Görg: Schon wieder Weltpremiere im Wiener Brückenbau

Anstatt Tangentensperre: Fly Over - Die Brücke über der Brücke

Wien, (OTS) Bei der heutigen Pressekonferenz auf dem Gelände der Fa. Waagner-Biro-Binder wurde kaum zwei Jahre nach der spektakulären Praterbrückenhebung durch die MA 29 (Brückenbau) der Testlauf einer weiteren Weltpremiere durchgeführt: das fly over -eine Brücke-über-der-Brücke-Stahlkonstruktion, die nächstes Wochenende auf der Südosttangente zur Fahrbahnsanierung erstmals eingesetzt wird.

"Dabei handelt es sich wieder um eine Weltpremiere," sagte Vizebürgermeister Dr. Bernhard Görg. "In Japan hat es zwar ähnliche Versuche mit Überbrückungen von Straßen und Brücken gegeben, bei uns ist aber die Logistik so ausgefeilt, daß der Vorgang bei fließendem Verkehr vorgenommen wird. Sollte alles gutgehen, werden unsere Experten, international unüberboten sein. Unser Know how zählt damit wieder einmal zur Weltspitze."

Ausgangssituation - wie die Brücke über der Brücke entstand

Folgende Überlegungen waren ausschlaggebend bei der Erfindung des fly overs: Die Südosttangente ist eine der am stärksten befahrenen Autobahnen Europas. Nach 20 Jahren Höchstbelastung sind einige Fahrbahnübergänge (Bereich St. Marxer Hochstraße) beschädigt. Eine Drei-Wochen-Sperre jeweils einer Fahrspur würde den Verkehr auf der Tangente erheblich belasten bzw. zum Erliegen bringen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Gesamtsperre der Tangente, um die schadhaften Dilatationen auszuwechseln. Mit der "Brücke über der Brücke" (fly over) jedoch wird eine Rampe geschaffen, die das Auswechseln der Fahrbahnübergänge bei weiterlaufendem Verkehr ermöglicht. Damit haben die MA 29 (Brückenbau), die Fa. Waagner-Biro-Binder und das Zivilingenieurbüro Pauser eine weitere Meisterleistung im Bereich des Brückenbaus konzipiert und ausgearbeitet. Die Weltpremiere dieser technischen Konstruktion - eine Brücke über der Brücke bei fortlaufendem Verkehr zu errichten und eine schadhafte Brückenstelle zu sanieren - wird am Wochenende des 10. und 11 Juli 99 sein.

Derzeitige Situation der St. Marxer Hochstraße

Die in den Jahren 1973 bis 1978 errichtete Hochstraße St.
Marx befindet sich zwischen dem Donaukanal und dem Knoten Landstraße und zählt zu einem der meistbefahrensten Teilbereichen der A23 (Südosttangente). Die Gesamtverkehrsmenge beträgt an Wochentagen bis zu 180.000 KFZ pro Tag.

Durch den ständig steigenden Verkehr, insbesondere durch den hohen Anteil an Schwerlastverkehr, werden die Brückentragwerke enorm belastet. Die Brückenlager und Dehnfugenkonstuktionen müssen bei jedem LKW tonnenschwere Schläge aufnehmen. Auch die unter schwierigsten Bedingungen regelmäßig durchgeführten Wartungs- und Reparaturarbeiten können eine Erneuerung der mechanisch beanspruchten Dehnfugenkonstruktionen nach einer Gebrauchsdauer
von rd. 20 Jahren nicht abwenden.

Dilatation (Fahrbahnübergang) auf St. Marxer Hochstraße

Bei der Planung der Hochstraße St. Marx vor 25 Jahren wurde die notwendige Zugänglichkeit der Dehnfugenkonstruktionen von
unten nicht berücksichtigt. Wichtige Schweißverbindungen der Lamellenkonstruktion sind seit längerer Zeit gerissen und können nicht sachgemäß repariert werden. Um einen Bruch der gesamten Konstruktion und einer dadurch notwendigen Autobahnsperre vorzubeugen, wurde der Bereich von der MA29 (Brückenbau) im März 1999 mit einer Stahlblechüberbrückung "Schwelle" versehen. Da es sich dabei um Provisorium handelt, ist eine Auswechslung bzw.
Umbau der Dehnfugenkonstruktion unumgänglich notwendig.

Diese Arbeiten können nur gestaffelt nach einzelnen Arbeitsvorgängen (Stahlbau-, Baumeister-, Abdichtungs- und Belagsarbeiten) durchgeführt werden, wofür je Arbeitsabschnitt längere Verkehrssperren notwendig wären.

Instandsetzungsvarianten

Um die Verkehrsbehinderungen so gering wie möglich zu halten, wurden von der MA29 (Brückenbau) verschiedene Instandsetzungsvarianten durchgeplant. Die Verkehrsstudien haben ergeben, daß bei einer herkömmlichen Instandsetzungsdurchführung eine wechselseitige Sperre von mind. 2 Fahrstreifen mit gleichzeitiger Einführung eines Gegenverkehrsbereiches notwendig ist. Diese Maßnahmen sind auf der Wiener Südosttangente, nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen undenkbar und hätten für den Verkehr in Wien fatale Folgen.

Aus dieser Problematik heraus entstand die Idee des fly over. Diese Konstruktion ist eine technische Innovation, die von der Fa. Waagner Biro in Zusammenarbeit mit dem Ziv. Ing. Büro Pauser und der MA29 (Brückenbau) entwickelt wurde.

Weltneuheit fly over - die Brücke über der Brücke

Der Grundgedanke ist es, die Arbeitsstelle auf dem Tragwerk mittels der fly-over-Konstruktion so hoch zu überbrücken, daß darunter ohne Verkehrsbehinderungen die notwendigen Reparatur arbeiten durchgeführt werden können.. Das fly over ist eine im Baukastensystem individuell einsetzbare, mobile Brückenkonstruktion, die am jeweiligen Einsatzort über der Fahrbahn aufgebaut wird.

Die neue fly over Konstruktion erfüllt folgende Vorraussetzungen:

o Universelle Einsetzbarkeit für alle möglichen Anlageverhältnisse

bis zu einer Breite von 3 Fahrstreifen mit einer entsprechenden Längs- und Querneigung sowie Kurvenlage.
o Baukastensystem mit einfachen Schnellverbindungen, die den Auf-

und Abbau möglichst rasch ermöglichen.
o Leichtbauweise, max. 200kg/m2, um durch die zusätzliche

Belastung keine Sicherheitseinbußen am Brückentragwerk zu bewirken.
o 1 Fahrstreifen steht während des Auf- bzw. Abbaues immer zur

Verfügung.
o Auf- bzw. Abbau kann größtenteils in einer Nacht am Wochenende

durchgeführt werden
o Logistikkonzept für den reibungslosen An- und Abtransport sowie

Montage des fly overs am jeweiligen Einsatzort.

Baustellenabwicklung und Verkehrsbehinderungen

Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Instandsetzungsdurchführung (Sperre von mind. 2 Fahrstreifen über mehrere Wochen) werden die Verkehrsbehinderungen durch den Einsatz des fly overs auf ein absolutes Minimum reduziert.

Der Auf- und Abbau der fly over Konstruktion wird größtenteils während der Nachtstunden am Wochenende durchgeführt und minutiös geplant und koordiniert. Die Aufstellung erfolgt von der Mitte aus gleichzeitig in beide Richtungen. Für die Montage
und den Transport werden 34 Mann, 12 Sattelaufleger und 2
Autokräne benötigt.

Auch während der Auf- und Umstellungsphase des fly overs
steht immer 1 Fahrstreifen der jeweiligen Richtungsfahrbahn zur Verfügung. Die eigentlichen Bauarbeiten - die Auswechslung bzw. Umbau der Dehnfugenkonstruktion - werden ohne
Verkehrsbehinderungen durchgeführt. Die Dauer der Bauarbeiten beträgt pro Richtungsfahrbahn ca. 3 Wochen.

Aus Sicherheitsgründen und wegen der exponierten Lage wird es wie in Tunneln zu zwei grundsätzlichen Beschränkungen kommen: eine 60 km/h Geschwindigkeitsbeschränkung und ein Fahrspurwechsel im Bereich des fly over ist nicht erlaubt.

Sonder- und Schwertransporte werden über den Knoten St. Marx an der Baustelle vorbeigeführt.

Technische Daten zum fly over
o Das fly over besteht aus 54 Einzelelementen
o Gesamtgewicht: ca. 227 Tonnen
o Gesamtlänge: ca. 106m
o Breite: ca. 10m
o Arbeitshöhe unter der Konstruktion: ca. 1,80 m

Einzelelemente mit einer Breite von 3,35m, einer Länge von 4,5m und einem Gewicht von 2,6 t ergeben das dreispurige fly over mit einer Gesamtlänge von rund 106m und einer Gesamtbreite von
rund 10m. Bei einer Höhe von 1,8m entsteht ausreichend Arbeitsraum für das Auswechseln der Fahrbahnübergänge. Das Gesamtgewicht aller Fahrbahnelemente und der Böcke beträgt 227t. Dies entspricht sechs vollbeladenen 38t-LKWs.

Kosten:
o Gesamtkosten fly over: rd. 12,5 Mio.
o Auf- bzw. Abbau des fly overs pro Richtungsfahrbahn:

rd. 2,5 Mio.
o Umbau bzw. Auswechslung der Dehnfugenkonstruktion pro

Richtungsfahrbahn: rd. 3,5 Mio.
(Schluß) lei

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