Maßnahmen für schwer vermittelbare Jugendliche verstärken

Vorlehre nur dann attraktives Ergänzungsinstrument, wenn Zugangsbeschränkungen gelockert werden

PWK - "Die intensiven Bemühungen der Wirtschaft beginnen zu greifen", stellt Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildung in der Wirtschaftskammer Österreich, mit Blick auf die jüngst veröffentlichten Lehrstellenzahlen, aber auch auf die zahlreichen Informationsmaßnahmen der Wirtschaftskammern gegenüber ihren Mitgliedsbetrieben fest. Erstmals ist der Lehrstellenmarkt in etwa ausgeglichen, die Zahl der Lehrstellensuchenden und der offenen Lehrstellen halten sich die Waage, was selbstverständlich regionale oder branchenmäßige Ungleichgewichte nicht ausschließt. ****

Tatsächlich ist es ja bereits so, daß für zahlreiche anspruchsvolle Lehrberufe die Betriebe viel zu wenig geeignete Bewerber für vorhandene Lehrstellen erhalten. Andererseits kann gehofft werden, daß mit den neuen Anreizmaßnahmen durch die Steuerreform 2000 die Be-reitschaft der Betriebe, sich der Lehrlingsausbildung zu widmen, generell weiter steigt. Dabei muß festgestellt werden, daß die steuerliche Entlastung der Wirtschaft von rund 1,2 Mrd Schilling bei etwa 125.000 Lehrverhältnissen im Vergleich zu 1,8 Mrd Schilling für das soge-nannte "Auffangnetz" als Notmaßnahmen für insgesamt 8.000 Ju-gendliche durchaus relativiert werden muß. "Von Steuergeschenken an die Wirtschaft kann keine Rede sein, eher davon, daß der Staat sich endlich ein wenig seiner Förderungsaufgabe auch in der Lehr-lingsausbildung besinnt", so Piskaty.

Die Möglichkeit, lernschwachen Jugendlichen die Inhalte eines ersten Lehrjahres in zwei Jahren beizubringen und dafür ein eigens gestaltetes "Vorlehrverhältnis" in Anspruch zu nehmen, ist sicherlich durch die von der Wirtschaftskammer Österreich erreichte Klarstellung, daß es keine Behaltepflicht nach der Vorlehre gibt, attraktiver geworden. Auch der Umstand, daß während der gesamten Vorlehre die Lehrlingsentschädigung des ersten Lehrjahres anfällt und Förderungen des AMS für Vorlehrlinge im gleichen Umfang gewährt werden wie für sonstige benachteiligte Jugendliche, sollte Betrieben die Entscheidung, sich dieser schwierigen Aufgabe im Interesse der Jugendlichen zu unterziehen, erleichtern.

Klar muß aber sein, daß die Vorlehre nur dann ein wirklich attraktives Ergänzungsinstrument zur Lehre sein kann, wenn die unsinnigen Zugangsbeschränkungen gelockert werden und tatsächlich alle nicht lehrvertragsfähigen lernschwachen Jugendlichen (zumindest also solche, die den Hauptschulabschluß nur in der 3. Leistungsgruppe geschafft haben) die Chance des Beginns eines Vorlehrverhältnisses erhalten. Auch ein Engagement diverser überbetrieblicher Ausbildungseinrichtungen in diesem Sektor wäre sinnvoll.

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