Frischer "Treibstoff" für Wiener Gamma Knife

201 neue Kobalt 60-Strahlenquellen bringen mehr Leistung und kürzere Wartezeiten

Wien, (OTS) Neuigkeiten vom Wiener "Gamma Knife": Das 1992 errichtete High-Tech-Gerät im Wiener Allgemeinen Krankenhaus erhielt im Dezember des Vorjahres eine neue Planungs-Software (Gamma-Plan) und neuen "Treibstoff" in Form von 201 Kobalt 60-Strahlenquellen. Diese Neuerungen standen im Mittelpunkt einer umfassenden Präsentation des Gamma Knifes durch die Universitätsklinik für Neurochirurgie (Stellv. Vorstand a.o. Univ.-Prof. Dr. Karl Ungersböck) am Freitag im Mehrzwecksaal des AKH mit anschließender Besichtigung des Gerätes. An der Präsentation nahmen neben den seinerzeitigen "Vätern" des Gamma Knifes, Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder und Altbürgermeister Prof. Dr. Helmut Zilk, auch der stellvertretende Generaldirektor
des Wiener Krankenanstaltenverbundes, Prim. Dr. Ludwig Kaspar, AKH-Direktor Univ.-Prof. Dr. Reinhard Krepler, der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schütz, sowie der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurochirurgie, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Pendl, teil. Ebenfalls anwesend waren zahlreiche ehemalige Patientinnen
und Patienten.

"Entgegen der ursprünglichen Skepsis hat sich das Gamma Knife am Wiener AKH in den sieben Jahren seines Bestehens absolut bewährt", betonte Stadtrat Rieder im Rahmen der Veranstaltung.
Noch immer sei diese Einrichtung für viele Tumorarten die beste
und schonendste Behandlungsform, und auch an der sozialen
Komponente des Einsatzes von Spitzenmedizin für alle Bevölkerungsschichten habe sich bis heute nichts geändert: "Die Aussage des damaligen Bürgermeisters Helmut Zilk, wonach dieser stolz darauf sei, dass die ´Hilde-Tant´ als erste Patientin des Gamma Knifes nicht 20.000 Dollar für die Behandlung bezahlen müsse, ist auch heute noch richtig."****

Gerade die Neurochirurgie sei ein Fach, in dem in Wien besonders viel Spitzenmedizin für breite Bevölkerungsschichten geleistet werde, erklärte Rieder. So gab es im Jahr 1996 in Wien 5.954 neurochirurgische Spitzenleistungen, im Jahr 1998 aber
bereits 11.946. Neurochirurgien befinden sich in Wien im AKH, in
der Krankenanstalt Rudolfstiftung und im Donauspital. 45 Prozent
der neurochirurgischen Patienten in Wien stammen aus anderen Bundesländern.

Seit Inbetriebnahme des Gamma Knife wurden an 1.555 Patienten 2.058 Behandlungen durchgeführt. Durch die Neuanschaffung der Strahlungsquelle und die Installation der neuen Planungs-Software konnten die Kapazitäten merklich erhöht werden, was für Patienten auch kürzere Wartezeiten bedeutet. So konnten seit Durchführung dieser Investitionen im Dezember 1998 240 Behandlungen an 160 Patienten durchgeführt werden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres betrug diese Zahl im Vergleich 85 Patienten, an denen 127 Behandlungen durchgeführt wurden.

Gebündelte Strahlung ersetzt das Messer

Die Funktionsweise des Gamma Knifes beruht auf der Strahlung von 201 Kobalt-60 Quellen, die so gebündelt wird, daß ein vorhandener Gehirntumor oder ein sonst krankhaft verändertes Areal des Zentralnervensystems bis auf einen Zehntel Millimeter genau "getroffen" und zerstört werden kann. Im umliegenden Gewebe tritt praktisch keine Strahlenbelastung auf. Für den Patienten bedeutet dies eine besonders schonende und "unblutige" Behandlungsform, da der Kopf nicht chirurgisch geöffnet werden muß und daher auch keine Narkose und nur ein kurzer Aufenthalt von zwei bis drei
Tagen notwendig sind. Hauptsächlich profitieren Patienten mit tiefgelegenen oder metastierenden Tumoren, mit Tumoren im Augen-oder HNO-Bereich oder Patienten mit herdförmig begrenzten Epilepsien.

Neue Planungs-Software, neue Strahlungsquellen

Die neue Planungs-Software (Gammaplan) ist ein dreidimensionales digitales Planungssystem. Zur genauen Lokalisierung des zu bestrahlenden Gewebes sind vor einer Gamma Knife-Behandlung eingehende diagnostische Planungsuntersuchungen
wie Computertomographien und Kernspintomographien notwendig. Gammaplan ist nun in der Lage, Bilddaten sowohl aus der Computertomographie als auch aus der Kernspintomographie dreidimensional zu fusionieren und die Ergebnisse über ein hausinternes Netzwerk an das Gamma Knife zu überspielen. Während der Patient von der Planungsuntersuchung zum Gamma Knife gebracht wird, kann dort bereits mit den übermittelten Daten der Eingriff vobereitet werden. Dieses Verfahren bedeutet eine merkliche Verkürzung der Planungsuntersuchung und damit eine Erhöhung der Behandlungskapazität.

Eine besondere Herausforderung stellte der Austausch der 201 Kobalt 60-Strahlenquellen des Wiener Gamma Knifes dar. Das Wiener Gamma Knife ist seit August 1992 in Betrieb. Die Aktivität der Strahlenquellen betrug zu Beginn 6000 Curie. Durch die
Halbwertszeit der Kobalt 60-Strahlenquellen von 5,3 Jahren sank
die Aktivität bis Dezember 1998 auf 2.500 Curie. Dadurch verlängerte sich die Bestrahlungszeit für die Patienten um ein Vielfaches. Um lange Bestrahlungszeiten für die Patienten zu vermeiden, wurde der Austausch der Kobalt 60-Strahlenquellen mit Dezember 1998 geplant und durchgeführt.

Der Antransport der 201 Kobalt 60-Strahlenquellen erfolgte
mit dem Flugzeug von San Francisco (General Electric USA) nach Frankfurt einem abgeschirmten Transportbehälter für radioaktive Quellen. Der vier Tonnen schwere Behälter wurde per LKW an das Wiener Gamma Knive geliefert.

Unter Aufsicht des Arbeitsinspektors sowie eines vom Amt der Wiener Landesregierung bestellten Sachverständigen und den für das Gamma Knife zuständigen Strahlenschutzbeauftragten wurde der Transportbehälter von einer schwedischen Spezialfirma (Studsvik Nuclear) entladen. Vor der Entladung der Quellen auf dem Areal des AKH wurde der Transportbehälter und die LKW-Ladefläche auf Kontaminationsfreiheit überprüft.

Für den Quellentausch wurde der 18 Tonnen schwere Kern des Gamma Knifes in die richtige Position gebracht. Die Beladung wurde mit einer speziell abgeschirmten Be- und Entladungsmaschine (12 Tonnen) durchgeführt.

Eine massive Abschirmung (Bleiglasscheibe von einem halben Meter Dicke) ist notwendig, um mit den radioaktiven Quellen (staubdicht verschlossen in Stahl und Aluminiumkapseln) gefahrlos manipulieren zu können. Die alten Strahlenquellen wurden in dem abgeschirmten Transportbehälter gelagert und abtransportiert. (Schluß) nk

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