Forschungsergebnisse dokumentieren, dass auf Grund der extrem großen Sichtabschattung rechts neben dem Lastkraftwagen nicht nur Fußgänger und Radfahrer, sondern sogar größere Mittelklassefahrzeuge übersehen werden können. Dieser 5,5 Meter lange und mindestens 2 Meter breite "tote" Sichtraum ist oft Unfallursache für Kollisionen beim Fahrstreifenwechsel von LKW und PKW, sowie bei Abbiegeunfällen von LKW mit Fußgängern bzw. Radfahrern. Schwerste Unfälle mit oft tödlichem Ausgang, aber auch Unfälle mit schweren Sachschäden sind auf diesen "toten" Sichtraum zurückzuführen. In der Praxis treten Unfälle auf, weil der LKW-Lenker PKW und einspurige Fahrzeuge beim Fahrstreifenwechsel
oftmals nicht sehen kann. Insbesondere Kinder sind gefährdet, da sie in ihrer Größe unterhalb des Sichtraumes (bis zu einem seitlichen Bereich von rund 4,5 Meter) liegen und daher zur Gänze übersehen werden können. Bis zu 10% aller LKW-Unfälle mit Personenschäden im Ortsgebiet (bis zu 5% im Freiland) sind auf die Unfallursache "Toter Sichtraum" zurückzuführen. Der Anteil der Schwerstunfälle, d.h. Unfälle mit Toten und Schwer verletzten, ist um ein Drittel größer bei jenen Unfällen, die durch ein Sichtdefizit verursacht werden.

Bestehende EU-Bestimmungen sind unzureichend

Der von der Europäischen Union vorgeschriebene Bodenspiegel (Rampenspiegel) deckt nur einen Bruchteil des tatsächlich vorhandenen "toten" Sichtraumes ab. Dies wird eindeutig durch die umfassenden Forschungen von Prof. Pfleger offengelegt. Die EU-Bestimmungen verlangen derzeit einen Krümmungsradius des Spiegels von 400mm. Diese Spiegelkrümmung reicht nicht aus, um Fahrzeuge, Radfahrer bzw. Fußgänger im dynamischen Fahrablauf neben dem LKW im Rampenspiegel zu erkennen. Hinzu kommt, dass der Sachverhalt in diesen Bestimmungen insofern falsch eingeschätzt wird, als diese den Bodenspiegel lediglich für Kontrollblicke bei Zufahrt zu
Rampen vorsehen.

Österreich löst EU-weites Problem des Sichtdefizits

Prof. Pfleger und sein Team haben durch umfangreiche Forschungen und in vielen Versuchsreihen das Sichtproblem bei Lastkraftwagen gelöst. Der "tote" Sichtraum kann durch einen asphärischen Bodenspiegel zur Gänze beseitigt werden. Im Gegensatz zu der in den EU-Bestimmungen vorgesehenen Krümmung von 400mm ist dieser so genannte asphärische Bodenspiegel mit Krümmungsradien von 250mm und 400mm versehen. Dies ermöglicht dem Lenker, Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger im dynamischen Fahrablauf neben dem LKW in ihren Konturen zu erkennen. Der neue asphärische Bodenspiegel deckt sowohl die Sichtweiten gemäß EU-Bestimmungen ab, als auch den darüber hinausgehenden toten Sichtraum rechts neben dem LKW. Somit erfüllt der neu entwickelte asphärische Bodenspiegel alle Voraussetzungen der Informationsaufnahme und des praktischen Blick- und Sichtverhaltens.

Europaweite Impulse zur Erhöhung der Verkehrssicherheit

Diese neue technische Errungenschaft ermöglicht in Hinkunft eine drastische Reduktion der Unfälle mit LKW- Beteiligung und leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf Europas Straßen. Insbesondere Unfälle, die bei Fahrstreifenwechsel oder Abbiegevorgängen von LKW auftreten, können durch den Einsatz der asphärischen Bodenspiegel weitgehend vermieden werden. Es kann mit einem Unfallrückgang von bis zu 10% gerechnet werden.

Der neue Rampenspiegel

Der neue Rampenspiegel wurde, basierend auf den Forschungsergebnissen, in Zusammenarbeit mit den Firmen Schott
DESAG (Deutsche Spezialgas AG) und der Fa. Wilke, bedeutendster
LKW- Spiegelproduzent im Europäischen Raum, entwickelt. Vertrieben wird der Spiegel in Österreich durch die Fa. Teuber. Die Kosten eines asphärischen Bodenspiegels belaufen sich derzeit auf 1.500 Schilling, bei Serienproduktion um vieles geringer. Auch der
Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer könnte durch Verwendung des neuen Rampenspiegels sichergestellt werden.

Optimierung der Sicherheit im LKW-Verkehr

Das erklärte Ziel der österreichischen Verkehrspolitik ist zweifellos die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die
Verbesserung der Unfallbilanz. Durch den neu entwickelten Rampenspiegel ist dieses gemeinsame Ziel auf dem Sektor LKW-
Verkehr zu erreichen. Um ungeschützten Verkehrsteilnehmern wie
z.B. Radfahrern und Fußgänger größtmöglichen Schutz zu garantieren, müssen alle technischen Möglichkeiten zur Hebung der Verkehrssicherheit genutzt werden. Demnach sollen alle bisherige, veralteten Rampenspiegel bei LKW mit geringen Sichtmöglichkeiten durch die neuen asphärischen Bodenspiegeln ersetzt werden. Da dieser Spiegel nicht nur adäquater Ersatz für den üblichen Rampenspiegel ist, sondern einen weitaus größeren Sichtraum abdeckt als der bisherige Rampenspiegel, kann sein Einsatz einen dementsprechend größeren Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten.

Miteinbeziehung des Bodenspiegels für Kontrollblicke

Der Kontrollspiegel fand bisher nur Verwendung bei Zufahrt
zu Rampen. Der neue asphärische Rampenspiegel soll künftig auch bei den Fahrvorgängen Verwendung finden, um mehr Sicherheit im LKW-Verkehr zu gewährleisten. Um Gefährdungen und Konfliktsituationen auszuschalten, ist der Rampenspiegel für Kontrollblicke bei Fahrstreifenwechsel oder Abbiegevorgängen daher miteinzubeziehen. (Schluss) hl

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