Greenpeace und ÖKOBÜRO: Schluß mit endloser Umweltgift- Bewertung in der EU!

EU-Umweltminister müssen Maßnahmen für rasche Chemikalienverbote treffen

Wien (OTS) - Anläßlich des von 24.-26. Juni in Luxemburg stattfindenden Umweltministerrates fordern Greenpeace und das ÖKObüro von Umweltminister Martin Bartenstein und den anderen EU-Umweltministern, endlich die Weichen für eine vorsorgende Chemikalienpolitik zu stellen. Statt endloser wissenschaftlicher Bewertungen und politischer Diskussionen ohne Ergebnis müssen gefährliche Substanzen rasch verboten werden. "Manche bekannt gesundheitsschädliche und in der Umwelt schwer abbaubare Chemikalien wie der leber- und nierenschädigende PVC-Weichmacher DEHP oder das leberschädigende Putzerei-Gift Perchlorethylen (PER) werden seit fünf Jahren von der EU untersucht. Bis heute wurde trotzdem

keine einzige gesetzliche Maßnahme zum Schutz von Gesundheit und Umwelt getroffen", empört sich Greenpeace-Chemie-Experte Dr. Thomas Belazzi.

Vor jedem EU-weiten Chemikalien-Verbot muß zuerst eine vollständige wissenschaftliche Bewertung verfaßt werden.Der krebserregende Treibstoff-Zusatz Benzol wurde bereits 1994 aufgrund des dringenden Verdachts auf Gesundheitsgefahr für eine Bewertung ausgesucht. "Obwohl von der Weltgesundheitsorganisation WHO als krebserregend eingestuft, hat in der EU die Benzol-Bewertung nach fünf Jahren noch nicht einmal begonnen," empört sich ÖKObüro-Chemiepolitik-Experte DI Herwig Schuster. "Jährlich werden daher nach wie vor zehntausende Tonnen krebserregendes Benzol legal dem Benzin beigemischt. Einziger Gewinner dieses Systems ist die chemische Industrie."

In der EU sind exakt 100.106 verschiedene Chemikalien registriert. Von den allermeisten hat die chemische Industrie jedoch keine Daten über ihre Gefährlichkeit veröffentlicht. Daher sollen, so der EU-Plan, alle Chemikalien einer individuellen Risikobewertung unterzogen werden. Doch bislang sind nur 110 für eine Bewertung vorgesehen. 1994 wurden u. a. die gesundheitsschädlichen chlorierten Lösungsmittel Trichlorethylen und Perchlorethylen, das krebserregende Benzol und drei als Umweltgifte erkannte schwer abbaubare Flammschutzmittel wie Chlorparaffine ausgewählt. Seit 1995 befinden sich u. a. das krebserregende chlorierte Lösungsmittel Chloroform, das hormonell wirksame Nonylphenol und drei leberschädigende Phthalate (PVC- Weichmacher) in Begutachtung. Obwohl viele alarmierende Daten längst bekannt sind, wurden bislang bei keiner einzigen Chemikalie Beschränkungen oder Verbote erlassen. Erst für 21 (der 110) ausgewählte Substanzen ist die wissenschaftliche Bewertung abgeschlossen. Bei 14 Stoffen wurden Beschränkungen empfohlen. In der Zwischenzeit werden die Chemikalien weiterproduziert und gelangen bei der Herstellung, der Verwendung oder der Entsorgung in die Umwelt und schädigen den Menschen.

"Die EU-Chemikalienpolitik ist klar gesundheits- und umweltschädlich. Sie ist auch für den Dioxin- Futtermittelskandal mitverantwortlich, da Gifte wie PCBs weiterhin im Umlauf sind," kritisieren das ÖKObüro und Greenpeace. "Gefährliche Chemikalien müssen rasch verboten werden und für alle am Markt befindlichen Substanzen muß die Industrie gesetzlich verbindlich alle Daten unverzüglich auf den Tisch legen. Minister Bartenstein muß sich in Luxemburg dafür einsetzen."

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Dipl.-Ing. Herwig Schuster, ÖKOBÜRO,
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