Prof. Claus Gatterer-Preis 1999 an ORF-Journalisten Martin Voill vergeben

Ehrende Anerkennung an Wiener Schülerradioprojekt "Radiobande"

Sexten (OTS) - Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) hat Montag vormittag im Südtiroler Sexten den Prof. Claus Gatterer-Preis 1999 an den ORF-Journalisten Mag. Martin Voill übergeben. Der Prof. Claus Gatterer-Preis ist der renommierteste österreichische Journalismus-Preis für sozialkritischen Journalismus und wird seit 1985 vom Österreichischen Journalisten Club in Zusammenarbeit mit dem Land Sexten vorgeben. Claus Gatterer (1924 - 1984) war gebürtiger Sextener und bekannt für sein Eintreten für soziale und politische Randgruppen und Minderheiten.

Martin Voill hat den Preis für eine Reportage über das Sterben erhalten, die im Rahmen der ORF-Fernsehreligionssendung "Kreuz und Quer" ausgestrahlt wurde. Juryvorsitzender Dr. Rudolf Nagiller begründete die Entscheidung der Jury. Im Fernsehen eine Sterbende zu zeigen, ist normalerweise eine Tabuverletzung. Mit seinem Film über das Sterben, genauer: das richtige Sterben, ist es Martin Voill gelungen, dieses Problem zu meistern. Sein Film zeigt, wie Sterben sein kann: keine herzlose, bürokratische Entsorgung eines alten kranken Menschen der abtritt, sondern Sterben als natürlicher Abschluß des Lebens. Die Basis für diese Leistung ist das Unverdächtige, das nicht-voyeuristische Anliegen Martin Voill's, nämlich den Zuschauern - so paradox es klingt - Leben zu helfen in dem man ihnen zeigt, daß es möglich ist, natürlich zu sterben.

Die ehrende Anerkennung ging heuer erstmals nicht an Profijournalisten, sondern an die Schüler der Medienhauptschule Loquaiplatz im sechsten Wiener Gemeindebezirk. Die Kids gestalten mit anderen Schulen gemeinsam ein Radioprogramm. Dieses wird täglich von 7.45 Uhr bis 8.00 über FM 94 Radio Orange ausgestrahlt. ÖJC-Präsident Fred Turnheim begründet die Entscheidung der Jury wie folgt: "Die Radiobande des Loquaiplatzes besteht aus 10 Schülern aus fünf Ländern. Das ist kein Zufall bei diesem Projekt, sondern System. Das System der Förderung von Minderheiten durch den Einsatz der Medien. Das will der Österreichische Journalisten Club auszeichnen."

Südtirols Kulturlandesrat Dr. Bruno Hosp begrüßte die Zusammenarbeit zwischen dem Land Südtirol und dem ÖJC. Er forderte für das Handeln aller politisch verantwortlichen Menschen, in jedem noch so überschaubaren kleinen Raum, nach Ausgleich der Interessen zu streben, Benachteiligungen zu vermindern und Minderheiten zu achten."

Der Sextener Bürgermeister Wilhelm Rainer betonte in seiner Festrede: "Die Gemeinde Sexten freut sich, daß es heuer wieder gelungen ist, einen würdigen Preisträger zu finden und auszeichnen zu können." Des weiteren stellte Bürgermeister Rainer zufrieden fest, daß es gelungen ist, die gesamte Hinterlassenschaft von Claus Gatterer in der nach ihm benannten Bibliothek im Landhaus Sexten der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

In seinen Dankesworten sagte der Preisträger Mag. Martin Voill:
"In meiner Arbeit habe ich versucht, auf die Gefühle einer krebskranken Frau einzugehen, die Einblick in den Prozeß ihres Sterbens gegeben und in ihren letzten Stunden eine ungeheure Nähe zugelassen hat. Viele Sterbende haben keine Möglichkeit mehr sich auszudrücken und sind ihrer Umwelt gewissermaßen ausgeliefert. Deshalb ist die Thematik für mich in der Nähe von jenen Minderheiten anzusiedeln, die keine Stimme haben, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird."

Mag. Voill wurde 1964 in Villach geboren und hat nach seiner Matura Philosophie in München, Kommunikationswissenschaften in New Orleans und Theologie in Innsbruck studiert. Er war 13 Jahre lang Mitglied des Jesuitenordens. Als Priester war er in der Jugendarbeit tätig und "erfand" in Östrreich die Internet-Seelsorge. 1996 verließ Voill den Orden. Heute ist er verheiratet und hat eine Tochter.

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