ÖGB: 35 Stundenwoche bei vollem Einkommen

Frauen Chance auf Vollbeschäftigung geben

Wien (ÖGB). "Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich ist ein Weg, um Arbeitslosigkeit zu reduzieren", betonte ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits, bei der ÖGB-Podiumsdiskussion "Gemeinschaft statt Egoismus". ++++

Csörgits: "Frauen und Männer müssen die Möglichkeit auf Vollbeschäftigung haben; familienbedingte Pausen dürfen die Rückkehr ins Berufsleben nicht verhindern. Auch Betriebe müssen verstärkt Wiedereinstiegshilfen anbieten."

Kritisch betrachtet Csörgits die Zahl der regelmäßig geleisteten Überstunden: "Es ist sicher nicht verständlich, dass sich die Anzahl der regelmäßig geleisteten Überstunden kaum verändert. Es kann nicht sein, dass viele - meistens Männer - in der Arbeitswelt zu Überstundenleistungen herangezogen werden und auf der anderen Seite Menschen keinen bezahlten Arbeitsplatz haben, denn Arbeitslosigkeit ist die inhumanste Form der Arbeitszeitverkürzung", so die ÖGB-Frauenvorsitzende.

Um Einkommensungerechtigkeiten bei Frauen und Männern zu reduzieren, müsse es zu einer neuen Bewertung von Frauenarbeit kommen, so Csörgits. Gleichzeitig fordert Csörgits gezielte Frauenfördermaßnahmen in Betrieben, um mehr Frauen in Top-Positionen zu bringen.

Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst: "Die Industrie kommt mit immer weniger Beschäftigten aus, maximiert jedoch ständig ihre Gewinne. Dieser Entwicklung muss entgegengewirkt werden, und dafür sind
Initiativen in ganz Europa notwendig."
Ein klares "Nein" kommt von Kaske zum Thema "privates Pensionssystem". Kaske: "Gerade in der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst verdienen die Beschäftigten zwischen 9.000 und 12.000 Schilling brutto. Der Vorschlag an diese ArbeitnehmerInnen, sich privat zu versichern, kann nur ein schlechter Witz sein."

Hans Rauscher, Journalist, sieht die Zukunft für jüngere Menschen mit abgeschlossener Ausbildung weniger rosig: "Besser ein Mc Job, als gar kein Job. Junge Leute werden in Zukunft nicht sofort fix angestellt werden, sondern auf Werkvertragsbasis oder in Teilzeit beginnen." Skeptisch sieht Rauscher auch das staatliche Pensionssystem. Er hält eine "Mixtur aus staatlicher- und privater Vorsorge" für sinnvoll.

Alexander Bisenz, Kabarettist will "politische Schranken", um Konzernfusionierungen zu kontrollieren, ansonsten sei eine "Wirtschaftsdiktatur" die Folge. Um Armut zu verhindern, seien vor allem neue Arbeitsplätze notwendig, so Bisenz, daher sei er überzeugt davon, dass es zu einer Arbeitszeitverkürzung kommen muss. Bisenz Appell an die Jugend: "Sie muss individuell denken, eigenständig und frei sein. Egoismus muss nicht immer Skrupellosigkeit bedeuten." (bfm)

ÖGB, 25. Juni 1999 Nr. 316

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