"Gießgang" Greifenstein hat sich bewährt - Auen revitalisiert

Ein ökotechnisches Modell der Verbund-Forschung für Wasserkraftwerke

Wien (OTS) - Der Gießgang, ein ausgeklügeltes
Bewässerungssystem für die Donauauen zwischen Altenwörth und Korneuburg, hat sich bewährt. Die vom Austrocknen bedroht gewesenen Auwälder können heute, 15 Jahre nach Inbetriebnahme des 42 Kilometer langen Gerinnes, welches durch die Verbindung von Altarmen entstand, als revitalisiert bezeichnet werden.****

Dies belegt eine umfassende interdisziplinäre Studie, die am heutigen Umwelttag des Verbund, Österreichs größten Stromerzeugers, vom zuständigen Vorstandsdirektor Dr. Herbert Schröfelbauer präsentiert wurde. Schröfelbauer bezeichnete den Gießgang als "ökotechnisch vorbildhaftes Modell für Wasserkraftwerke und Wasserbauten allgemein, welches im Rahmen der zu erwartenden Vorgaben der EU-Wasserrichtlinie besonders an Bedeutung gewinnt".

Nordwestlich von Wien, im Tullner Feld, erstreckt sich mit insgesamt mehr als 10.000 Hektar eines der flächenmäßig größten zusammenhängenden Auwaldgebiete Mitteleuropas. Regulierungsmaßnahmen, Hochwasserschutzbauten und Kraftwerkserrichtungen führten zu gravierenden Veränderungen der Flüsse, aber auch in den angrenzenden Auen. Vergleiche von historischem Kartenmaterial ergaben für das Tullner Feld eine Abnahme der Wasserfläche zwischen 1819 und 1994 um 60 %, von 1902 bis heute um 17 %.

Zur Rettung der wertvollen Naturlandschaft wurde vom Verbund im Zuge des Donaukraftwerksbaus Greifenstein der "Gießgang" geplant und bis 1984 realisiert: eine neuartige, österreich- und europaweit einmalige ökotechnische Maßnahme.

Gespeist wird der Gießgang ganzjährig durch unterirdisch durchsickerndes Donauwasser sowie zwei Zubringerbäche. Den größten Teil des Jahres gleicht der Gießgang einem Fluß wie dem Kamp im niederösterreichischen Waldviertel mit einer minimalen Wasserführung von rund 4 m3/sec.

Bei Donauhochwasser strömt das Wasser über eine Flutrinne ein, die gegenüber von Zwentendorf liegt. An einer Donauwasserführung von 5200 m³/sec wird aus dem Gießgang geradezu ein reißender Gebirgsfluß, vergleichbar mit der Enns, mit einer Wasserführung von mehr als 60 m3/sec. Die Auen werden großflächig überflutet.

Das für den Gießgang bisher größte Hochwasser im August 1991 brachte an die 900 m³/sec Donauwasser in die angrenzenden Augebiete. Das bedeutet, daß sich während dieses Hochwassers der Inhalt des Neusiedlersees in die Donauauen ergoß.

Nach mehr als zehnjährigem Bestehen des Gießgangs hatte die Verbund-Forschung 1995 eine interdisziplinäre Projektstudie beauftragt, die ökologische Funktionsfähigkeit dieses künstlich geschaffenen Systems im Lebensraum Auwald zu bewerten. Die nunmehr vorliegende Studie belegt die erreichte Revitalisierung der Region.

So wurden im Gießgang und seinen Nebengewässern 75 Makrophytenarten (mit freiem Auge sichtbare Wasserpflanzen) nachgewiesen. Die Artenanzahl hat im vergangenen Jahrzehnt zugenommen.

Die Analyse von Kleintieren dokumentiert, daß ein reichhaltiger Tierbestand im Freiwasser sowie auf der Gewässersohle beheimatet ist. Die hohe Biodiversität von 567 zum Teil seltenen Tierarten ist ein Garant für ein ungebrochenes "Revitalisierungspotential" und spiegelt die Bedeutung von Ausystemen als Rückzugsräume für gefährdete Arten.

Im Zuge der Forschungen wurden praktisch alle im angrenzenden Donauabschnitt vorkommenden Fischarten - insgesamt 49 - auch im Gießgang nachgewiesen. Von 237 vorkommenden Vogelarten wurden sieben Arten erstmals im Gebiet nachgewiesen.

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