LUCIE RIE Gebrannte Erde

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 13. Juli 1999, 10.30 Uhr Ausstellungsort: MAK-Galerie
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer: 14. Juli - 12. September 1999
Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Mit der Ausstellung LUCIE RIE - Gebrannte Erde, die
vom 13. Juli bis 12. September in der MAK-Galerie gezeigt wird, würdigt das MAK das Werk von Lucie Rie (1902 - 1995). Die gebürtige Wienerin zählt zu den bedeutendsten Keramikerinnen unseres Jahrhunderts. Aus dem freien Umgang mit der handwerklichen Perfektion entwickelte sie einen subtilen, persönlichen Stil mit hoher künstlerischer Aussagekraft, der für Generationen von Keramikern richtungsweisend wurde. In Wien wird ihr faszinierendes Werk nun zum ersten Mal seit ihrer erzwungenen Emigration im Jahre 1938 präsentiert. Lucie Rie, in England zur Dame Lucie Rie geadelt, hat eine Ausstellung ihres Werkes in Wien zu Lebzeiten nicht gewünscht. Neben wichtigen Ausstellungen u. a. 1981 im Victoria & Albert Museum in London und 1994 im Metropolitan Museum in New York stellte die von Tadeo Ando gestaltete Schau "Issey Miyake meets Lucie Rie" in Japan ihr Werk in ein neues Licht.

Lucie Rie wird 1902 in Wien als Tochter des Arztes und Universitätsprofessors Dr. Benjamin Gomperz geboren. Im Alter von 20 Jahren beginnt sie ihr Studium an der Kunstgewerbeschule, wo sie zunächst Bildhauerei studiert. Bald wechselt sie einem spontanen Entschluß folgend in die Keramikklasse von Michael Powolny, die sie 1926 abschließt. Bereits in den Studienjahren zeigt Lucie Rie eine Vorliebe für einfache Formen und raffinierte Oberflächen. Damit unterscheidet sich ihre Werk deutlich von zeitgleichen farbenreichen und üppigen keramischen Erzeugnissen der Wiener Werkstätte.

Josef Hoffmann entdeckt früh Lucie Ries Talent. Ihr erstes selbst geschaffenes Gefäß findet er so gut, daß er es im Brüsseler Palais Stoclet aufstellt. In der Folge nimmt Lucie Rie mit ihren Arbeiten an zahlreichen Ausstellungen des Museums und der Kunstgewerbeschule teil. 1925 ist sie an der "Exposition Internationale des Arts Decoratifs" in Paris vertreten. Nach Abschluß ihrer Ausbildung zeigt Hoffmann ihre Arbeiten auch in London, Mailand und nochmals in Paris.

1926 heiratet sie Hans Rie. Sie übersiedelt in eine Wohnung in der Wollzeile, für die Ernst Plischke die Einrichtung entwirft. Nach ihren Studienjahren festigt Lucie Rie ihren Ruf als Keramikerin. Für die Pariser Weltausstellung 1937 z. B. wählt Josef Hoffmann 70 Exponate von ihr aus. Ihre Karriere wird jäh unterbrochen, als sie 1938 wegen der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Österreich und der Rassengesetze nach England flüchtet. Der Bruch mit Wien und die Übersiedlung nach England stellen das wichtigste Ereignis in ihrem schöpferischen Leben als Keramikerin dar. In ihrer neuen Heimat ist Lucie Rie trotz zahlreicher Preise von internationalen Ausstellungen weitgehend unbekannt. Sie mietet eine Garage mit einem darüberliegenden Wohnraum in Albion Mews in der Nähe des Hyde Park und richtet dort 1939 ein Töpferstudio ein, das während des Krieges geschlossen und Ende 1945 wiedereröffnet wird. In den Kriegsjahren arbeitet Lucie Rie für ihren ebenfalls nach London geflohenen Wiener Freund Fritz Lampl in seiner Glasbläserwerkstatt, mit der er an seine Wiener Galerie Bimini anknüpft. Dort entstehen neben Schmuckstücken Lucie Ries bekannte Keramikknöpfe, die in den späten 80er Jahren Eingang in die Kollektion des Haute Couture-Revolutionärs Issey Miyake finden.

In Folge der Wiedereröffnung der eigenen Keramik- und Knopfwerkstatt 1945 tritt eine zentrale Person, der deutsche Emigrant Hans Coper, in ihr Leben. Coper beginnt zunächst als Handwerker für die Werkstatt zu arbeiten und entwickelt sich rasch zum künstlerischen Partner und lebenslänglichen Vertrauten für Lucie Rie. Durch ihn erfährt ihr Schaffen eine entscheidende Kurskorrektur: sie läßt ihrem Erfindungsgeist freien Lauf, der zuvor durch die einschneidende und nachhaltige Kritik des britischen Keramikpapstes Bernard Leach gedämpft war. Gemeinsam mit Hans Coper entwirft sie funktionell gestaltete als auch innovative Gebrauchsgegenstände und bestreitet zahlreiche Ausstellungen mit ihm.

1950 entsendet Großbritannien die beiden als einzige Repräsentanten englischer Keramik zur Triennale nach Mailand, wo Lucie bereits 1936 die Goldmedaille gewonnen hat. Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Lucie Rie und Hans Coper endet 1958, als dieser London verläßt und eine eigene Werkstatt in Hertfordshire gründet.

In all den Jahren experimentiert Lucie Rie ständig mit neuen Techniken. Zu ihrem Markenzeichen zählen die von ihr entwickelten Glasuren und Tonmischungen für Steinzeug und Porzellan und das Einbrandverfahren, das sie bereits in frühen Jahren einsetzt und das ihr erlaubt, ihre Gefäße ungebrannt zu glasieren. Die dabei stattfindende Synthese von Ton und Glasur verleiht den Objekten ästhetische Vollkommenheit. Neben fein abgestimmten, raffiniert ineinander übergehenden Glasuren zählt die Anwendung der Sgraffitotechnik zu einer weiteren Besonderheit. Angeregt von den Tonschüsseln von Avebury aus der Bronzezeit hat Lucie Rie ihre Gefäße mit Hilfe einer Stahlnadel mit zarten geometrischen Linienmustern versehen.

Der Erfindungsreichtum und die künstlerische Kraft ihrer Werke finden in zahlreichen Ausstellungen ihren Niederschlag. Einen Wendepunkt in Lucie Ries Leben stellt die Retrospektive ihres Werkes in der Arts Council Gallery am St. James' Square 1967 dar. Im Vorwort spricht ihr einstiger Kritiker Bernard Leach ihrem Werk hohen Respekt aus. In den folgenden zwei Jahrzehnten wird ihr Werk in zahlreichen Ausstellungen gewürdigt. Lucie Rie stirbt 1995 in London.

Die betörende Einfachheit und Klarheit der Formen, mit denen sie sich über die Grenzen des technisch Machbaren hinwegzusetzten scheint und das subtile und dennoch atemberaubende Raffinement der Oberflächen gehen bei Lucie Rie eine vollkommene Synthese ein. Das macht Lucie Rie, die sich stets als Handwerkerin betrachtet hat, zu einer der bedeutendsten Keramikerinnen unseres Jahrhunderts.

Ausstellungsdaten

LUCIE RIE

Gebrannte Erde

Pressepreview Dienstag, 13. Juli, 10.30 Uhr
Eröffnung Dienstag, 13. Juli 1999, 20.00 Uhr
Ausstellungsort MAK-Galerie
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer 14. Juli - 12. September 1999
Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Ausstellung Peter Noever, Christian Witt-Dörring
Gastkurator Cyril Frankel
MAK-Kuratoren Michaela Hartig, Christian Witt-Dörring Ausstellungsdesign Michael Embacher

Katalog Tony Birks: Lucie Rie. Gebrannte Erde.
Herausgegeben von Marston House in Zusammenabeit dem MAK. 224 Seiten, ca. 240 s/w Abbildungen und
70 Farbabbildungen, ATS 290.-.

Führungen Anmeldung: Gabriele Fabiankowitsch, Tel. 01-711 36-298

Feiertage 15. 8. Maria Himmelfahrt 10.00 - 18.00 Uhr

MAK-Eintritt Freier Eintritt in die MAK-Galerie

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