Knapp daneben ist auch vorbei: FÜNF STEIRISCHE NATURA-2000-GEBIETE FALSCH ABGEGRENZT!

Graz (OTS) - Das Lob, das der WWF der Steiermark für die
Ausweisung von 25 neuen Europa-Schutzgebieten Natura 2000 spendet, ist leicht getrübt: Fünf der Gebiete sind so falsch abgegrenzt, daß das jeweilige Schutz-Ziel völlig verfehlt wurde. Das teilte der WWF heute nach einer Überprüfung der neuen Natura 2000-Gebiete mit. Ein Beispiel ist das Süd- oststeirische Hügelland, wo zum Schutz der Blauracke ein Natura 2000 Gebiet ausgewiesen wurde: Dieses deckt sich nur zu fünf Prozent mit dem tatsächlichen Verbreitungsgebiet der europaweit bedrohten Vögel. "Diese Fehler in der Abgrenzung sind leicht zu beheben. Landesrat Hirschmann muß aber sofort die versprochenen finanziellen Mittel zur Überprüfung der Gebietsgrenzen bereitstellen, damit die Wissenschafter die Sommermonate noch ausnützen können und die Grundbesitzer endlich Rechtssicherheit erlangen!" fordert Thomas Czerwinka, Leiter des WWF Steiermark.

Eine erste Prüfung der 25 neu gemeldeten steirischen Natura 2000-Gebiete durch den WWF und die Vogelschutzorganisation Birdlife ergab: Die Gebiete Südoststeirisches Hügelland, Lafnitztal, Sulm, Eisenerzer Alpen, und Ennstal sind so falsch abgegrenzt, daß das jeweilige Schutzziel großteils verfehlt wurde.

Beispiel Südoststeirisches Hügelland: Vorkommen der Blauracke und Schutzgebiet decken sich nur zu 5%

Das Südoststeirische Hügelland etwa wurde zum Schutz der Blauracke zum Natura 2000-Gebiet erklärt - einem wunderschönen, blau-grün schimmernden Vogel, der etwa so groß wie eine Dohle wird und zum Überleben eine kleinteilige, abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Hecken, Streuobstwiesen und alten Baumbeständen braucht. Die erste Überprüfung von Birdlife und WWF ergibt: Das Schutzgebiet und das tatsächliche Vorkommen der Blauracke decken sich höchsten zu fünf Prozent! (s. Grafik!)

Jetzt Geld für richtige Abgrenzung bereitstellen!

"Knapp vorbei ist auch daneben! Das Schutzziel wurde hier völlig verfehlt" kommentiert Thomas Czerwinka, Leiter des WWF Steiermark. Die Fehler zu beheben sei jedoch keine Hexerei - Wissenschafter müßten jetzt die tatsächlichen Vorkommen der schützenswerten Arten feststellen und die Gebietsgrenzen nachjustieren. "Dazu muß Landesrat Hirschmann jetzt das schon lange versprochene Geld für die Überprüfung der Gebietsgrenzen zur Verfügung stellen", fordert Czerwinka. "Jetzt darf keine Zeit mehr verloren werden: Die Wissenschafter müssen in den Sommermonaten bereits arbeiten können. Außerdem ist es höchste Zeit, daß die Grundbesitzer endlich Rechtssicherheit erlangen und informiert werden!"

WWF: Entwicklung in der Steiermark grundsätzlich positiv - jetzt nicht stehen bleiben!

Grundsätzlich bewertet der WWF die Entwicklung im steirischen Naturschutz positiv: Die Landesregierung hat im April 25 Natura 2000-Gebiete nachnominiert - darunter so bedeutende Naturjuwele wie die Obere Mur, wo noch der seltene Huchen vorkommt, oder das steirische Joglland, Heimat des scheuen Schwarzstorchs. Auf dem "Netz des Lebens-Index" des WWF, der die Leistungen der Bundesländer im Natura 2000 Prozeß bewertet, rückte die Steiermark so vom siebten auf den sechsten Platz auf. "Neun unverzichtbare Naturjuwele fehlen aber noch vollständig. Seltsamerweise wurden gerade die Gebiete, wo die Grundbesitzer mit einer Nominierung für Natura 2000 einverstanden sind, nicht genannt - etwa die Salza oder die Grenzmur", bemerkt Mag. Christoph Walder, Leiter der WWF- Kampagne "Netz des Lebens" zur Rettung der wichtigsten Naturgebiete Österreichs, sieht die Zukunft aber optimistisch: "Der steirische Naturschutz ist auf dem richtigen Weg - jetzt nur nicht stehen bleiben!"

Weitere Informationen, Grafik (zum Südoststeirischen Hügelland) und Fotos Blauracke) beim WWF Österreich.

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