Rieder präsentiert 1. Wiener Männergesundheitsbericht

Männer leben risikoreicher, ungesünder und kürzer

Wien, (OTS) "Männer leben risikoreicher, ungesünder und daher um durchschnittlich sechs Jahre kürzer als Frauen", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Montag im Rahmen der Präsentation des "1. Wiener Männergesundheitsberichtes". Hauptverantwortlich dafür seien Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Unfälle, hoher Alkoholkonsum und Selbstmorde. "Männer führen bewußt oder unbewußt ein risikoreicheres Leben, gehen mit ihrem Körper und ihrer Psyche wenig sorgsam um und halten wenig von Gesundheitsvorsorge", führte Rieder weiter aus. Dies bedeute gleichzeitig, daß es im Bereich der Männergesundheit ein großes präventives Potential gibt, das mit geeigneten Maßnahmen genutzt werden müsse. Schwerpunkte dabei: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen (v.a. Lungen-, Darm- und Blasenkrebs), Unfallverhütung im Straßenverkehr, chronische Lungenkrankheiten und psychische Gesundheit.

Als erste Stadt Europas und noch vor der WHO, deren internationaler Männergesundheitsbericht für den Herbst erwartet wird, ließ Wien die Gesundheit seiner männlichen Bevölkerung einer expliziten Analyse unterziehen. Der Bericht gibt Auskunft über den Gesundheitszustand und spezielle gesundheitliche Risiken der
Wiener Männer. Zudem beschäftigt er sich mit demographischen Gegebenheiten und Trends sowie der sozialen Situation und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Wiener Männer. Der 1. Wiener Männergesundheitsbericht wurde im Auftrag der Stadt Wien von a.o.Univ.Prof. Dr. Anita Schmeiser-Rieder und o.Univ.Prof. Dr. Michael Kunze erarbeitet. An der Präsentation nahmen Prof. Schmeiser-Rieder und der Leiter des Dezernates
"Gesundheitsplanung" der Landessanitätsdirektion Wien, D.I. Dr. Hannes Schmidl, teil.****

Rieder: Männer- und Frauengesundheit sind kein Gegensatz

Schon der 1996 erstellte Wiener Frauengesundheitsbericht betonte die Bedeutung einer geschlechtsspezifischen Medizin.
Rieder: "Geschlechtsspezifische Medizin bedeutet nicht das Ausspielen der gesundheitlichen Interessen eines Geschlechtes
gegen die des anderen, sondern das Eingehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Voraussetzungen. Damit wird, und da sind wir in Wien Vorreiter, aus einer ´verwaschenen´ Universalmedizin, die Bedürfnisse beider Geschlechter ignoriert, eine zielgerichtete und ´maßgeschneiderte´ Medizin für Mann und Frau."

Für eine Anerkennung des Faches "Männermedizin"

"Ich unterstütze die Bemühungen der Andrologen und Andrologischen Gesellschaften um eine Anerkennung eines Faches "Männermedizin", betonte Rieder. Ein zentraler Inhalt dieses
Faches wäre die Erforschung des männlichen Klimakteriums, der "Andropause". Während bei Frauen die Menopause, Osteoporose etc. bereits gut erforscht seien, stecke z.B. die Hormonersatztherapie bei Männern noch in den Kinderschuhen. "Angesichts der massiven Zunahme von Alterserkrankungen wie Osteoporose auch bei Männern besteht hier dringender Handlungsbedarf", hielt der Gesundheitspolitiker fest.

Ergebnisse des "Wiener Männergesundheitsprogrammes"

o Lebenserwartung

Männer haben eine um sechs Jahre kürzere Lebenserwartung als Frauen. Die Lebenserwartung von Männern liegt in Wien bei 73
Jahren und damit ein Jahr unter dem Bundesdurchschnitt für Männer.

o Haupttodesursachen: Herz-Kreislauf, Unfall, Alkohol, Selbstmord

Hauptverantwortlich für die geringere Lebenserwartung sind
vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Unfälle, Alkohol und Selbstmorde. Das mittlere Sterbealter bei männlichen Unfallopfern liegt in Wien bei 42,4 Jahren. Insgesamt starben in Wien im Jahr 1997 508 Männer durch Unfälle, Vergiftungen und gewaltsamen Tod, darunter befanden sich 187 Selbstmordopfer. Männer begehen dreimal häufiger Selbstmord als Frauen, obwohl Frauen eine dreifach höhere Rate an Selbstmordversuchen haben. Am häufigsten von Selbstmord betroffen ist die Altersgruppe der 30 bis 40jährigen und der über 80jährigen.

o Alkohol

Männer haben das dreifache Risiko, an Leberzirrhose zu
sterben als Frauen. Das mittlere Sterbealter bei Leberzirrhose
liegt bei etwa 60 Jahren. International liegt Österreich bei der Sterblichkeit durch Leberzirrhose mit 38,7 Toten pro 100.000 Einwohnern an zweiter Stelle nach Ungarn (129,9 Tote/100.000).

o Alterskrankheiten nehmen zu

Kriegsbedingt ist der Anteil alter Männer in Wien geringer
als anderswo. Mit der "Normalisierung" dieses Anteils werden auch bei Männern klassische Alterserkrankungen ansteigen. Dazu zählen vor allem Prostataerkrankungen, Prostatakarzinome, Inkontinenz, Demenzerkrankungen und Osteoporose. In Österreich wird es zwischen 2010 und 2040 zu einem rapiden Ansteigen osteoporotischer
Frakturen kommen. Eine der häufigsten Ursachen für die männliche Osteoporose ist der Alkoholkonsum.

o Männer sind Vorsorgemuffel

Männer sind seltener in Vorsorgeeinrichtungen anzutreffen als Frauen. Damit reduziert sich die Chance auf Früherkennung von Krankheiten und die Zahl auffälliger Befunde bei Männern steigt. Frauen haben auch ein höheres Vorsorgebewußtsein, weil sie an Vorsorgeuntersuchungen, z.B. in der Gynäkologie, bei der Brustkrebsfrüherkennung oder im Rahmen der Mutter-Kind-Passes "gewöhnt" sind.

o Bildung macht gesund

Bei Männern besonders stark ausgeprägt ist der Zusammenhang von Bildung und Gesundheitsverhalten. Pflichtschulabsolventen
weisen eine doppelt so hohe Sterblichkeit auf wie Hochschulabsolventen.

o Männer und Krebs

Männer haben ein höheres Risiko, an Krebserkrankungen zu sterben als Frauen. 435 von 100.000 Wiener Männern erkranken an Krebs, am häufigsten an Prostatakarzinomen, Lungenkarzinomen und Darmkarzinomen. Zigarettenrauchen ist übrigens jener Risikofaktor, der die Lebenserwartung der Männer erheblich beeinträchtigt. Etwa 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle sind durch Zigarettenrauchen verursacht. Lungenkrebs ist die bedeutendste Krebstodesursache bei Männern. Zwar nimmt der Anteil der an Lungenkrebs erkrankten
Wiener Männer im Gegensatz zu den Frauen seit 1993 kontinuierlich ab, trotzdem ist die Sterblichkeit bei Wiener Männern um 11
Prozent über dem Bundesschnitt. 74 von 100.000 Wiener Männern erkranken an Lungenkrebs.

o Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Mehr als 50 Prozent der Männer sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, über 4000 Männer im Jahr 1996 in Wien. Wien hat die höchste Herz-Kreislauf-Todesrate in Österreich. Die Sterblichkeitsrate geht zwar zurück, die Zahl der Erkrankungen jedoch nicht, was darauf schließen läßt, daß der Schweregrad der Erkrankungen zurückgeht.

o Gestresste Männer

41 Prozent der Wiener Männer fühlen sich gestresst (im Gegensatz zu 30 Prozent der Frauen). Besonders belastend wird Zeitdruck und schwere körperliche Arbeit empfunden. Bei Überbelastung wird vor allem mit erhöhtem Zigarettenkonsum, Alkoholkonsum und Überernährung reagiert.

o Männer im Alter weniger einsam

Im Alter leben Männer weniger häufig allein als Frauen, und bei Krankheit werden sie in größerem Ausmaß von der Partnerin betreut. Hilfsbedürftigkeit ist weniger häufig gegeben. Männer pflegen mehr Sozialkontakte und haben mehr Freizeitaktivitäten. Männer werden wesentlich seltener Opfer von Vereinsamung.

o Service:

Der "Wiener Männergesundheitsbericht" kann bei folgender
Adresse angefordert werden:

Büro Stadtrat Dr. Rieder
Frau Michaela Janac
Schottenring 24
1010 Wien
Tel: 0043-1-531 14/81233 DW
Fax: 0043-1-531 14/99/81221 DW
E-Mail: jan@ggs.magwien.gv.at

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