Flußauen der Donau auf 20 Prozent geschrumpft WWF legt ökologische Bewertung des gesamten Donauraums vor

Wien (OTS)- Mindestens 150.000 Hektar zerstörter
Auengebiete lassen sich an der Donau wiederherstellen. Dies
zeigt eine umfangreiche Studie des World Wide Fund For Nature
(WWF). Dazu untersuchte das WWF-Auen-Institut in
Rastatt/Deutschland im Auftrag einer Kommission von UN und
Weltbank (PCU of UNDP/GEF) über 6.000 km Flußstrecke entlang
der Donau und ihrer größten Nebenflüsse. Es zeigte sich, daß
von den einst ausgedehnten, artenreichen Flußauen nur noch
etwa 20 Prozent übrig sind. Während die Auenlandschaft in Deutschland und in Österreich bis Wien größtenteils zerstört ist, sieht der WWF flußabwärts von Wien die Möglichkeit, großflächige Feuchtgebiete wieder zum Lebensraum für
zahlreiche selten gewordene Fisch- und Vogelarten zu
entwickeln.

"Besonders an der unteren Donau besteht die Chance,
katastrophale Sünden aus Zeiten des kommunistischen Regimes rückgängig zu machen", unterstrich Philip Weller, Direktor des
WWF Donau-Karpaten-Programmes. Während im Donau-Delta, dem Mündungsgebiet der Donau ins Schwarze Meer, die größten Pelikankolonien Europas leben, sind diese im Grenzbereich
zwischen Rumänien und Bulgarien fast vollständig verschwunden. Grund dafür ist die Zerstörung ihres Lebensraumes. Viele
Gebiete sind aber noch soweit intakt, daß sie durch
Wiederanbindung an den Fluß renaturiert werden könnten.
Insgesamt 17 Flächen mit einer Größe von 1.000 Hektar bis über 50.000 Hektar, insgesamt etwa 150.000 Hektar, haben die
Experten nun im Rahmen des Donau-Karpaten-Programmes des WWF
zur Renaturierung vorgeschlagen. Doch die untere Donau bietet
noch mehr Möglichkeiten: "Da fast alle der trockengelegten
Flächen nicht besiedelt sind, sondern meist landwirtschaftlich genutzt werden, wäre hier eine Öffnung der Dämme relativ unkompliziert umzusetzen. Damit würde die Natur sogar über
400.000 Hektar zurückgewinnen", erläuterte Philip Weller. Daß diese Art von Renaturierungen Erfolg haben, zeigt ein Projekt
des WWF-Auen-Instituts im Donaudelta auf über 3.800 Hektar.
Die vor wenigen Jahren noch versalzten und versteppten landwirtschaftlichen Polder auf den Donau-Inseln Babina und
Cernovka können heute von der örtlichen Bevölkerung wieder als natürliche Fischgründe genutzt werden.

Zur Bearbeitung dieses riesigen Raumes, der 16 Staaten
umfaßt, setzte ein Team von Fachleuten aus dem Donauraum
modernste Techniken ein. Mit Hilfe von Geoinformationssystemen
(GIS) wurden Satellitenbilder ausgewertet und mit historischen Karten verglichen. Umfangreiche Daten über die aktuelle Landnutzung, ausgesuchte Tier- und Pflanzenarten sowie zum Abflußgeschehen der Flüsse wurden analysiert. "Trotz extrem schwieriger Datenlage in den einzelnen Ländern konnte erstmals
in Europa ein so großes Flußgebiet über Staatsgrenzen hinweg einheitlich ökologisch bewertet werden", urteilt Philip
Weller. Die vorliegende Studie ist eine einzigartige Grundlage
für die weitere Naturschutzarbeit im Einzugsgebiet des zweitgrößten europäischen Flusses.

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